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Jasmin Wagner: „Durch meine Adern fließt Elbwasser“


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Jasmin Wagner freut sich gerade über den Erfolg ihres neuen Albums „Von Herzen“. Foto: Christian Barz

Wer kennt Jasmin Wagner (41) alias Blümchen nicht? Eben! Seit 15 Jahren hat sie keine neue Musik herausgebracht, jetzt ist sie mit Elektro-Schlager auf dem Album „Von Herzen“ zurück – aktuell steht es auf dem sechsten Platz der Charts. Ein MOPOP-Gespräch über Goethe, „schönes Scheitern“, die Definition von Liebe, Hamburg, Weggefährt:innen und Leidenschaften.

MOPOP: Sie haben seit mehr als 15 Jahren keine neue Musik veröffentlicht. Jetzt ist ihr neues Album „Von Herzen“ da. Waren/sind Sie sehr aufgeregt?

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Jasmin Wagner: Der Tag der Veröffentlichung ist ein sehr besonderer Moment, weil auf einmal etwas hörbar wird, dass ich vorher nur anderthalb Jahre für mich hatte. Es ist immer wieder erstaunlich, dass man so lange auf diesen einen kurzen Moment hinarbeitet – ähnlich ist es bei Theaterpremieren. Aber in dem Moment der Albumveröffentlichung konnte ich es ganz gut gehen lassen, weil ich wahnsinnig stolz auf dieses Album bin. Ich find’s stark, es hat ein Alleinstellungsmerkmal und ich kann gar nicht glauben, dass ich es erschaffen habe. Ich habe die Lieder geschrieben. Das finde ich total bombastisch.

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Das Album heißt „Von Herzen“ – sind Sie auch ein Herzensmensch?

Ich wünsche mir natürlich, so wahrgenommen zu werden. Von Goethe stammt das schöne Zitat: „Es muss von Herzen kommen, was von Herzen wirken soll.“ Das nehme ich mir schon seit einiger Zeit als Leitmotiv. Man kann seine Entscheidungen immer wieder überdenken und zerdenken. Aber wenn ich von Herzen agiere, kann ich eigentlich nicht mehr so kritisch sein, weil ich mich ja vorher dazu entschlossen habe, es von Herzen gerne zu tun.

Von Goethe stammt das schöne Zitat: „Es muss von Herzen kommen, was von Herzen wirken soll.“ Das nehme ich mir schon seit einiger Zeit als Leitmotiv.

Jasmin Wagner (41)
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Gab es auch Momente in Ihrem Leben, in denen Sie die Dinge nicht positiv gesehen haben?

Ich bin immer wieder mit dem Scheitern konfrontiert. Das ist das Leben. Das ist immer schlimm und schmerzhaft, aber danach wurde es auch immer wieder besser. Das ist das Tolle, wenn man über 40 ist: Das weiß man eben schon. Das jüngste Scheitern ist, dass meine Ehe nicht gehalten hat. Das ist natürlich ein anderes Ergebnis als das, mit dem wir gestartet sind. Aber wir sind immer durch den Sturm gesegelt und ich habe festgestellt, dass das Danach die bessere Form meines Lebens ist. Eine andere Sache ist am Theater passiert: Da hat mir ein Regisseur anstatt einer Probenzeit eine sechswöchige Leidenszeit beschert. Aber das hat letztlich dazu geführt, dass ich wieder angefangen habe, Musik zu machen, weil ich dort nicht mehr sein wollte. In meinem Freundeskreis begegnen wir dem Scheitern immer positiv und sagen: „Schöner scheitern!“ Bei Krisen ist unsere Einstellung: „Voll Karacho!“ Richtig doll leiden und traurig sein, damit es schnell vergehen kann.

Das Album ist bei Mirabella/Schubert Music Europe erschienen.
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Sie sprachen es schon an: Sie haben sich von Ihrem Mann getrennt, die Scheidung läuft gerade. Auf dem Album geht es um Liebe und vergangene Liebe. Ist das Verarbeitung?

Es gibt die Ballade „Lass los“. Das war für mich natürlich sehr schwer, weil man an dem festhält, was man seit zehn Jahren kennt. Und bei einer Trennung gibt’s auch immer Schönes, das man gehen lassen muss. Das Lied habe ich übrigens geschrieben, als ich das in meiner Beziehung noch gar nicht so richtig wahrgenommen habe – nur mein Unterbewusstsein wusste es schon und wenig später wurde es Realität. „Spring in mein Herz“ oder „Mehr brauch ich nicht“ hingegen sind die Songs übers Verlieben. Für die habe ich mir überlegt: Wie soll die Liebe sein, falls ich mich noch mal verliebe? Ich wünsche mir eine einfache, pure Form. „Eine Couch, der Fernseher und dich“ wie im Text ist das Beste. Die Menschen, die einfach gerne zusammen sind – selbst wenn nichts los ist –, sind die Glücklichsten.

