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The Voos Hommage an verstorbenes Bandmitglied: „Er war furchtlos, wenn er spielte“

Ben Galliers (r.) über seine Zeit im Proberaum mit Andrew Krell:„Ich vermisse es sehr, zu den Proben zu kommen, mich einzustöpseln und mit ihm in eine andere Welt einzutauchen. Das war einer meiner Lieblingsorte.“
Ben Galliers (r.) über seine Zeit im Proberaum mit Andrew Krell:„Ich vermisse es sehr, zu den Proben zu kommen, mich einzustöpseln und mit ihm in eine andere Welt einzutauchen. Das war einer meiner Lieblingsorte.“
Foto: Oliver Eckert

Kaum vorzustellen, was dem Hamburger Duo The Voo passiert ist. Kontrabassist Andrew Krell verstarb Anfang dieses Jahres urplötzlich. Sänger und Gitarrist Ben Galliers hat jetzt mit dem Album „Brother Voo“ eine herzerwärmende Hommage für seinen Freund und Bandkollegen veröffentlicht. Im MOPOP-Interview spricht das hinterbliebene Bandmitglied über den plötzlichen Tod, Andrews Genialität am Kontrabass und seine Zukunftspläne für den „Dreamrocknroll“ seiner Band.

MOPOP: Für die, die euch noch nicht kennen: Was ist „Dreamrocknroll“ eigentlich für Musik?

Ben Galliers: Wir kombinieren eine ganze Reihe trippiger Stile: Surf, Indie, Kraut- und Stoner-Rock, Rockabilly – bis hin zu Musik wie aus psychedelischen Soundtracks wie von Tarantino oder Lynch. Im Mittelpunkt steht der Kontrabass. Durch ganz viele Effektpedale und Loop-Maschinen verwandeln wir den natürlichen Klang des Instruments in trashige Snare-Drums, orchestrale Streicher oder plötzlich aufheulenden Krach. Eine Mischung aus Ruhe und Chaos! 

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Bevor eure Karriere richtig Fahrt aufnehmen konnte, ist euch der schwerste Schicksalsschlag widerfahren, den man sich vorstellen kann: Kontrabassist Andrew Krell ist Anfang dieses Jahres plötzlich verstorben. Kannst du sagen, warum?

Andrew hatte ein Aneurysma im Gehirn. Sein Tod kam sehr plötzlich und ohne Vorwarnung.

The Voo: Da sind Ben Galliers (l.) und der mittlerweile verstorbene Andrew Krell noch vereint. Foto: Oliver Eckert
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Wie sehr hat dich das getroffen? Was vermisst du an ihm am meisten?

Es hat uns alle unglaublich hart getroffen. Es ist schwer in Worte zu fassen. Am meisten vermisse ich seine Freundschaft und die Verbindung, die wir hatten, wenn wir zusammen Musik machten. Er erlaubte mir und ermutigte mich, sehr frei zu sein, wenn wir spielten. Es wurde eine Welt geschaffen, in der ich mich sehr sicher und zu Hause fühlte. Andrew war als Musiker genauso lustig, warmherzig und offen wie als Freund und das hat mich sehr inspiriert. Ich vermisse es sehr, zu den Proben zu kommen, mich einzustöpseln und mit ihm in eine andere Welt einzutauchen. Das war einer meiner Lieblingsorte.

Warum machst du trotzdem weiter?

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Ich musste das Album fertigstellen. Es hat uns beiden so viel bedeutet. Wie und ob ich mit The Voo weitermache, nachdem das Album veröffentlicht ist, steht noch in den Sternen. Ich habe versucht, allein zu spielen, aber das wird den Liedern nicht gerecht. Ich glaube, ich suche nach dem Gefühl, das wir beim gemeinsamen Spielen hatten. Nach dem Gefühl, das meine Sinne kribbeln ließ und mir keinen Zweifel daran ließ, dass es das ist, was ich tun wollte. Ich bin mir noch nicht sicher, wo ich suchen soll, aber ich werde mich einfach weiter darauf einlassen. 

