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Zum 80. Geburtstag: Liebesgrüße an John Lennon aus dem Hotel-Bett von Hamburgs Beatles-Expertin

Happy 80th Birthday: Stefanie Hempel (M.) hat mit ihrer Band The Silver Spoons (Billy King, l. und Ben Barritt), das Bed-in von John Lennon und Yoko Ono im Elphi-Hotel nachgestellt. Foto: Natalie Ruoss
Happy 80th Birthday: Stefanie Hempel (M.) hat mit ihrer Band The Silver Spoons (Billy King, l. und Ben Barritt), das Bed-in von John Lennon und Yoko Ono im Elphi-Hotel nachgestellt. Foto: Natalie Ruoss

John Lennon schrieb Musikgeschichte mit den Beatles, protestierte mit Ehefrau Yoko Ono im Bett gegen den Krieg, schrieb die Hymne „Imagine“ und wurde zu einer Ikone für mehrere Generationen. Heute wäre der 1980 erschossene Sänger 80 Jahre alt geworden. Hamburgs Beatles-Expertin Stefanie Hempel feiert Lennon zweifach: mit einem Liebesbrief als MOPOP-Gastautorin, der unten zu lesen ist, und mit ihrer Band beim „Bed-in“ im Elbphilharmonie-Hotel „The Westin“.

Bed-in 1969: John Lennon und Yoko Ono legten sich für den Frieden ins Bett. Foto: imago images

John Lennon ist meine erste große Liebe. Und die hält bis heute an. Er war für mich die erste große Inspirationsquelle. Vom ersten Moment, als ich seine Stimme hörte, faszinierte er mich und je tiefer ich in seine Geschichte vordrang, desto spannender und facettenreicher wurde sie und wird sie noch immer. Mit all den ihr innewohnenden Widersprüchen und Ambivalenzen.

Lennons Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, die Verletzlichkeit, aber auch sein Zorn, der Biss, der Witz und die Schlagfertigkeit sind bis heute unwiderstehlich.

Ein dreistimmiges „Imagine“-Ständchen von Billy King (l.), Stefanie Hempel und Ben Barritt für John Lennon zum 80. Geburtstag!

Den Moment, als Stefanie Hempel zum ersten Mal „She Loves You“ hörte, wird sie nie vergessen

Für mich ging alles los mit einer Beatles-Kassette 1986 in Grabow, in der ehemaligen DDR. Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment: Ich bin neun Jahre alt und mein Vater kommt mit einer AMIGA-Kassette ins Zimmer, legt sie in den Philips-Kassettenrekorder ein (teuer im Intershop erstanden), drückt auf Play! und „She Loves You“ beginnt. DER Moment meines Lebens. Ein Moment, bei dem ich mich bis heute an alle Details genau erinnere. Wie die Nachbarn draußen Federball spielen, es ist ein heißer Augusttag, der Kassettenrekorder steht auf der Fensterbank …

In dem Moment wurde ich auf eine Spur gesetzt, eine lebenslange Sehnsuchtsbahn.

Maxi Voormann, der Sohn von Klaus Voormann, hat die Aktion gemalt. Klaus Voormannwar ein enger Freund der Beatles und designte nicht nur das Cover der revolutionären Beatles-LP „Revolver“, sondern ist auch als Bassist u.a. auf der Aufnahme von „Imagine“ zu hören. Foto: Natalie Ruoss

Von da an träumte ich von den Jungs aus Liverpool, vor allem von John. Seine gleichzeitig raue und verletzliche Stimme ließ mich nicht mehr los. Ich versuchte, alles über die Beatles herauszufinden, was sehr schwierig war in der DDR. Es gab zwar ein paar Amiga-Compilations, aber kein „White Album“, kein „Revolver“, kein „Rubber Soul“… Das machte die Leidenschaft, die Sehnsucht nur noch größer. Wir wohnten nahe der Grenze und konnten deshalb Westradio empfangen. Ich klebte förmlich am Radio, um einen noch nicht gehörten Beatles-Song ausfindig zu machen. Ich fing an, die Songs auf dem Klavier nachzuspielen. Meine ersten eigenen Songs waren alles Liebeslieder für John. Sie hießen „Still Love You“, „In My Dreams“, „Can’t Stop Loving You“… Aus schlechtem Gewissen schrieb ich auch einen Song für Paul, der etwas oberflächlicher geriet. Ich träumte davon, Teil dieser unzertrennlichen Jungsbande aus Liverpool zu sein. Ich wollte eine Nickelbrille haben wie John. Ich fing an, eine alte Nickelbrille aus den 60ern von meinem Vater ohne Sehstärke zu tragen. Wenig später ging meine Kurzsichtigkeit los. Heute kann ich ohne Brille genauso wenig sehen wie John …

Stefanie Hempel hatte eine Nickelbrille wie John Lennon und schrieb ihm Liebeslieder

Als ich Ende der 90er nach Hamburg zum Musikstudium kam, wunderte ich mich, dass es nichts gab, was an die Beatles und ihre irrwitzige Geschichte hier erinnerte. Seit 16 Jahren bin ich nun schon unterwegs durch St. Pauli mit meiner eigenen musikalischen Beatles-Tour. Die Fans kommen aus der ganzen Welt und meine Leidenschaft für die Fab Four ist mein Beruf, ja, meine Berufung geworden.

Es ist ein wunderbares Privileg, meine eigene Liebe zu den Beatles mit den Fans aus aller Welt zu teilen. Und es hat etwas Magisches, wenn bei meiner Samstags-Tour Fans aus den verschiedensten Ländern zusammenkommen, aus Indien, Australien, Israel, England, Schweden, USA, mit den verschiedensten Backgrounds. Und sie alle vereint die Liebe zu dieser Musik. Der Spirit der Beatles ist so positiv, die Gefühle, die sie ansprechen, so universell. „You may say I’m a dreamer – but I’m not the only one“.

Die Beatles sind Stefanie Hempels Berufung, sie macht Beatles-Touren über den Kiez

Ich liebe alle vier Beatles. Aber am allermeisten doch noch immer John. Seine Direktheit, seine Ungeschminktheit. Er war so gut darin, Songs wie Slogans für die gute Sache einzusetzen: „Come Together“, „All You Need Is Love“, „Give Peace A Chance“. Songs wie Trojanische Pferde: einfache, eingängige Melodien, die jeder sofort mitsingen kann und darunter Texte, die den Status quo infrage stellen, die Zusammenhalt, Frieden und Liebe predigen.

Die fertige Zeichnung von Maxi Voormann. Über die ganze Aktion hätte sich John Lennon sicher gefreut! Foto: Natalie Ruoss

Ein Song wie „Imagine“ bringt bis heute die Menschen aller Nationen zusammen, spendet Trost und Zuversicht für eine bessere Welt. Der Song stellt alles, was unsere Welt prägt, infrage – Religion, Nationalismus, Materialismus. Durch seine Eingängigkeit, seine Schönheit jedoch, durch seine hymnische Kraft lässt er uns Zuhörer und Mitsänger glauben und fühlen, dass es eine Veränderung, eine bessere Welt tatsächlich geben kann.

Das ist die Kraft der Musik und die Kraft eines John Lennon.

Stefanie Hempels Beatles-Touren kann man hier buchen. Sie besucht auf ihnen alle wichtigen Hamburg-Orte der Beatles – u.a. die Türschwelle, auf der John Lennon auf dem Cover seines Albums „Rock’n’Roll“ steht.

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