Wie kam es zum Genre „Elektro-Schlager“?

Auf eine gewisse Art und Weise war Blümchen auch schon Schlager – versteckt hinter Techno-Beats. Ich wusste, dass ich mich irgendwie wiederholen möchte, aber in einem neuen energetischen Gewand. Ich liebe Elektro, Festivals, DJing und die Energie, die dabei entsteht. Und wenn ich deutsche Texte schreibe, lande ich unausweichlich beim Schlager.

Auf dem Album ist auch eine Hommage an Hamburg.

„Hamburg im Sinn“ war mir sehr wichtig – ich bin eben eine Tochter der Stadt. Für mich ist es selbst eine große Überraschung, dass ich noch mal ein Album gemacht habe, deswegen war klar, dass ein Hamburg-Lied draufmuss. Ich bin ja will unterwegs, aber wenn ich nach Hause komme, fühle ich mich am wohlsten. Ich sage auch immer spaßeshalber: „Durch meine Adern fließt Elbwasser.“

Von „Herz an Herz“ zu „Von Herzen“ – ein Foto von Blümchen vor 24 Jahren. Foto:  imago images/teutopress

 

Fühlten Sie sich im Musikbusiness als Frau benachteiligt?

Es ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass Frauen sich mehr miteinander vernetzen. Im Musikbusiness geht viel mit Connections und oft sind das eher Männer. Es gibt genau so viele Frauen, aber da hat man oft nicht die Telefonnummer. In Hamburg gibt es ja zum Beispiel die Initiative „Music HH Women“, die sich genau dafür engagiert. Es ist ja auch oft so, dass wenn eine Frau durchkommt, sie oft keine Frau nachholt, weil ihr Alleinstellungsmerkmal ihr so wichtig und heilig ist. Das muss geändert werden. Mein eigener Werdegang ist so einmalig, dass ich da herausfalle. Ich hatte nie Schwierigkeiten, in die Musikbranche reinzukommen. Aber natürlich wurden die Plattenfirmen in den 90ern von Männern dominiert.

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Sie haben mit Finch in der Single „Herzalarm“ ein Blümchen-Revival gefeiert.

Blümchen tritt ja immer mal wieder in Erscheinung. Mit David Hasselhoff hat sie ja auch schon mal einen Song gemacht oder war mal wieder auf Tour. Und bei Finch ist es tatsächlich so gelaufen, dass er seine Followerschaft dazu animiert hat, mir zu schreiben. Er hatte mir auch schon geschrieben, aber ich hatte das nicht so richtig mitbekommen. Er ist zehn Jahre jünger und war/ist großer Fan und hatte total Lust, ein Lied mit mir zu machen. Und dann haben wir uns im Studio zusammengesetzt und dabei ist „Herzalarm“ herausgekommen. Ich finde es schön, dass Blümchen ab und zu in Aktion tritt. Aber mir wäre es zu anstrengend, immer sie zu sein. Ich muss sie sicher auch irgendwann mal gehen lassen, wenn ich nicht mehr der Typ bin, der Lack-Bodys trägt. Meine Basis ist jetzt die neue Musik von Jasmin Wagner.

Wir fangen in diesem Jahrzehnt wirklich an, zu lernen, zu helfen und zu ändern.

Jasmin Wagner vergleicht im MOPOP-Interview die 90er mit heute

Was vermissen Sie an den 90ern und bei was sind Sie froh, dass Sie es los sind?

Ich mochte es, dass man sich so richtig verabredet hat. Man war zu einem gewissen Zeitpunkt verbindlich da – es gab nur das akademische Viertel als Toleranz. Heutzutage schreibt man in WhatsApp-Gruppen: „Ich komme später!“, „Ich komme gar nicht!“ oder „Lass uns woanders treffen!“ Kommunikation ist so kompliziert geworden. Was das Musikbusiness betrifft, gab es in den 90ern diese Goldgräber-Einstellung „Alles geht!“. Heute müssen wir viel bescheidener und anteilsreicher sein, um dieselben Effekte zu erzielen. Aber insgesamt finde ich die Welt jetzt trotzdem richtiger und besser. Wir verändern die Sprache, indem wir alle inkludieren und Umweltprobleme werden angepackt – in den 90ern gab es die ja auch schon, aber sie wurden weggewischt. Jetzt ist es so toll, dass die Jungen uns sagen: „Hört auf, wegzusehen!“ Wir fangen in diesem Jahrzehnt wirklich an, zu lernen, zu helfen und zu ändern.

