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Zweiter Tag auf dem Reeperbahn-Festival: Rock’n’Roll — ein bisschen wie früher!

Zweiter Tag auf dem Reeperbahn-Festival: Rock’n’Roll — ein bisschen wie früher!

24.09.2021
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Thala aus Berlin spielte Dreampop-Ohrwürmer im Headcrash. Foto: Marvin Contessi

Der zweite Tag des Reeperbahn-Festivals liegt hinter uns. Dem Regen und Sturm wurde getrotzt, sich in die langen Schlangen vor den Clubs eingereiht und gelernt, dass man Indoor auf seinem Pünktchen auf dem Boden stehen bleiben und seine Maske aufbehalten muss. Das nimmt man alles auf sich – Hauptsache, man kann Rock‘n‘Roll endlich wieder live und aus nächster Nähe erleben. Die MOPOP-Redaktion war im Gewusel dabei – hier kommen ein paar kleine Eindrücke vom zweiten Tag des RBFs:

Keep Dancing Inc im Molotow Backyard:

Keep Dancing Inc widersprechen mit ihrem Bandnamen leider dem Hygienekonzept im Molotow-Backyard (sitzenbleiben!) – aber die Damen nebenan auf der Bierzeltbank machen das Beste draus: Beine in die Luft bis zum Geht-anatomisch-nicht-höher. Völlig zurecht, der Elektro-Indie-80er-Synthie-Sound reißt mit. Maximal tanzbar, schon beim ersten Hören. Geschenkt, dass die Pariser:innen zwischendurch das Klischee von den eher dürftigen Englisch-Kenntnissen im Nachbarland bestätigen: „Now we’re gonna slow it up“, kündigt Bassist Joseph zwischendurch euphorisch an. „Ähm – schneller!“, korrigiert Sänger Louis. Im Musikunterricht hat die Truppe besser aufgepasst. Wer ein RBF-Ticket hat: Morgen hingehen! (Häkken, 18.45 Uhr)

Glauque im Mojo-Club:

Auf Platte sind Glauque offenbar zu fünft, auf der Mojo-Bühne stehen am frühen Donnerstagabend nur vier Typen. Und selbst die finden zwischen Synthieburgen und Schlagzeug kaum Platz. Dass hier irgendwas oder -wer fehlen soll, sieht und hört man nicht. Die Belgier spielen einen superkompakten, harten Elektropop, über den französisch gerappt wird – inklusive ungelenker HipHop-Gestik im Normalo-Straßenlook. Das Mojo tobt vor Begeisterung: Die gehören vor ein größeres Publikum – das dann bitte auch tanzen darf!

Thala im Headcrash:

„Wer hat denn hier schon meine Musik gehört?“, fragt die Berlinerin Thala (auf Englisch, darauf hat man sich geeinigt – ist ja ein internationales Festival, und sie Halbkanadierin) im Headcrash. Ein beträchtlicher Teil der Hände im Zuschauerraum geht hoch. Ihr Debütalbum „Adolescence“ ist seit einer Woche draußen, und diese Dreampop-Ohrwürmer machen unter anderem wegen Byte.FM-Airplay die Runde. Die Band müht sich nach Kräften, den schwelgerischen Sound live hinzukriegen, das klappt nicht immer. Manchmal klingt’s nach Countrypop, nur mit sehr viel Hall auf der Gitarre. Aber irgendwie ist auch das charmant. (morgen auch noch einmal in der St. Pauli-Kirche, 18.45 Uhr)

Joachim Franz Büchner Band im Molotow:

Eigentlich möchte man bei Joachim Franz Büchner die ganze Zeit mitschreiben. Bezeichnet sich selbst als „Stalagmit des Stabreims“, hat noch mehr schöne Wörter und breitet einen Assoziationskosmos aus, gegen den selbst die Zitatmaschine der frühen Blumfeld alt aussieht. Der Elefant im Raum: Klar, das lässt an die Blütezeit der Hamburger Schule denken. Aber wie bei deren Klassenbesten ist die Musik irgendwie viel wichtiger als die Cleverness. Das ist schön gedachter Indierock mit zweckdienlicher Schlagerstimme. Tags zuvor, solo am MOPO-Mobil, hat er uns Bläser versprochen, die kamen zwar aus dem Synthie, aber: Wumms ist Wumms. (morgen im Grünen Jäger, 20.30 Uhr)

Fo Sho im Thomas Read:

Die Schlange vor dem Thomas Read ist am frühen Abend überschaubar – gut für alle, die anstehen, um Fo Sho zu sehen (die kommen zum Großteil auch rein in den Laden, der 40 Menschen willkommen heißen darf). Blöd für alle, die nicht da sind: Die verpassen was! Was für ein Knaller diese drei rappenden Schwestern aus der Ukraine sind! Gekleidet in blau-gelbe Sportklamotten, die drei Stimmen irgendwo zwischen TLC-R’n’B und schmutzigem HipHop, die Texte meinungsstark (so man sie denn versteht, es gibt auch Stücke auf Ukrainisch). Die 40 Anwesenden feiern’s: Applaus, Gejohle, alles. Muss man sich merken, wird nächstes Mal voller.

PVA im Nochtspeicher:

„Anchor“-Zeit im Nochtspeicher! Der ist in diesen Jahr betischt und bestuhlt, es gibt Platzservice – und irgendwie ist das der feierlichen Angelegenheit angemessen. Schließlich treten hier die heißesten Newcomer vor einer prominent besetzten Jury rund um Produzenten-Legende Tony Visconti auf. Der Musik von PVA allerdings tut das Setting nicht wirklich einen Gefallen. Vermutlich hätte der Sound des Londoner Dance-Punk-Trios mehr verfangen, wenn das Publikum sich dazu hätte bewegen können. Aber is wie’s is – und heute Abend wissen wir, wie die Show der Anchor-Jury gefallen hat (die Gala gibt’s auch im Stream bei Arte Concert)

ML Buch im Moondoo:

Bis man so richtig im Moondoo drin ist, bedarf es einem Prozedere, „Party Mate“-Check-in draußen, drinnen unten auf Abholung warten, um dann von einer Mitarbeiterin eskortiert und oben im Club auf seinem Punkt auf dem Boden für den notwendigen Abstand platziert zu werden. Die ganze Zeit Maske auf – außer beim Trinken: Is‘ eh klar! Aber das Prozedere für ML Buch (ML steht für Marie Louise) aus Dänemark hat sich gelohnt. Sie nimmt einen mit auf einen Trip in ihre Musikwelt – elektronisch, sphärisch, voller Brüche und gegen die typischen Pop-Konventionen. An diese universelle Pop-Art muss man sich erst mal gewöhnen, aber wenn man dann drin ist, ist man schwer fasziniert. (NR/MW/DUE/FRED)

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