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Tocotronic machen auf Kampnagel eine unmissverständliche Ansage

Die Band auf der Bühne, man sieht drei Musiker
Dichter Sound, enorme Energie: Tocotronic am Mittwochabend auf Kampnagel
Foto: Jörg-Martin Schulze

Das zweite Hamburg-Konzert von Tocotronic in nur wenigen Monaten: Nach der im Sommer frenetisch gefeierten Stadtpark-Show war das Kampnagel-Konzert am Mittwochabend sozusagen die Winteredition. Die war vielleicht ein kleines bisschen weniger euphorisch – aber mitnichten frostig.

Während die Band sich im Stadtpark auf das 90er-Jahre-Frühwerk fokussiert hatte, startete sie auf Kampnagel um Punkt 21 Uhr mit den Titelsong des vor knapp einem Jahr erschienenen Albums „Nie wieder Krieg“. Und mit einer unmissverständlichen Ansage: „Volle Solidarität mit den Opfern des völlig ungerechtfertigten Krieg des kleptokratischen Herrschers im Kreml.“

Die Band spielt auf Kampnagel einen „Toco-Blues“

Mit „Komm mit in meine freie Welt“ und dem krachenden „Jugend ohne Gott gegen Faschismus“ blieben sie auch erst einmal bei den neuen Songs. Das Tempo rausnehmend, schloss der erste Bogen rund um das neue Album mit dem zu Beginn der Pandemie veröffentlichen „Hoffnung“ ab – von Sänger Dirk von Lowtzow augenzwinkernd als „Toco-Blues“ angekündigt. 

Was folgte, war eine abwechslungsreiche und vom Publikum artig beklatschte Revue aus der gesamten Schaffenszeit. „Aber hier leben, nein danke“, „Ich hasse es hier“, „Electric Guitar“, der Kracher „Let There Be Rock“, das als „Offenbarung, Prophezeiung und Apokalypse“ angekündigte „Ich habe Stimmen gehört“. 

Offenbarung, Prophezeiung, Apokalypse

Der Sound war sehr dicht und hatte großen Punch, ein leichtes Streicheln der Drums durch Arne Zank wurde über die Anlage sehr wuchtig in den Saal übertragen. Rick McPhail zauberte auf seiner Gitarre Klänge, hinter denen Unwissende teilweise Synthesizer vermuten würde. Überhaupt Rick McPhail: Welch eine klangliche Erweiterung des Toco-Sounds. Obwohl er schon seit 20 Jahren dazugehört, merkt man immer noch das kleine Extra, das er der Band gibt.

Tocotronic lieferten ab, den Fans aber merkte man einen leichten Unwillen an, die doch enorme Energie in Bewegung zu übersetzen. Ganz anders als beim Konzert im Sommer im Stadtpark, bei dem es zwei Stunden lang Moshpits gab und das Bierholen per Crowdsurfing erfolgte. Lag‘s an der Jahreszeit? War es die Erkenntnis, dass der unerwartete Krieg und die bei uns spürbaren Folgen doch nicht so schnell enden? Oder fehlte der strikte Fokus auf die aus jetziger Sicht so unbeschwerten 90er Jahre, der beim Stadtpark-Konzert maximale Möglichkeiten zum Eskapismus bot?

Tocotronic liefern ab, die Fans scheinen träge

Was hängenbleibt: Ein eher in Moll gehaltener Tocotronic-Abend, trotz exzellent gelaunter und sehr gut spielender Band. Auch wenn ihre Hamburger Tage auch schon mehr als 20 Jahre vorbei sind: Am Mittwoch bewiesen sie einmal mehr, dass sie für immer zum musikalischen Kanon dieser Stadt gehören. Let there be Rock.  

Am 19.8.2023 spielt die Band erneut ein Stadtpark-Konzert, die Tickets gibt’s ab 60 Euro hier!

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