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Alice Merton: „Wenn ich ,Vertigo‘ singe, fühle ich Kraft, meine Angst zu besiegen“

Alice Merton: „Wenn ich ,Vertigo‘ singe, fühle ich Kraft, meine Angst zu besiegen“

26.07.2021
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Alice Merton (27) ist schon viel in der Welt herumgekommen. Ihr Song „No Roots“, der sich darauf bezieht, war einen Riesen-Hit. Foto: Paper Plane Records/Paul Grauwinkel

Die deutsch-irische Künstlerin über Panikattacken, Hits und Multinationalität

Die deutsch-irische Pop-Künstlerin Alice Merton (27) hatte mit „No Roots“ einen Riesen-Hit und wird international gefeiert. Im MOPOP-Interview spricht sie über ihren neuesten wilden Song „Vertigo“, Ängste, ihre Multinationalität und die Benachteiligung von Frauen im Musikbusiness. Ganz unten gibt‘s Tickets für Alice Mertons Konzert im Stadtpark zu gewinnen!

MOPOP: Auf mich wirkt es so, als hätten Sie auf der Karriereleiter einige Stufen übersprungen. Stimmt das überhaupt? Seit wann machen Sie Musik?

Alice Merton: Schon als Kind habe ich Musik geliebt. Mit fünf habe ich Klavier gespielt, mit neun gesungen – aber eher Musicals oder Arien. Mit 16 habe ich dann in der Schule einen Songwriting-Kurs gemacht – aus Spaß. Aber damit konnte ich mich erstmalig kreativ und überhaupt ausdrücken. Denn mit 13 bin ich von Kanada nach Deutschland gekommen, konnte kein Deutsch, verstand keine Witze und konnte einfach nicht mitreden. Am ersten Schultag habe ich mich so einsam gefühlt – das Gefühl hatte ich bestimmt drei bis vier Jahre lang. Das Songwriting hat mir sehr geholfen. Es ging inhaltlich viel darum, mein Zuhause zu finden.

Mit 13 bin ich von Kanada nach Deutschland gekommen, konnte kein Deutsch, verstand keine Witze und konnte einfach nicht mitreden.

Alice Merton

Wann haben Sie eine professionelle Richtung eingeschlagen?

Das hat mir eine Freundin vorgeschlagen. Ich habe das erst gar nicht ernstgenommen, wurde dann aber an der Uni für Songwriting angenommen – von da an hat sich alles entwickelt. Ich habe irgendwie immer die richtigen Leute gefunden, mit denen ich zusammenarbeiten wollte. Bei mir ist es also nicht so, dass der Erfolg auf einmal da war – die einzelnen Schritte waren für Entwicklung und Wachstum total wichtig. Ich kenne es auch, vor 20 Leuten in einem kleinen Club zu spielen. In Amerika haben wir auch superklein angefangen. Jeden Tag um fünf aufstehen, losfliegen und vor Ort Promo, Sessions, Soundcheck und Konzert. Das haben wir monatelang gemacht – irgendwann ist man so müde!

Was war das bisher krasseste Ereignis Ihrer Karriere?

Als wir zu Jimmy Fallon eingeladen wurden – das war die erste amerikanische Talkshow, in der wir waren. Das konnte ich wirklich nicht glauben.

Wie ist es, jetzt wieder live spielen zu können?

Es macht so viel Spaß! Durch die Pandemie gehe ich da mit einer anderen Attitüde ran. Ich empfinde pure Dankbarkeit und Wertschätzung für jede Kleinigkeit. Wenn zum Beispiel ein kleiner Fehler auf der Bühne passiert, wäre ich früher sehr nervös geworden. Jetzt denke ich: Passiert!

 

In Ihrem neuesten Song „Vertigo“ geht’s um Ihre Angst.

Ja, ich hatte lange Zeit Schwierigkeiten mit Lampenfieber und Panikattacken. Deswegen konnte ich eine Zeit lang gar nicht auf Bühnen performen. Ich dachte einfach immer: Ich schaffe das nicht. Aber während der Pandemie und auch schon davor habe ich mit einer Therapie angefangen und das hat mir sehr geholfen. Der Song soll das Gegenteil von diesem Angst-Gefühl zeigen. Wenn ich ihn singe, fühle ich ganz viel Kraft, die Angst zu besiegen. Das mag ich sehr.

Was waren für Sie die ersten Schritte aus der Angst heraus?

Verschiedene Atemtechniken und meine Vorstellungskraft haben mir geholfen. Ich bin dann vor Auftritten die fünf Sinnesorgane durchgegangen, um zu spüren, was mir passieren könnte. Ich habe mir zum Beispiel ganz banal den Geruch von Schweiß und Rauch auf der Bühne vorgestellt.

