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„Ich fühle mich wie ein 30-Jähriger!“ - Alice Cooper steht gerade an der Spitze der Charts

„Ich fühle mich wie ein 30-Jähriger!“ – Alice Cooper steht gerade an der Spitze der Charts

09.03.2021
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Alice Cooper (73) ist seit mehr als 50 Jahren eine Hardrock-Institution. Foto: JennyRisher/earMUSIC

Alice Cooper (73) ist seit mehr als 50 Jahren eine Hardrock-Institution. Seine Veröffentlichungen sind kaum noch zählbar – die aktuellste „Detroit Stories“ steht momentan an der Spitze der deutschen Albumcharts. Das ist für ihn hierzulande eine Premiere! MOPOP sprach mit Vincent Damon Furnier, wie er bürgerlich heißt, über das Album für seine Heimatstadt, einen Karriere-Fehlstart, Motown und seine gerade erhaltenen Corona-Impfungen.

MOPOP: Unsere erste Interview-Verabredung fand nicht statt, weil Sie zur Impfung mussten. Einen besseren Grund für eine Verschiebung gibt’s gerade nicht.

Alice Cooper: Gut, dass Sie das auch so sehen. Mittlerweile habe ich auch die zweite Corona-Impfung erhalten. Hier in Phoenix in Arizona, wo ich lebe, werden täglich 25.000 Menschen geimpft.

 

Das ist viel! Geimpft zu sein ist sicher eine totale Erleichterung, oder?

Ja. Ich hatte mich in der Weihnachtszeit mit dem Virus infiziert – zum Glück ist alles gut verlaufen. Ich hoffe sehr, dass das mit den Impfungen ganz schnell voranschreitet. Dann können wir endlich wieder auf Tour gehen!

Sie haben auch im Impfcenter ausgeholfen, hörte ich.

Ja, meine Frau und ich. Die Presse war auch da. Während der Impfung wurden Fotos gemacht. Ich hoffe, dass so eine Aktion von mir die Leute dazu inspiriert, die Impfung auf jeden Fall wahrzunehmen. Denn bei uns in Phoenix gibt’s gar keinen Lockdown wie in Deutschland: Einkaufszentren, Kinos und Restaurants haben geöffnet.

Jetzt sind wir schon seit einem Jahr zu Hause – mit so viel Freizeit können wir gar nichts anfangen.

Schockrocker Alice Cooper

Wie sehr vermissen Sie den Rock ’n’ Roll und die Bühne?

Sehr! Normalweise bin ich zwei Drittel des Jahres auf Tour. Ich vermisse den Adrenalin-Kick und vor all diesen Leuten zu spielen. Jetzt sind wir schon seit einem Jahr zu Hause – mit so viel Freizeit können wir gar nichts anfangen. Unsere letzte Show haben wir in Berlin gespielt – und seitdem 180 Shows gecancelt.

Sie sind jetzt 73 Jahre alt – auch nicht mehr der Jüngste.

Es ist lustig und erstaunlich, aber ich habe mich noch nie so fit gefühlt wie jetzt. Ich bin nie müde. Mir macht es überhaupt nichts aus, in einer Woche fünf Shows in fünf verschiedenen Städten zu spielen. Ich habe vor 38 Jahren aufgehört zu trinken und habe nie geraucht – das kommt mit jetzt zugute. Ich fühle mich gerade wie ein 30-Jähriger!

Ich fühle mich gerade wie ein 30-Jähriger!

Alice Cooper (73)

Sind Sie während Corona eigentlich auch lodderig geworden? Normalerweise sind Ihre Bühnenoutfits ja sehr glamourös, aber jetzt stelle ich mir vor, wie Sie da in Jogginghosen sitzen.

(lacht) Gerade trage ich Jeans und T-Shirt. Wenn ich auf die Bühne gehe, verkörpere ich ja den Schockrocker Alice Cooper. Aber hier zu Hause bin ich ganz normal. Beim Impftermin hatte ich aber auch meinen Rock’n’Roll-Look – das erwarten die Leute ja auch von mir. Wenn ich da ganz normal angekommen wäre, hätte mich womöglich keiner erkannt.

„Detroit Stories“ ist bei Edel/earMUSIC erschienen und steht gerade an der Spitze der deutschen Albumcharts.

 

Mehr als 50 Jahre Karriere: Können Sie all Ihre Alben überhaupt noch zählen?

Das funktioniert noch ganz gut! Mein aktuelles „Detroit Stories“ ist mein 28. Studioalbum – „Greatest Hits“ und „Compilations“ nicht mitgezählt. Davon gibt’s auch ungefähr 35. Das ist verdammt viel! Ich habe sogar mal gezählt, wie viele Songs ich schon gemacht habe –  das sind ungefähr 500. Einige habe ich völlig vergessen. Manchmal lege ich selbst ein altes Album auf und habe dann so Momente, in denen ich sage: „An diesen Song kann ich mich überhaupt nicht erinnern!“

„Detroit Stories“ ist eine Hommage an Ihre Heimat. Deswegen sind auf dem Album auch viele Detroiter vertreten.

