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Wie Plattenläden durch die Pandemie kommen

Im Plattenladen Freunde besuchen … 

16.02.2021
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Hanseplatte hat einen eigenen Onlineshop. MOPOP-Redakteurin Frederike Arns (l.) hat bei Sina Kelting und Jakob Groothoff die neuen MOPOP-Jutebeutel abgegeben. Foto: Arist von Harpe

… geht gerade nicht. Eine Bestandsaufnahme, wie Vinyl-Geschäfte durch die Pandemie kommen

Über die gebeutelte Gastro-Branche berichtete die MOPO vergangenen Samstag – seit 16. Dezember ist auch der Einzelhandel geschlossen. Zwei Monate schon, wie die Zeit im Lockdown verfliegt! Plattenläden sind da natürlich keine Ausnahme. Dabei ist der Vinylkauf eigentlich eine hochsoziale Angelegenheit. MOPOP hat bei vier Hamburger Plattenläden – Hanseplatte, Groove City, Zardoz und Michelle  – auf Abstand vorbeigeschaut und mit den Inhabern die aktuelle Lage besprochen. Und außerdem die neuen MOPOP-Jutebeutel vorbeigebracht (siehe Infotext unten)!

„Wenn du dich mal einsam fühlst, fahr  in einen Plattenladen und besuch  deine Freunde.“ Dieses Zitat stammt aus dem Musikfilm „Almost Famous“. Tja, wenn man das gerade doch einfach nur wieder machen könnte! Aber weder im Jahr 2000, als der Film in die Kinos kam, noch in den 70ern, in denen er spielt, hatte irgendwer die verdammte Pandemie auf dem Zettel.

Marga Glanz (r.) von Groove City Records vermisst den Austausch mit ihren  Stammkunden. Foto: Arist von Harpe

 

Mit den „Freunden“ im Zitat können natürlich nicht nur die Künstler, sondern auch die Plattenladen-Besitzer selbst gemeint sein. Sie wissen mit der Zeit einfach sehr genau, was ihren Stammkunden gefällt. „Wir haben normalerweise ganz viele Leute, die reinkommen und sagen: ‚Ich will heute drei mitnehmen!‘“, erinnert Marga Glanz von Groove City Records (Marktstraße 114) sich an die Zeit ohne Lockdown. „Und dann sage ich: ‚Okay, dann nimm das, das und das!‘ Wir kennen unsere Kunden und wissen, was sie mögen.“

„Wenn du dich mal einsam fühlst, fahr  in einen Plattenladen und besuch  deine Freunde.“ – Schön wär’s!

Stattdessen ist die Arbeit der Plattenladen-Besitzer gerade eher trostlos. Wenn sie sie nicht an der Tür abholen, bestellen viele Kunden die Vinyls  über die digitale ‚Discogs‘-Plattform – es müssen gerade also viele Pakete gepackt und versendet werden. Hanseplatte (Neuer Kamp 32) ist übrigens der einzige Laden, der auch einen ganz eigenen Onlineshop hat: „Zum Glück haben wir den schon seit 13, 14 Jahren“, sagt Inhaber Jakob Groothoff. „Deswegen haben wir die ganze Zeit zu tun. Andere Kulturbranchen sind da noch viel gebeutelter.“

Christof Jessen guckt sich sein Schaufenster auch noch mal an. Bei Michelle kann man anrufen oder mailen und die Platten abholen. Foto: Arist von Harpe

 

Einzig Michelle Records (Gertrudenkirchhof 10) nutzt die Möglichkeit der Online-Bestellung nicht: „Wir haben keinen regulären Mailorder-Verkauf, wo man etwas anklicken kann. Das fällt uns natürlich gerade auf die Füße“, sagt Christof Jessen. „Aber die Leute wissen, dass sie sich bei uns melden und die Platten an der Tür abholen können.“

André Sorgenfrei von Zardoz trägt das Positive nicht nur im Nachnamen. Er ist auch „verhältnismäßig optimistisch“ den Lockdown zu überstehen. Foto: Arist von Harpe

 

Beim Onlineverkauf hat Marga Glanz auch die Beobachtung gemacht, dass es viel mehr Mainstream-Bestellungen gibt: „Wir verkaufen Neil Young, Portishead und Gang Starr. Aber die neuen besonderen Sachen, die für uns stehen, stehen hier meistens wie Blei in den Regalen.“Alle vier Läden können sich momentan aber mit dieser Verkaufsweise, Kurzarbeit und den staatlichen Hilfen – mehr oder weniger – über Wasser halten und die Mieten zahlen. „Wenn sich der Lockdown noch bis Ostern zieht, wird das eine zähe Angelegenheit“, sagt André Sorgenfrei von Zardoz Records (Marktstraße 55). „Aber wir haben im Laufe der Jahre so viel Mist erlebt – das kann mich jetzt auch nicht mehr erschüttern. Ich bin verhältnismäßig optimistisch – die Politik kommt hoffentlich bald in die Puschen und zeigt uns eine Perspektive auf.“

MOPOP-Jutebeutel:

 

Die MOPOP-Jutebeutel mit der Aufschrift „Tonträger“ und dem jeweiligen Plattenladen-Logo kann man ab jetzt bei jedem Plattenkauf bei Hanseplatte, Michelle, Groove City oder Zardoz umsonst dazubekommen. Also bestellen, losspazieren und ganz  viel schwarzes Gold einsammeln!

Plattenläden gehören für uns bei der MOPO zur Musikstadt Hamburg wie die Beatles zum Star-Club und Udo Lindenberg ins Atlantic Hotel. Ohne sie, ihre besondere Musikauswahl und das Wissen ihrer Besitzer und Mitarbeiter wäre das kulturelle Leben um einiges ärmer.

Wir hoffen, dass sie gut durch die Pandemie kommen und wollen mit den MOPOP-Jutebeuteln das Plattenladen-Ökosystem unterstützen! 

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