Wann kommt Ihr neues Album?

2022. Einige neue Songs spiele ich aber jetzt schon live. Auf dem Album wird es noch mehr Abgeh-Nummern wie „Vertigo“ geben, aber auch Balladen. Insgesamt wird es dunkler werden und sehr ehrlich.

Ich liebe es, woanders zu sein und mich mit anderen Kulturen verbunden zu fühlen.

Alice Merton (27) ist schon viel herumgekommen

Jetzt müssen wir noch mal über Ihre Multinationalität sprechen: Ihr Vater kommt aus Irland, Ihre Mutter aus Deutschland, Sie sind in Frankfurt geboren, haben dann lange in Kanada gelebt, sind mit 13 nach München gezogen, später nach England und dann wieder zurück nach Deutschland. Ist es herrlich, wenn man überall zu Hause ist?

Total! Natürlich fühle ich mich nicht überall zu Hause. Aber wenn wir auf Tour sind, denke ich in coolen Städten oft: Oh, hier möchte ich mal wohnen! Aktuell wohne ich auch halb in Berlin und halb in London. Ich liebe es, woanders zu sein und mich mit anderen Kulturen verbunden zu fühlen. Dass das schon mein ganzes Leben so ist, liegt am Job meines Vaters – er war Unternehmensberater. Meine Eltern sind aber auch von Natur aus rastlose Menschen.

Haben Sie einen Bezug zu Hamburg?

Ich liebe die Stadt, weil ich dort meine ersten Konzerte auf dem Reeperbahn-Festival gespielt habe. Was ich nur immer gemerkt habe, wenn ich in der Stadt war: Es hat immer geregnet und war nie sonnig. (lacht) Ich hoffe, dass das beim Stadtpark-Konzert nicht so ist.

Apropos Reeperbahn-Festival: Es setzt sich für Geschlechter-Ausgeglichenheit in Line-ups und im Musikbusiness allgemein ein. Fühlten Sie sich als Frau schon benachteiligt?

Auf jeden Fall. Manche Festivals sagen halt pauschal: „Wir können nicht so viele Frauen oben ins Line-up setzen, weil sie unsere Art von Festival nicht tragen können.“ Da fühlt man sich schon angegriffen, weil man ja eigentlich schon auf vielen Festivals gespielt hat. Und es wird auch ständig die Aussage gemacht: „Es gibt ja nicht so viele weibliche Künstlerinnen.“ Das stimmt so nicht – sie werden nur nicht so viel gebucht. Da sind die Festivals echt am Zug. Mit überwiegend männlichen Produzenten habe ich auch manchmal die Erfahrung gemacht, nicht ernstgenommen zu werden. Das hat mich schon erschüttert. Wir müssen weiterhin ganz viel Bewusstsein für diese Problematik schaffen – ein Anfang ist immerhin schon gemacht.

Stadtpark: 4.8. (20 Uhr), Tickets ab 42 Euro hier

Gewinnspiel: Alice Merton im Stadtpark

Für Alice Mertons Stadtpark-Konzert am 4. August gibt’s 1 x 2 Tickets zu gewinnen!

Um am Gewinnspiel teilzunehmen, beantworten Sie einfach folgende Frage: Wie heißt Alice Mertons größter Hit? Schicken Sie die Antwort in einer E-Mail mit dem Betreff „Alice Merton“ und Ihre Kontaktdaten (Name, Adresse, Telefon) an: mopop@mopo.de!

Teilnahmeschluss ist Sonntag (1. August) um 24 Uhr.

Teilnahmebedingungen Gewinnspiel

Teilnahme ab 18 Jahren bis 1.8.2021 (Einsendeschluss: 24 Uhr). Die Gewinner:innen werden durch Los ermittelt. Die Gewinner:innen werden telefonisch oder per Mail benachrichtigt. Veranstalterin des Gewinnspiels: Hamburger Morgenpost Verlag GmbH, Barnerstraße 14, 22765 Hamburg. Bei einer Teilnahme gelten unsere AGB als akzeptiert. Diese AGB findest du unter www.mopo.de/gewinnspiel-agb.

Daten der Teilnehmer:innen werden zur Auswertung der Aktion gespeichert und 14 Tage nach der Beendigung der Aktion gesperrt und dann nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nur, wenn es für die Durchführung des Gewinnspiels notwendig ist.

Als Teilnehmer:in sicherst du zu, dass eingesendete Beiträge frei von Rechten Dritter sind, insbesondere keine dritten Personen unberechtigt abgebildet oder genannt werden. Die Datenverarbeitung kannst du durch Mitteilung auf gleichem Wege wie die die Teilnahme jederzeit widerrufen.

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