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Das sind die fünf besten Newcomer-Acts der Stadt: „Krach+Getöse“-Award verliehen!

Viele lachende Menschen auf der Bühne
Buntes Award-Show-Schlussbild mit Queermom Didine van der Platenvlotbrug und Nebou N’Diaye (von Bangerfabrique), die wunderbar durch den Abend führten.
Foto: Alexander Schliephake

Es ist alles nicht so einfach. Weltlage. Klima- und all die anderen Krisen. Und überhaupt so allerhand, das einfach unfair ist. Da kommt die „Krach+Getöse“-Gala am Dienstagabend im Imperial-Theater gerade recht. RockCity e.V. und die Haspa-Musik-Stiftung verleihen einmal im Jahr den Hamburg-Music-Award an die besten Nachwuchs-Acts der Stadt. Da kann man all das Doofe doch einfach mal vergessen, oder?

Natürlich nicht. Denn auch die Musikszene steht massiv unter Druck, wie RockCity-Geschäftsführerin Andrea Rothaug gleich zu Beginn der Veranstaltung klarmacht. „Streaming killt jede Idee, bevor sie überhaupt gedacht wurde“, sagt sie. „Sichtbarkeit gibt’s für Nachwuchs-Acts nur über Social Media. Die Gagen stagnieren, die Gigs werden teurer, die mentale Gesundheit ist ununterbrochen am Anschlag. Und dann muss man auch noch jobben nebenher, um sich den Job leisten zu können, den man gerne machen möchte: Musiker:in sein.“ Bei so einer Ansage direkt zum Start könnte jede Stimmung kippen – aber nicht bei „Krach+Getöse“. Denn genau deshalb sind ja alle hier.

Knapp 200 Acts hatten sich für den „Krach+Getöse“-Preis beworben

Die Auszeichung verspricht Newcomer-Acts nicht nur finanzielle Unterstützung (2.000 Euro pro Preisträger:in), sondern auch ein zwölfmonatiges individuelles Supportprogramm für jeden Act. Und das ist Gold wert. Das weiß auch Nebou N’Diaye, die zusammen mit Bangerfabrique 2024 einen der „Krach+Getöse“-Preise abgeräumt hat und am Dienstag mit Queermom Didine van der Platenvlotbrug durch den Abend führt. Der Support habe ihr im vergangenen Jahr extrem viel gebracht, sagt Nebou N’Diaye. „Ich hatte eine SOS-Nummer, die ich immer anrufen konnte. Und es ging immer jemand dran!“

Knapp 200 Acts hatten sich für „Krach+Getöse“ 2025 beworben, 30 haben es ins Finale geschafft – und eine prominente Jury wählte die fünf Besten raus. Bei der Gala im Imperial-Theater lassen sie ihre Favorit:innen hochleben: Sänger Ariel Oehl aus Wien, Rapperin Die P, Musikerin Kim Hoss, No-Angels-Sängerin Jessica Wahls, Deutschraplyric-Analystin Matilda Jelitto und Rayan Djima von Blumengarten (nicht dabei war Nicholas Müller von Jupiter Jones). Hier die Gewinner-Acts und ihre Lobeshymnen:

Keshia

Steht vor einer gelben Kachelwand und schaut in die KameraFoto: Verkorkste Shots
Macht emotionaler R’n’B-Pop mit (Sprech-)Gesang, der unter die Haut geht: Keshia

„,Ich sag’s wie es ist – du brauchst mich nicht‘, singt Keshia in ihrem Song U3 und fordert ,Ich will, dass du mich brauchst!‘ Keshia, wir brauchen dich! Deine Songs, deine Styles, deine Kunst! Inmitten intimer Gefühlswelten, elektronischer Melancholie und einer bestechend schönen, deepen Lyrik entfaltet die queere Künstlerin aus Hamburg ihre künstlerische Identität mit deutschem und englischem Text. Direkt aus ihrem kleinen Homestudio auf St. Pauli erzählen ihre unfassbar tanzbaren Songs Geschichten einer ganzen Generation von Einsamkeit, Sehnsucht, Abschied und Selbstwerden. Spektakulär ist dabei ihr Sound: irgendwie ein bisschen reezy + erez, superspannend und so gar nicht Hamburg Alternative Pop, sondern richtig große weite Welt im Ohr!“