Jasmin Wagner erzählt Geschichten zu Bernd Begemann, Volker Rosin, Bela B. und Britney Spears

Ich habe mir ein paar Weggefährt:innen von Ihnen herausgesucht, die Sie kommentieren sollen. Bernd Begemann ist der Erste.

Bernd Begemann ist ein großer Hamburger Künstler. Ich weiß nicht, ob er genug wertgeschätzt wird, aber die, die ihn kennen, lieben ihn für immer. Er hat unfassbare Energie und kreative Kraft. 2006 habe ich mit ihm und Michel van Dyke „Die Versuchung“ gemacht, ein sehr schönes Bossa-Nova-Album. Ich finde immer noch, dass es ein kleines Meisterwerk ist – in aller Unbescheidenheit (lacht). Aber ich verstehe auch, warum es kein Erfolg war: Stimme und Gefühl waren drin, aber noch nicht genug von meiner Persönlichkeit.

Jetzt Volker Rosin – mit ihm haben Sie seinen Kinderhit „Ein Lied über mich“ neu aufgenommen.

Es ist ganz spannend, mit Helden aus der Kindheit zusammenarbeiten. David Hasselhoff war auch so einer für mich. Und Volker Rosin hat so vielen Generationen mit seinen Liedern Freude geschenkt. Es ist ehrlicherweise auch total schlau, in diesem Feld unterwegs zu sein, weil immer neue Kinder nachkommen. Es ist total schön, dass meine Patenkinder oder die Kinder von Freunden jetzt auch mit diesem Lied und mit mir Spaß haben können.

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Bela B. – mit ihm haben Sie mal als Turbonegro-Tribute den Song „Are You Ready For Some Darkness“ aufgenommen – und sind seitdem auch Mitglied im Fanclub Turbojugend.

Genau, eigentlich bin ich nicht nur Blümchen und Jasmin Wagner, sondern eben auch Denim Girl – das ist mein „Warrior Name“. Die Turbojugendlichen sind auf jeden Fall eine spannende Gemeinschaft. Ich hatte mal in Los Angeles Probleme mit meinem Auto und da sind gerade zwei Jungs in Turbonegro-Kutte vorbeigekommen – und als ich sagte „Ey, ich bin eine von euch!“, haben sie mir sofort geholfen. Von da an war ich immer bei ihnen willkommen, wenn ich mal wieder in L.A. war. Ich müsste eigentlich mal wieder den Kontakt zur Turbojugend aufnehmen – jetzt, wo ich wieder im Musikbusiness unterwegs bin.

Und die letzte Persönlichkeit: Britney Spears.

Sie ist eine frühe Wegbegleiterin. Ihr Manager Lou Pearlman hat alle seine Acts – wie auch *NSYNC oder die Backstreet Boys – früh nach Deutschlang geholt. Wahrscheinlich, damit sie hierzulande für die Weltkarriere üben können. Mit Britney Spears habe ich viel abgehangen. Lou Pearlman hatte uns 1995 beobachtet, als wir mit Blümchen an den Start gingen. Und er hat damals erkannt, was das für eine Magie hatte und sagte zu meiner Managerin, dass er das ganze Blümchen-Konzept sehr schlau fände. Das war, glaube ich, die Initiation für ihn, auch eine weibliche junge Künstlerin zu suchen – und dann hat er eben Britney Spears gefunden. Es ist natürlich krass zu sehen, wie sie gestruggelt hat und es immer noch tut. Wir waren doch die Mädels, die irgendwann zusammen in der Musikbranche angefangen haben. An diese Zeit habe ich nur tolle Erinnerungen.

Jasmin Wagner backt und wandert gern

Sie backen und wandern leidenschaftlich. Was sind Ihre Rezept- und Trip-Tipps?

Das Bananenbrot. Damit kann man nichts falsch machen. Ich habe es immer sehr gerne in der Lockdown-Zeit gemacht und es auf lange Spaziergänge mitgenommen. Ich gebe übrigens auch Backkurse aus meiner Küche heraus – zuletzt haben wir da einen Regenbogen-Pride-Crap-Cake gemacht. Mit Backen kann man also auch ein Statement machen. Was das Wandern betrifft: In diesem Jahr war ich auf dem El Teide auf Teneriffa, dem höchsten Berg Spaniens. Und vor der Corona-Zeit war ich noch auf dem Mount Kenya – das war mein erster Berg über 4000 Metern. Da waren wir vier, fünf Tage in der Wildnis – unvergesslich!

Jasmin Wagners Album „Von Herzen“ ist bei Mirabella/Schubert Music Europe erschienen. 

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