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Kinderbuch-Tipps: Schauspielerin Dayan Kodua wurde für „Odo“ zur Verlegerin – ein echter Glücksfall

Kinderbuch-Tipps: Schauspielerin Dayan Kodua wurde für „Odo“ zur Verlegerin – ein echter Glücksfall

12.07.2021
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Dayan Kodua (40) ist Autorin, Schauspielerin und Verlegerin. Foto: Florian Quandt, Christoph Mannhardt, Gratitude Verlag

Eine Geschichte voller guter Gefühle – bunt, warm und lebensfroh und dabei immer nah am wahren Leben. Dazu eine Autorin, die von der Kinderbuch-Grande-Dame Kirsten Boie als „Glücksfall“ bezeichnet wird. Klingt nach ’nem Selbstläufer. Trotzdem musste die Hamburgerin Dayan Kodua (40) erst ihren eigenen Verlag gründen, um „Odo“ raus in die Welt schicken zu können.

Das erste Kinderbuch von Dayan Kodua: „Odo“ ist empfohlen für Kinder ab sechs Jahren.

 

„Ich habe schon als Kind gemerkt, dass es viele Bücher gibt, in denen ich nicht existiere“, sagt Dayan Kodua. „Ich habe ,Struwwelpeter‘ und ,Max und Moritz‘ gelesen – und alle Figuren waren weiß.“ Also habe sie ihren Vater gefragt, warum das so sei, erinnert sie sich. Seine Antwort: „Wir sind in Deutschland.“ Und weil hier alle weiß seien, seien auch in den Büchern alle weiß. Erst als sie nach Amerika ging, um Schauspiel zu studieren, merkte sie, welche Vielfalt möglich ist. „Da dachte ich, dass auch wir hier Bücher brauchen, in denen Kinder sich sehen.“

Der zweite „Odo“-Band ist neu erschienen – mit einem Vorwort von Kirsten Boie. Die Bücher gibt’s auch unter gratitudeshop.de für je 14,95 Euro.

 

Die Idee zu „Odo“ wurde schließlich geboren, als sie zum ersten Mal Mutter wurde. Dayan Kodua fragte sich, welches Buch sie gerne ihrem jüngeren Ich zeigen würde – und schrieb die Geschichte der kleinen Odo, die zusammen mit ihrer Mutter in einem ghanaischen Dorf lebt, mit ihren Freunden tobt und spielt, und die sich nichts sehnlicher wünscht als eine schwarze Puppe. Vieles aus dem Buch hat Kodua, die in Ghana aufwuchs bis sie zehn war, genau so erlebt. „Ich kannte als Kind auch keine schwarzen Puppen“, sagt sie. „Sie existierten in Afrika einfach nicht.“

Die „Odo“-Puppen (39,95 Euro) werden von Hand gefertigt.

 

Heute bringt sie selbst „Odo“-Puppen auf den Markt. Denn um ihr erstes Kinderbuch veröffentlichen zu können, musste Dayan Kodua einen eigenen Verlag gründen. „Die Verlage sehen in Büchern von People of Color oft ein Nischenprodukt.“ Auch „Odo“ sei kein kommerzielles Buch, erklärt sie, „und ich glaube, die Verlage haben Angst, Bücher rauszubringen, die nicht kommerziell sind. Was aber viele schnell vergessen: Die Leute mit Migrationsvorder- oder -hintergrund geben ja auch Geld aus. Das heißt, man sollte sie ja auch erreichen wollen. Die Generation heute, das sind ambitionierte, erfolgreiche Menschen, egal, woher sie kommen. Die wollen sich sehen.“

Mit dem „Gratitude Verlag“ hat Kodua den ersten Schritt getan, das zu ändern. Sie hat „Odo und der Beginn einer großen Reise“ rausgebracht, dazu die Puppen und ein Puzzle. Demnächst folgen Bücher anderer Autorinnen. „Mir ist es wichtig, Geschichten zu erzählen, die Menschen berühren. Als Film- und Theaterschauspielerin und auch als Autorin“, sagt sie. „Dabei ist es unwichtig welche Hautfarbe ich habe. Denn Geschichten sollen uns ansprechen und uns zum Nachdenken bringen.“