So muss das sein, wenn man über und für die Stadt ein Album macht. Wayne Kramer von MC5 ist dabei, der legendäre Detroiter Jazz- und Funk-Bassist Paul Randolph oder auch Johnny „Bee“ Badanjek von den Detroit Wheels. Joe Bonamassa ist auch dabei – ihn haben wir zum „Ehren-Detroiter“ erklärt.

Sie versuchten, am Anfang Karriere in Los Angeles zu machen. Aber 1970 sind Sie mit Ihrer Band zurück nach Detroit gekommen. Warum hat es in L.A. nicht funktioniert?

Zu dieser Zeit fanden die Leute in L.A. Bands wie The Doors oder Buffalo Springfield toll, in San Francisco gab es The Grateful Dead oder Jefferson Airplane und in New York The Velvet Underground. Die hatten alle ihren ganz eigenen Sound – und klangen alle weicher als wir. Wir waren Außenseiter als Hardrock-Band und haben in diese musikalischen Epizentren nicht hineingepasst. Detroit allerdings war schon eine Hardrock-City: Iggy & The Stooges und MC5 gab es schon – und dann eben auch uns! Es war die beste Entscheidung, dorthin zurückzukehren.

Bob Seger, Ted Nugent, Suzi Quatro, Iggy & The Stooges und MC5 – wir waren alle beste Freunde!

Alice Cooper über Detroits Musikszene

Welches Gefühl gab Ihnen die Stadt damals?

Detroit war eine großartige, vielfältige Musikstadt! Bob Seger, Ted Nugent, Suzi Quatro, Iggy & The Stooges und MC5 – wir waren alle beste Freunde! Obendrauf gab es Motown. Die Stadt allein hat wahrscheinlich mehr Hitalben als alle anderen zusammen produziert.

Weil die Leute in Detroit alle in den Fabriken an großen Maschinen arbeiteten, musste die Musik wohl auch irgendwie so klingen.

Alice Cooper über die Musik in Detroit

Haben Sie irgendeine Erklärung dafür, dass Detroit so ein Musikzentrum war?

Seit den 50ern kamen viele unterschiedliche Menschen dorthin, um in den Autofabriken zu arbeiten – sie alle haben natürlich auch ihre Musik mitgebracht. Obendrauf ist Detroit total ungekünstelt. Jeder ist gerade heraus. Du weißt, woran du bist. So mussten auch Detroiter Bands sein – gerne auch mal provokativ und fordernd. Und weil die Leute alle in den Fabriken an großen Maschinen arbeiteten, musste die Musik wohl auch irgendwie so klingen.

Auf Ihrem aktuellen Album ist ja auch der Soul-/Funk-Song „$1000 High Heel Shoes“.

Für uns war klar: Wenn wir ein ganzes Album über Detroit machen, muss auch alles abgebildet werden. Eigentlich war das ursprünglich mal ein Rock’n’Roll-Song, den wir dann aber in einen Motown-Song verwandelt haben. Wir haben typische Motown-Bläser hinzugefügt – und Sister Sledge singen die Chöre.

Gab es zwischen Hardrock und Motown keine Rivalitäten?

Nein, auch mit den Motown-Künstlern waren wir gut befreundet. Wir gingen zu ihren Shows und andersherum. Hautfarbe oder Rassismus waren nie ein Thema.

Ist Detroit noch immer eine Musikstadt?

Ja, Motown gibt’s ja immer noch. Die White Stripes oder Eminem kommen auch dorther. Die Stadt wird wohl für immer die Soul- und Hardrock-Hauptstadt bleiben.

Was ist Ihr absoluter Lieblingssong von einer anderen Detroiter Band?

Ich war von Anfang an ein Riesen-Fan der Stooges. Alles, was sie machten, war so einfach und unkompliziert – im besten Sinne. „Loose“ von ihnen liebe ich sehr!

 

Mit Ihrem Produzenten Bob Ezrin arbeiten Sie seit den 70ern zusammen. Was haben Sie ihm alles zu verdanken?

Bob Ezrin war der Typ, der Alice Cooper seinen „Signature-Sound“ verliehen hat. Die ersten beiden Alben – die machte ich ja mit Frank Zappa und bei seinem Label Straight Records – waren in Ordnung, aber sie klangen noch nicht nach uns. Mit Bob Ezrin probten wir täglich zehn Stunden. Er formte uns, sodass das dritte Album „Love It To Death“ endlich nach Alice Cooper klang. Bob war und ist sehr wichtig für Alice Cooper. Wir arbeiten für jedes Album zusammen und haben eine gute Beziehung. Mit ihm entsteht die Magie.

Lassen Sie uns mal von Detroit nach Hamburg springen. Was verbinden Sie mit unserer Stadt?

Ich bin ja ein begeisterter Golfspieler und spiele jeden Tag. In Hamburg verabrede ich mich jedes Mal, wenn ich da bin, mit ein paar guten Freunden zum Spielen. Und natürlich muss ich bei Hamburg auch immer an Udo Lindenberg denken. Wir haben für sein zweites „MTV Unplugged“-Album zusammengearbeitet. Er ist eine Institution in Deutschland und ein einzigartiger Typ!

„Detroit Stories“ ist bei Edel/earMUSIC erschienen.

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