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Musik, Politik und 41.000 Besucher: So war das Reeperbahn-Festival

Nicht zu leugnen: Loyle Carner sorgte Mittwochabend auf dem Reeperbahn-Festival für Begeisterung.

Foto: Florian Trykowski

Das Hamburger Reeperbahn-Festival im Jahr 2022 war nicht nur Musik. Es war auch Politik. Ob Klimaschutz, Rassismus, Geschlechtergerechtigkeit oder Kultur im Zeichen des Ukraine-Krieges – viele Künstlerinnen und Künstler nutzten ihre Auftritte für klare politische Botschaften.

Das begann direkt mit der Eröffnungsshow, bei der die britische Sängerin Ellie Goulding einen flammenden Appell für den Klimaschutz hielt und Natalia Klitschko in eindringlichen Worten vom schwierigen Alltag ukrainischer Künstler sprach. Auch auf vielen Bühnen machten sich die Sängerinnen und Sänger für Minderheiten, Feminismus und mehr Toleranz stark, wie beispielsweise die Petrol Girls im Gruenspan am Freitag (hier gibt’s mehr dazu).

Reeperbahn-Festival mit Anspruch, Besuchern Denkanstöße mitzugeben

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Das Club- und Branchenfestival hat schon lange den Anspruch, seinen Besuchern auch Denkanstöße mitzugeben. So haben die Macher bereits 2017 den geringen Frauenanteil in der Branche thematisiert und mit ihrem Keychange-Projekt den Wandel angestoßen. Ein Wandel, den sich vor allem die jungen Musikfans wünschen, wie aus der zweiten Studie zu dem Thema hervorgegangen ist, die während des Festivals vorgestellt wurde.

Auf dem Reeperbahn-Festival wird die Ausgeglichenheit der Geschlechter bereits erfolgreich umgesetzt und der Musikwirtschaft damit gezeigt, dass das auch ohne Qualitätseinbußen möglich ist – die Branche vielmehr davon profitiert. Beim Festival lag der Anteil der Acts mit weiblicher Beteiligung in diesem Jahr eigenen Angaben zufolge bei 55 Prozent.

41.000 Menschen beim Reeperbahn-Festival

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Rund 41.000 Menschen haben das Reeperbahn-Festival mit seinen rund 400 Konzerten von Acts aus rund 40 Ländern in den vergangenen vier Tagen besucht, wie die Veranstalter am Sonntag in Hamburg mitteilten. Das sind deutlich mehr als in den vergangenen beiden Jahren, als coronabedingt nur wenige Menschen die Konzerte mit Abstand und Maske besuchen konnten. In diesem Jahr mussten bei den Veranstaltungen keine Corona-Regeln mehr beachtet werden.

Das hatte auch Einfluss auf die Stimmung, wie Festivalchef Alexander Schulz der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg sagte. „Viele Musiker, Musikwirtschaftende und auch das Publikum haben erst beim Erleben der Veranstaltung so richtig realisiert, was in den vergangenen zweieinhalb Jahren wirklich fehlte.“ Die positive Atmosphäre und die Zufriedenheit seien spürbar gewesen.

Clubs stehen vor einer harten Zukunft

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Das Reeperbahn Festival 2022 habe zudem der „etwas von der notwendigen Kraft, dem Gemeinschaftsgefühl und Selbstbewusstsein zurück gegeben, das sie für die anstehenden mannigfaltigen Herausforderungen“ dringend benötigen werde. Zu Beginn des Festivals hatte der Interessensverband Clubkombinat Hamburg darauf aufmerksam gemacht, dass die Clubs vor einer harten Zukunft stehen und hatte neue Staatshilfen für die Veranstaltungswirtschaft gefordert, weil sonst ein Kollaps drohe.

Das Reeperbahn-Festival hat – zumindest für einige Tage – den großen Scheinwerfer auf die Clubs gelenkt und so die Relevanz der kleineren Musikspielstätten einmal mehr verdeutlicht. Für eine große Strahlkraft wurde dabei auch auf große Namen mit vielen Followern in den Sozialen Netzwerken gesetzt.

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Nachdem Ellie Goulding, Jan Delay, Zoe Wees und Udo Lindenberg die Show eröffnet hatten, spielten Kraftklub direkt auf der eigens abgesperrten Reeperbahn ein Spontan-Konzert und sangen dabei auch zusammen mit Casper sowie Bill Kaulitz.

Eröffnung mit Ellie Goulding, Jan Delay, Zoe Wees und Co.

Der wiederum war Teil der in diesem Jahr sehr bunten Jury für den Nachwuchspreis Anchor – zusammen mit der bekannten brasilianischen Musikerin und Dragqueen Pabllo Vittar (12 Millionen Follower auf Instagram), Soulsängerin Joy Denalane, The Hives-Sänger Pelle Almqvist, Produzentin Tayla Parx und Musikproduzenten-Legende Tony Visconti.

Die Jury hatte am Samstag die britische Indie-Pop-Band Cassia zum Gewinner des undotierten Anchor-Awards gekürt. Die Band setzte sich mit einprägsamen Songs zwischen Euphorie und Introspektion gegen ihre fünf Mitstreiter durch. Neben Cassia waren die Acts Lime Garden, The Haunted Youth, Vlure, Ekkstacy und Philine Sonny nominiert. Das nächste Reeperbahn-Festival soll es vom 20. bis zum 23. September 2023 geben.

Auch die MOPO war in diesem Jahr wieder mit einer Bühne vertreten: Am MOPO(P)-Mobil im Festival-Village traten an drei Tagen Künstlerinnen und Künstler auf und trotzen – vor allem am Samstagnachmittag – Wind und Wetter. Unter anderem spielten Aze aus Österreich, die kanadische Singer/Songwriterin Diaphanie, Joachim Liebens von der Anchor-nominierten Band The Haunted Youth aus Belgien und Donna Blue aus Amsterdam am MOPO-Bus. (DPA/NR)

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