Und im besten Fall dazu beitragen „das Zusammenleben von Kindern verschiedener Herkunft und verschiedener Ethnien noch selbstverständlicher und freundlicher zu machen“, wie Kirsten Boie es in ihrem Vorwort zum zweiten „Odo“-Buch schreibt. „Und damit schließlich das Zusammenleben von uns allen!“

Noch mehr Lesestoff für kleine (und große) Bücherwürmer

Das Einschlafbuch, bei dem garantiert niemandem die Augen zufallen

 

Bei Familie Rübe „gibt’s ein knallefestes Ritual. Jeden Abend, immer gleich“. Davon erzählt in „Schlafen wie die Rüben“ (32 Seiten, Mairisch, 15 Euro; ab 4 J.) die älteste Tochter. Es geht ums „große Zubettgehen der kleinen Leute“, und das ist ziemlich wild. Die Autoren Finn-Ole Heinrich und Dita Zipfel spielen munter mit Reimen und Sprachbildern, Tine Schulz liefert kraftvoll-verrückte Illustrationen – ein herrliches Chaos. Und frisch als eins der „Schönsten deutschen Bücher 2021“ ausgezeichnet!

Ein fantastisch wildes Taxi-Abenteuer

 

Und noch so ein herrlich verrücktes Buch: Saša Stanišic hat sein erstes Kinderbuch „Hey, hey, hey, Taxi!“ (96 S., Mairisch, 18 Euro; ab 4 J.) nicht nur für seinen Sohn geschrieben, sondern gleich mit seinem Sohn zusammen! Denn der damals Vierjährige hat viele der aberwitzigen Geschichten mit erfunden. Wie zum Beispiel die, in der das Taxi ein Käserad ist und der Fahrer eine Maus und das Ziel ein Mondkrater, was denn auch sonst. Wunderbar kleine, fantastische Abenteuer, die sich zum Vorlesen, Selberlesen, aber auch einfach zum Bildergucken eignen: Die Illustrationen von Katja Spitzer sind schließlich mindestens genauso übermütig wie die wilden Taxi-Geschichten.

Hochspannung mit ’ner ostfriesischen Hexe

 

Eines Nachts wachen die Geschwister Max, Lena und Paul von Geräuschen auf. Und was ist das nur für ein unheimliches Licht?! „Die ostfriesische Hexe Mimi“ treibt ihr Unwesen – für die Kinder beginnt damit eine Reise ins alte Ostfriesland. Im Buch (116 Seiten, epubli, 12/18 Euro, Illustrationen von Rike Nemitz) von Don Klostermann, der eigentlich eine Kiez-Bekanntkeit ist, aber jetzt in Ostfriesland mit seiner Verlobten und ihren Kindern sein spätes Familienglück genießt, stecken autobiografische Elemente, Spannung und großer Spaß für Jung und Alt.

„Ruck zuck övern Zaun“: Bilderbuch über einen echten Hamburg-Klassiker

 

Ein echter Klassiker, nicht nur das Buch, sondern vor allem natürlich das Lied. „En echt Hamborger Jung“ – heute bekannt als „(An de Eck steiht ’n) Jung mit ’n Tüdelband“ – wurde vor mehr als 100 Jahren von den Gebrüdern Wolf geschrieben. Bis heute kann vermutlich jeder Hamburger den Refrain mitsingen: „Klaun, klaun, Äppel wüllt wiklaun ​…“ Illustrator Jens Natter hat die einzelnen Strophen des berühmtesten Volkslieds der Stadt für sein Buch „Der Jung mit ’n Tüdelband“ (28 S., Boyens Buchverlag, 9,95 Euro; erhältlich auch im MOPO-Shop unter shop.mopo.de) in bunte Bilder verwandelt. Und wer es noch nicht wusste, erfährt hier, was genau dieses „Tüdelband“ (eigentlich „Trudelband“ oder „Trüdelband“) überhaupt ist.

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