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Interviews

Chap Chaplin und Volker Henze über ihr Buch „Hamburg tätowiert“: „Die Stadt ist mehr als Astraherz und Seemann“

Chap Chaplin und Volker Henze sind die Macher:innen von „Hamburg tätowiert“. Das Buch gibt’s auch im MOPO-Shop (shop.mopo.de) und als Gewinn hinterm 16. Türchen des MOPOP-Adventskalenders auf Instagram (@mopophamburg).
Chap Chaplin und Volker Henze sind die Macher:innen von „Hamburg tätowiert“. Das Buch gibt’s auch im MOPO-Shop (shop.mopo.de) und als Gewinn hinterm 16. Türchen des MOPOP-Adventskalenders auf Instagram (@mopophamburg).
Foto: Chap Chaplin

Arschgeweih? Name vom Ex? Es gibt fragwürdige Tattoos, aber auch Tätowierungen, die wahre Körperkunst sind. Ebendieser widmen Chap Chaplin und Volker Henze ihr Buch „Hamburg tätowiert“ (Junius Verlag, 144 Seiten, 35 Euro). Im MOPOP-Interview erzählen die beiden von den 14 Studios, die sie ausgewählt haben, und den ganzen guten (Kiez-)Geschichten hinterm Surren der Nadel.

MOPOP: Wie kam’s zur Buch-Idee?

Volker Henze: Ein Gespräch über unsere Tattoo-Faszination war der Anfang. Soziale Medien zeigen zwar eine unglaubliche Fülle von Motiven, aber die eigentliche Magie der Studios und die Charaktere, die dort arbeiten, sind schwer zu greifen.

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Das Buch ist beim Hamburger Junius Verlag erschienen.

Warum muss es ein Buch zu Tätowieren in Hamburg geben?

Henze: Hamburg ist die Stadt in Deutschland, in der sich Tätowieren professionalisiert hat. Mit der Forschung vom Nachlass Warlich gibt es den Blick in diese Zeitepoche. Wir lenken das Augenmerk in die jüngere Vergangenheit und zeigen, in welche Breite und Tiefe sich das Gewerbe entwickelt hat. Hamburg ist deutlich mehr als Astraherz und bärtiger Seemann, auch wenn diese Motive immer wieder vorkommen.

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Wie seid ihr an die Arbeit am Buch herangegangen?

Henze: Seb Winter von Kool Tattoo wurde schon früh einbezogen. Chap und ich kennen ihn schon länger und er stand uns beratend zu Seite. Ein paar Studios kamen erst im Prozess dazu, auf Empfehlung von Interviewpartner:innen. Letztendlich sind im Buch nur fünf Prozent der offiziellen Studios in Hamburg gelandet.

The Black Hole ist eins von 14 Tattoostudios, die im Buch „Hamburg tätowiert“ vorgestellt werden. Im Bild: Tätowierer Chriss Dettmer Foto: Chap Chaplin
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Ihr seid ja auch selbst tätowiert.

Chap Chaplin: Ich habe mein erstes Tattoo einen Monat nach meinem 18. Geburtstag stechen lassen. Die Affinität ist nie abgerissen und mittlerweile ist ja auch gut sichtbar, dass ich recht stark tätowiert bin. Platz für neue Sachen lassen sich trotzdem immer noch finden.

Henze: Ich habe mein erstes Tattoo ungefähr im gleichen Alter wie Chap stechen lassen, vorher hätte mein damaliger Tätowierer das auch nicht gemacht. Viele Freund:innen aus der Punk- und Hardcore-Szene gehörten zu seinen Kund:innen. An seine Regel „Hals und Hände kommen am Ende“ habe ich mich bislang gehalten, zumal mir der Platz noch nicht ausgeht.

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Im Buch stellt ihr 14 Studios vor – wie habt ihr die ausgewählt?

Henze: Nüchtern betrachtet wollten wir ein breites Bild zeichnen und dabei auch die Geschichte Hamburgs aus diesem speziellen Blickwinkel erzählen. Neben den unterschiedlichen Stilen war auch die Organisation der Studios Thema. Aber insgeheim haben wir auf unterhaltsame (Kiez-)Geschichten gehofft.

Gibt es auch Studios, die ihr gerne dringehabt hättet, für die aber kein Platz mehr war?

Henze: Auf jeden Fall. Ein paar alteingesessene Studios und Künstler:innen auf Solopfaden gibt es da. Aber auch junge Künstler:innen, denen wir gerne eine Plattform gegeben hätten.

Der Laden Kool Tattoo. Foto: Chap Chaplin

Wie beurteilt ihr die Hamburger Szene? Ist es Miteinander oder Konkurrenz?

Chaplin: Für mich persönlich ist es ein Miteinander. Viele Leute kennen sich untereinander und ließen sich auch immer grüßen, als man erzählt hat, wer noch so beim Buch dabei ist. Das fühlte sich wie ein Klassentreffen an – nur dass wir die Einzigen waren, die alle getroffen haben.

