Share on facebook
Share on twitter

„Dicht im Flieger“ oder „Layla“: Ohje! Wird der nächste Sommerhit ein Ballermann-Lied?

„Dicht im Flieger“ oder „Layla“: Ohje! Wird der nächste Sommerhit ein Ballermann-Lied?

07.07.2022
Share on facebook
Share on twitter
So sieht es wieder auf Malle aus: Der Ballermann ist wieder am Start - auch musikalisch. Foto: Clara Margais/dpa

„Dicht in nem Flieger – alles egal, denn mein Kopf macht nur La“: eine Textstelle aus einem derzeit erfolgreichen Saufsong des Sängers Julian Sommer. Wird 2022 der Sommer der Ballermannhits?

Im Video hopst Mittzwanziger Julian Sommer gutgelaunt vor dem Strandlokal „Balneario 06“ an der Playa de Palma. Die Verballhornung des Wortes „Balneario“ als „Ballermann“ gab bekanntlich dem Mallorca-Partyviertel zwischen dem Großlokal „Bierkönig“ und der Disco „Mega-Park“ seinen Namen. Im Lied „Dicht im Flieger“, das eine Chance hat, Deutschlands Sommerhit 2022 zu werden, singt Julian Sommer stolz Saufparolen wie „Sangria, Wodka, Wein, wir knall‘n uns alles rein“. Man wolle ja nur eins: besoffen sein.

Autohaus-Verkaufsmanager und Schlagersänger Sommer stammt aus dem Dorf Hausten in Rheinland-Pfalz. Derzeit pendelt er zwischen Vordereifel und Mallorca, wo er ein WG-Zimmer hat, um sonntagsabends im „Bierkönig“ aufzutreten.

„Mit vier Promille durch die Straßen zieh‘n – Und Tag für Tag immer nur die gleichen Lieder sing‘n“, heißt es in dem Song, der Anfang Juli bis auf Platz sieben der Offiziellen Deutschen Charts kletterte. Im April war er auf Rang 91 eingestiegen, Ende Mai stand er auf Platz 40. Seit Mitte Juni ist er in den Top Ten – Tendenz steigend. Weitere Textzeilen gefällig? „Endlich wieder da und schon ein‘n im Tee. Und am nächsten Morgen tut die Birne weh.“

„Dicht im Flieger“ von Julian Sommer: „Endlich wieder da und schon ein‘n im Tee. Und am nächsten Morgen tut die Birne weh.“

So klingt also der Sommer 2022, in dem viele, wenn auch über oftmals chaotisch organisierte Flughäfen, wieder in die Sonne fliegen und sich – wie vor Corona – einen Urlaub am Strand gönnen wollen.

Über seinen Erfolg zeigt sich Julian Sommer natürlich erfreut, aber auch verblüfft. „Das ist halt, glaube ich, weil jetzt zwei Jahre partymäßig nicht viel los war“, sagt der 24-Jährige. Wegen Corona habe es nur wenige Party-Lieder gegeben. „Deswegen hat man jetzt so‘n bisschen Nachholbedarf.“

Als erstes begannen die großen Ferien im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen, aus dem gefühlt besonders viele nach Mallorca reisen. Zumindest an der Platja de Palma sieht man gern mal grölende Männergruppen aus NRW, die Händlern gefälschte Markenware von der Sonnenbrille bis zur Armbanduhr abkaufen – einen Umstand, den auch Sommers Sommerlied aufgreift: „Rey Beri ist am Start, Rolex ist am Arm – Und ein Gruß geht raus in den Senegal.“

Auch Sänger und Songwriter Nico Santos erkennt die diesjährige Tendenz zum deutschen Partylied. „Momentan merke ich, dass die Leute viel am Ballermann unterwegs sind, was sich auch an Charts-Hits wie ,Layla‘ bemerkbar macht“, sagte Santos kürzlich. „Layla“ von DJ Robin und Schürze steht seit zwei Wochen auf Platz eins der Charts.

„Layla“ von DJ Robin und Schürze auf Platz eins der Charts

„Sommersongs ändern sich gefühlt immer wieder und sind von Land zu Land unterschiedlich“, sagt der auf Mallorca aufgewachsene Santos. „Viele denken dabei an spanischen Reggaeton wie ,Despacito‘, auch DJ-Produktionen haben immer wieder große Erfolge.“

Der große Sommerhit „Despacito“ von Luis Fonsi feat. Daddy Yankee ist inzwischen fünf Jahre her. Das Jahr danach wurde in Deutschland ein Remix des Ohrwurms „Bella Ciao“ zum Sommerhit gekürt, vor drei Jahren der Latin-Pop-Lovesong „Señorita“ von Shawn Mendes und Camila Cabello. 2020 war ein von US-Sänger Jason Derulo ausgebauter Tik-Tok-Hit namens „Savage Love“ das Sommerlied schlechthin. Vor einem Jahr war es „Bad Habits“ des britischen Superstars Ed Sheeran.

Das Sheeran-Lied war ziemlich untypisch, denn normalerweise gehört es zur Tradition des offiziellen Sommerhits, dass der Song von zuvor eher unbekannten Interpreten kommt. Man denke etwa an „Macarena“ von Los del Rio (1996), „Samba de Janeiro“ von Bellini (1997), „The Ketchup Song“ von Las Ketchup (2002), „Dragostea din tei“ von O-Zone (2004), „Wake Me Up“ von Avicii (2013) oder „Ain’t Nobody (Loves Me Better)“ von Felix Jaehn feat. Jasmine Thompson (2015).

Bislang hat es noch nie ein typischer Ballermann-Schlager zum offiziellen Sommerhit der Chartsermittler von GfK Entertainment geschafft. Auch deutschsprachige Lieder waren bislang selten – lediglich 2007 gab es „Hamma!“ von Culcha Candela und 2003 „Ab in den Süden“ von Buddy vs. DJ The Wave.

2022 könnte nun aber das Jahr des Ballermannhit-Durchbruchs werden. Erstmal müssen aber alle Bundesländer in die Ferien gehen und die Urlaubsziele erobert werden. Vielleicht wird dann noch von irgendwoher ein anderer Tanzhit-Trend nach Deutschland mitgebracht. Kandidaten wären etwa Remixe wie „Belly Dancer“ von Imanbek & BYOR oder „Ferrari“ von James Hype & Miggy Dela Rosa. (DPA)

Share on facebook
Share on twitter

Das könnte Sie auch interessieren

Wir bringen Ihnen jeden Donnerstag gute Nachrichten frei Haus. Ob auf, vor und hinter den Bühnen – wir sind für Sie dabei und sprechen mit den spannendsten Menschen. Dazu gibt’s Tipps zu Veranstaltungen und Neuerscheinungen und vieles mehr.

Mit meiner Anmeldung stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Wonach suchen Sie?