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Verstörend-schönes Erwachen mit Feist


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Von Feists „Multitudes“-Weltpremiere auf Kampnagel liegen keine Fotos vor, deswegen hier ein Archivfoto aus dem Jahr 2012. Foto: dpa

Sanfte Musik und ein bisschen Schmerzen – das gab es bei der kanadischen Singer/Songwriterin Leslie Feist (45), die am Mittwoch mit den ersten zwei ihrer insgesamt zehn Shows das Internationale Sommerfestival auf Kampnagel eröffnete.

„Eine gemeinschaftliche Rückeroberung der Bühne“ als Antwort auf die Pandemie hatte sie für ihre „Multitudes“-Weltpremiere angekündigt. Doch erst als sich die dicke Stahltür zum Saal öffnet, lüftet sich das Geheimnis: 150 Pappkartons, die den Zuschauern als Sitzplätze zugeteilt werden, sind um eine kreisrunde Plattform angeordnet. Von der Struktur erinnert das an das Elvis Comeback-Special 1968.

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Als Feist mit Akustikgitarre das erste Lied „After After Party“ ihrer komplett neuen Musik anstimmt, fühlt es sich dank ihres zarten, innigen Gesangs wie ein sanftes Erwachen aus dem Tiefschlaf des Lockdowns an. Als Zuschauer sitzt man quasi in ihrem Song und atmet ihn – so intim ist die Atmosphäre im Raum. Immer wieder dreht sich die Folksängerin mit dem rotbraunen Ponyschopf auf ihrem Barhocker, so dass alle mal einen Blick auf ihren Rücken werfen können.

Ab dem vierten Song bekommt sie am Bühnenrand Unterstützung durch Todd Dahlhoff am Keyboard und Amir Yaghmai an der Violine, was der Musik noch mehr sphärische Aura verleiht. Plötzlich öffnet sich der Raum optisch, die Längswände werden zu XXL-Leinwänden, auf die das Bühnentreiben projiziert wird. Mit Handkameras wird der Boden zwischen den Sitzen abgefilmt – Bilder, die an die Tristesse der Pandemie erinnern. Zum Song „Become The Earth“ sind es dann aber schon Blumenkränze.

Po und Rücken beginnen ob des ungewöhnlichen Sitzmöbels allmählich an zu schmerzen, man neidet Feist ein wenig den Barhocker! Die beschäftigt sich derweil mit den Loop-Pedalen vor ihren Füßen, vervielfältigt damit ihre Stimme und legt Hall drauf oder spielt mit der Akustikklampfe im Takt zu den Geräuschen eines an der Wand drapierten Papierdruckers. Verstörend schön!

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Gegen Ende ihres einstündigen Sets fällt der letzte Vorhang und gibt den nebulösen Blick frei auf die tatsächliche Sitztribüne des Saals, deren Plätze leer sind – ganz so wie in den vergangenen anderthalb Jahren. Aber hoffentlich nie mehr wieder.

Kampnagel: bis 8.8., 18 und 21 Uhr, 48 Euro

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