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Hildegard Knef, Annette Humpe & Co.: Die Beatsteaks covern auf ihrer EP nur Frauen!

„Wir fanden’s geil, wenn ein Typ Hildegard Knef singt“: Die Beatsteaks covern auf ihrer neuen EP Frauen

12.12.2020
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Die Beatsteaks lassen sich von Corona die Laune nicht verderben. Torsten Scholz sprach mit MOPOP ausführlich über die Songauswahl auf der EP. Foto: Chris Guse

MOPOP: Warum kommen die Beatsteaks ausgerechnet in der Corona-Zeit zurück?

Torsten Scholz: Zuletzt haben wir 2017 die Doppel-LP „Yours“ herausgebracht. Damit sind wir viel getourt – das typische Hamsterrad. Danach war klar: Ey, nach mehr als 20 Jahren machen wir mal Pause! Und dann hatten wir einige Zeit mal nicht viel Kontakt miteinander. 2020, zum 25-jährigen Bandjubiläum, wollte wir eigentlich Festivals und einige Berlin-Shows spielen. Aber dann hieß es schnell: Is‘ nich‘! Nach dem ersten Lockdown hatten Arnim und Thomas dann die Idee, ein paar Cover aufzunehmen. Dafür haben wir wieder unseren Produzenten Moses Schneider ins Boot geholt. Das ist der Produzent, mit dem es ab „Smack Smash“ erfolgreicher für uns wurde. Denn in den letzten zehn Jahre hatten wir gar keinen richtigen Produzenten, haben das alles alleine im Proberaum gemacht und uns nur mal Rat von irgendwem geholt. Diese EP ist also Beschäftigungstherapie aus der Not heraus – denn eine richtige Platte macht man ja, um sie danach auch live spielen zu können.

Warum covert ihr auf der EP nur Frauen? Ist das irgendwie politisch motiviert – etwa wegen der „Keychange“-Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, Geschlechterausgewogenheit in der Musikbranche zu schaffen?

Arnim und Thomas hatten irgendwann eine lange Songliste, da waren viele Frauen dabei. Und dann haben wir einfach beschlossen: Lasst uns doch nur Frauen covern! Das hatte keine politische Motivation. Wir fanden das einfach geil, wenn ein Typ Hildegard Knefs Song „Von nun an ging’s bergab“ – in dem Fall Peter und nicht Arnim – singt und auch im Text nichts an der Frauenperspektive geändert wird. Wenn ein Mann Textstellen wie „Der Vamp“ oder „Ganz ohne Hemd“ singt, ist das schon richtig lustig! Dass man das auch politisch deuten kann, kam uns erst später in den Sinn. Natürlich finden wir das Patriarchat und seine Geschichte schlecht und das Problem in der Musikbranche ist uns auch bewusst. Aber wir als Beatsteaks maßen uns jetzt auch nicht an, zu sagen: Wir wollen das Patriarchat mit dieser EP aushebeln! Das ist einfach Popkultur und eine gute Idee. Natürlich finden wir es auch gut, dass gerade für viele Dinge ein Bewusstsein entsteht: Alltagsrassismus oder dass aufs Gendern geachtet wird.

So kunstvoll sieht das Cover der EP aus.

Du sprachst ja schon die lange Liste mit möglichen Liedern an – gab es da Streit, für welche sechs Nummern ihr euch entscheidet?

Wir hatten auch „Like A Virgin” von Madonna oder „Cannonball“ und „Divine Hammer“ von den Breeders in der engeren Auswahl. Aber Arnim als Sänger ist die letzte Instanz, weil er sich ja damit wohlfühlen muss. Peters Version von Hildegard Knefs Song ist aus meiner Sicht auch die logische Nachfolge unseres „Hey Du“-Musical-Covers, das ja auch er singt. Streit gab’s also nicht wirklich, weil wir alle gute Freunde sind und die gleichen musikalischen Präferenzen haben. Man schraubt da auch einfach sein Ego zurück.

Erzähl mir trotzdem mal, welche Künstlerin du persönlich gerne auf der EP gecovert hättest.