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Wie läuft eine Albumproduktion überhaupt ab, wenn das eine Bandmitglied nicht mehr dabei ist?

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Wir hatten geplant, etwa 20 Songs aufzunehmen – wir hatten so viele! Und neun oder zehn waren eh schon aufgenommen, als Andrew uns verließ. Es war unser Traum, ein Doppelalbum zu machen, also beschloss ich, mit Hilfe von Freunden im Hamburger Mob Studio den fertigen Songs einige unserer Demos, ein paar Live-Auftritte und ein paar Studio-Verrücktheiten hinzuzufügen, um zwei verschiedene Vinyl-Erlebnisse zu schaffen. Eine Studio-Platte und eine „Hinter den Kulissen“- und Live-Platte. Es war nicht das, was wir geplant hatten. Aber es erzeugt eine sehr coole Stimmung und ich liebe das Ergebnis wirklich. 

Was war dir wichtig bei der Produktion?

Wir wollten einfach etwas Neues schaffen und ein paar Grenzen austesten. Es war mir wichtig, dass ich Andrews Familie und Freunde in den Prozess miteinbeziehe. Das Abmischen, die Videos, das Artwork, die Pressung, die Promotion und so weiter. All das wurde und wird von Freunden der Band gemacht. 

Er war furchtlos, wenn er spielte und wollte immer etwas Neues erschaffen und Grenzen austesten.

Ben Galliers über Andrew Krell

Kannst du mal Andrews Genialität am Kontrabass in Worte fassen?

Abgesehen davon, dass er ein großartiger und vielseitiger Spieler war, lag Andrews Stärke in seiner Aufgeschlossenheit. Er war furchtlos, wenn er spielte und wollte immer etwas Neues erschaffen und Grenzen austesten. Auch sein Musikgeschmack war sehr offen. Immer wenn ich zu den Proben kam, hörte er Musik, die von The Cramps über Death Grips bis hin zu John Coltrane reichen konnte, wenn er nicht gerade einen verrückten Sound-Loop selber kreierte. Wenn wir zusammen schrieben, war es nie nur „ein Song“, sondern ein ganzes Voo-Universum in seinem Kopf. Das und seine unvoreingenommene Herangehensweise an die Musik waren für mich unglaublich inspirierend. Und obwohl er so vielseitig und geschickt war, war er so geduldig und ermutigend mir gegenüber. Ich glaube, man konnte seine Persönlichkeit durch sein Spiel wirklich spüren, weshalb ihn alle liebten, wenn sie ihn auf der Bühne sahen.

Gibt es irgendeine Möglichkeit, dass er durch einen anderen Kontrabassisten ersetzt wird?

Nein, ich glaube, das wäre nicht richtig. Bei The Voo haben wir es geschafft, uns gegenseitig Raum zu geben, unsere Persönlichkeiten in die Musik reinfließen zu lassen und uns stark darauf zu konzentrieren. Wenn jemand Neues dazukommen würde, würde ich eher zu einem anderen Instrument als dem Kontrabass tendieren. Auch um mich von jeglichen Vergleichen zu befreien. 

Wenn du die Chance hättest noch einmal Zeit mit Andrew zu verbringen: Was würdest du zu ihm sagen und mit ihm machen?

Musik machen, bei ihm zu Hause abhängen und reden. Am liebsten eine Weile allein und dann mit all seinen Freunden und seiner Familie. Ich würde ihm gerne sagen, wie sehr er mich inspiriert und beeinflusst hat, als Musiker und als Freund. 

Wie geht es für dich jetzt musikalisch weiter?

Ich werde mein Bestes tun, um die Energie und die Philosophie von The Voo in all meine zukünftige Musik einfließen zu lassen.

Das Doppelalbum „Brother Voo“ ist schon erschienen. Das Vinyl kann man aktuell auch auf der Bandcamp-Seite des Duos ab 15 Euro bestellen. Außerdem gibt es das Album in vielen Hamburger Plattenläden.

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