Jessica Svartvits große Arbeiten sind mit schwarz-weißen und türkisen Farbakzenten unverkennbar. Foto: Chap Chaplin

Welche Stile von welchen Studios gefallen euch am besten?

Chaplin: Jessica Svartvits Stil finde ich einzigartig in Hamburg. Ich finde es krass, wie sie ganze Körper-Wanna-dos gestaltet, die immer anders aussehen, aber immer so gut – und sie sind auch immer erkennbar, durch die türkisen und schwarz-weißen Farbakzente. Und natürlich mag ich meinen Stammladen Kool Tattoo. Von der Crew lasse ich so gut wie alles an meinem Körper tätowieren, gerade Sina und Seb haben es mir da angetan.

Sina Hainzl von „Kool Tattoo“, dem Stammladen von Buchautorin Chap Chaplin

Volker: Ich mag Sinas Arbeiten auch. Sie schafft es, verschiedene Epochen durch ihren Stil mit starker eigener Handschrift zu verbinden. Darüber hinaus sind Chriss Dettmers Motive bei mir präsent, seitdem ich meine ersten Tattoo-Zeitschriften kaufte. Wir lernten uns 2008 dann über seine damalige Band kennen und ein paar Jahre später holte ich mir mein erstes Tattoo von ihm am Alsenplatz ab. Mittlerweile habe ich von fast allen aus dem Black Hole ein Bild unter der Haut.

Frank Krabbenhöft tätowiert bei „Endless Pain“ auf alten restaurierten Friseurstühlen (u.). Foto: Chap Chaplin

Was sind die besten Anekdoten von eurer Arbeit?

Chaplin: Mir ist speziell Frank Krabbenhöft mit dem Atelier Hootsy Tootsy neben dem eigentlichen Laden Endless Pain im Gedächtnis geblieben. Ich habe mich immer gefragt, was das für ein Laden ist, und als ich dann drin war, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus, weil es so unglaublich viel zu entdecken gibt. Als ich sah, dass Frank auf den alten restaurierten Friseurstühlen tatsächlich noch tätowiert, war ich richtig begeistert und fand’s supercool.

Foto: Chap Chaplin

Henze: Moe von Spade Tattoo sagte, dass eine wichtige Sache unter den Tisch gefallen sei: Hardcore-Punk. Innerhalb weniger Sätze kamen wir von Lieblingsbands zu Straight Edge, also dem bewussten Verzicht auf Rauschmittel. Das hat für mich eine noch persönlichere Ebene eröffnet.

Die Geschichten von Frank Krabbenhöft sind super. Bei ihm waren ja auch einige Promis im Laden.

Henze: Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Im Studio wurden nicht nur die Bands tätowiert, sondern auch deren Roadies. Einer ließ sich von Frank die Schädeldecke tätowieren. Vor der Sitzung nahm der Roadie sein Gebiss heraus und legte es beiseite. Ihm fiel erst Stunden später auf, dass er es im Laden liegen gelassen hatte.

Wie sieht es eigentlich aus mit der Männer/Frauen-Verteilung unter Tätowierer:innen?

Chaplin: Ich denke, dass Männer die Szene immer noch dominieren, ja. Wichtig war uns aber auch, dass wir es schaffen oder zumindest versuchen, die Aufteilung und Sichtbarkeit der Female Artists gerecht abzubilden. Drin sind zum Beispiel noch Doro Hoffmann von Immer & Ewig, die dort bei Christian auch ihre Ausbildung gemacht hat. Kat von La Vida Buena, die auch durch ihren Partner Flo an das Tätowieren kam. Und auch Sarah-Ann vom Atelier Tietchen, wo Tobi Tietchen sie ausgebildet hat.

Henze: Vereinzelt gab es seit den 80ern Frauen, die tätowiert haben, aber in den letzten Jahren hat es einen immensen Zuwachs in der Szene gegeben. Zwar dominieren immer noch Männer – besonders wenn man sich Convention-Line-ups anschaut. Das „noch“ steht aber auf sehr wackligen Beinen.

Das Buch gibt es im MOPOP-Adventskalender zu gewinnen.

Euer Buch eignet sich nicht nur für Tätowierte, oder?

Chaplin: Nein, für jede:n, der/die Lust auf spannende Geschichten und Menschen hat. Man erfährt außerdem, wie sich das Tätowieren mit den Jahren verändert hat, welche verschiedenen Studios es gibt – und vor allem lernt man die Menschen hinter den Studios kennen.

Henze: Ich hatte beim Schreiben auch immer die Laien im Hinterkopf. Die sich erstmals einen Überblick verschaffen wollen, bevor sie sich selbst tätowieren lassen. Wer Hamburg mal von einer anderen Seite kennenlernen möchte, wird auch fündig.

Das Buch „Hamburg tätowiert“ (144 Seiten, 35 Euro) ist beim Junius Verlag erschienen. Man bekommt es auch im MOPO-Shop.

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