Ich bin ein Riesen-Portishead-Fan – „Glory Box“ ist ja drauf, von daher bin ich sehr zufrieden. Neneh Cherry hätte ich auch geil gefunden. Wir hatten auch darüber nachgedacht, ob wir eine R’n’B-HipHop-Nummer machen. Da hätte ich zum Beispiel „Oops (Oh My)“ von Tweet featuring Missy Elliott richtig gut gefunden, weil der Song auch so schlüpfrig ist. Aber so zu singen, das hätte Arnim nicht hinbekommen. (lacht)

Schön, dass ihr von The Velvet Underground „After Hours“ genommen habt. Den Song singt nicht etwa Nico, sondern die Schlagzeugerin Moe Tucker.

Daran ist unser Musikprofessor Thomas schuld. Der ist Riesen-Fan und wusste sofort, dass wir genau den Song nehmen müssen, der von der gesungen wird, die nicht immer singt. Also quasi das „Yellow Submarine“ von The Velvet Underground – das singt bei den Beatles ja auch Ringo Starr.

Und bei Ideals „Monotonie“ habt ihr eine Textstelle verändert. Musstet ihr Annette Humpe um Erlaubnis bitten?

Genau, wenn du nichts änderst, musst du auch nicht fragen. Aber bei dem Song haben wir aus „Campari auf Tahiti“ „Campari mit Hayiti“ gemacht, weil wir die Hamburger Rapperin einfach super finden! Wir hatten da richtig Schiss, weil wir gehört hatten, dass Annette Humpe ungern Textänderungen durchwinkt. Aber sie findet Haiyti selber super und ist auch noch mit ihrer Mutter befreundet. Unser Glück! Den Song haben wir ja auch als erstes herausgebracht. Zum einen, weil wir den so schön unprätentiös-poppig fanden und zum anderen, um mal zu testen, wie das Veröffentlichen jetzt eigentlich läuft ohne großes Majorlabel im Rücken. Denn wir bringen das Ding komplett „DIY“-mäßig über unseren Shop heraus. Und zum neuen Lockdown hat diese bunte Urlaubsthematik ja auch einfach gut als Kontrast gepasst. Deswegen haben wir das Video auch so quatschig-lustig gemacht.

„You Don’t Own Me” wurde ja schon von ganz vielen gesungen: Lesley Gore, Dusty Springfield, Joan Jett …

Ich kannte die Version von Leslie Clio zuerst. Der Song hat etwas Orchester- und Schlagerhaftes an sich – das war gar nicht so leicht, das auf uns zu übersetzen. Da haben wir unheimlich dran rumgefrickelt. In dem Song ist die Message einfach toll: Du kannst mich mal gepflegt am Arsch lecken, Typ, lass mich in Ruhe!

Die weibliche Punkband L7 ist mit „Shitlist“ auch dabei.

Ja, ein klassicher Punkrock-Song. Der war gegenüber „You Don‘t Own Me“ leicht, weil er nur ein Riff hat. Wir haben dafür auch erst mal alle Gitarren weggelegt und nur Bass gespielt. Und ich finde, wir haben dem Song eine Beastie-Boys-Note verpasst.

Worauf freut ihr euch am meisten, wenn Corona vorbei ist?

Wir machen das alles nur, um Konzerte zu spielen. Platten machen, schön und gut. Aber es geht darum, dass wir mit Freunden in einen Tourbus steigen, zu einem großen oder kleinen Laden fahren und da spielen. Klingt etwas pathetisch, ich weiß. Noch geht’s bei mir mit den Knochen, es wird aber nicht leichter. Ich bin ja schon 47 – kann sein, dass das in fünf Jahren nur noch peinlich ist. Bis dahin sollten wir also unbedingt richtig viele Konzerte spielen! Wir haben ja auch alles verschoben, weil wir nicht vor Autos, Laptops oder Picknick-Decken spielen wollten. Das ist aus unserer Sicht – natürlich nicht per se – Bullshit. Das ist gerade eine ganz tragische Lage. Ich hoffe sehr, dass es das Conne Island in Leipzig oder auch das Logo bei euch in Hamburg nach der Pandemie noch gibt! Mit solch besonderen Locations verbinden wir ganz viele Erinnerungen.

„In The Presence Of“ gibt’s hier auf Vinyl zu bestellen.


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