 Louis Ottley

Zwei Männer sitzen an einer WandFoto: Deniz Cetinkaya
Starker Punk aus Ottensen: Louis Ottley

„Berlin – Birmingham – Hamburg: Louis Ottley sind da! Macht euch bereit für die neue, komplett renovierte Hamburger Punk-Generation, die keinen Bock mehr hat auf unseren alten Quark! Dieser Punk hat Brit, Brain, Weltsicht und Wut. Mit seiner tiefen Stimme, treibenden Drums, Bässen und Gitarren schafft Louis Ottley einen neuen Punnk-Sound, der tief berührt. Macht euch bereit, denn Louis Ottley wissen genau, wo sie herkommen – und wo sie hingehören. Nämlich ganz nach oben. Louis Ottley hat einen aufrührenden Sound geschaffen, der uns gänsebehäutet, sauer macht, tränentief einsackt und den vermissten Widerstand der ganzen Welt in sich bündelt. Als People of Colour in einer Musikszene, die überwiegend von weißen Leuten dominiert wird, haben sie ihre eigene Stimme gefunden und machen sehr deutlich: We’re here to party. We’re here for change!“

Yaama

Foto draußen, im Hintergrund erahnt man Bäume, sie guckt in die KameraFoto: Mario Chavarria
Yaama berührt mit jazzigem Elektro-Sphären-Pop.

„Yaamas versatiler, wunderschöner Sound klingt vertraut, sphärisch-fein, bittersüß und vielstimmig glorios, und dabei ganz und gar neuartig. Irgendwie als würde Joni Mitchell nach einem kurzen musikalischen Flirt mit Pink Floyd und Enya nun doch echte Popmusik machen. Mit ihrer stilistisch opponenten Doppel-EP hat Hamburger Musikerin, Sängerin, Produzentin Yaama ihren Anspruch zum Konzept gemacht: Sie zeichnet kein konsistentes Bild von sich selbst – sie bleibt ein ,sowohl als auch’ und beweist, dass sich Gegensätze in ihrem elektro-sphärischem Pop geneigt begegnen und unfassbar organisch bereichernd, etwas ganz Neues schaffen. Yaamas reiche und einzigartige musikalische Sensibilität ist zart, Yaama ist wuchtig, und ihr duales Konzept ist aufgegangen!“

Moé

Er sitzt zusammengekauert auf einer blechernen RampeFoto: Tomke Mendt
Bei seinem Trap-Pop dreht sich alles um Gefühle: Móe

„,Wieso glaubst du an mich?‘ fragt Künstler moé in einem seiner Songs, begleitet von sanften Klavier- und Synthiesounds und einer Stimme, die uns unter die Haut geht. Sein Sound oszilliert so fein zwischen Melancholie und Traum, seine Texte präzise, klug und zart. Die Antwort der KG-Jury: “Weil du uns längst überzeugt hast”. Ebenso die ganze Hood, den Ballsaal im Uebel & Gefährlich mal eben ausverkauft und im Vorprogramm von Makko und Berq schwerstens geglänzt. Gemeinsam mit seinem Produzenten Soma kreiert er seinen einzigartigen Sound. Moé ist udem Teil des Hamburger Kreativ-Kollektibs TooLoudFotTheRoom – eine vielfältige Meute von Künstler:innen, Produzierenden, Videograf:innen und diversen Kreativen, die ihm eine künstlerische Heimat sind.“

Lina-Mariah

Dunkles Bild, sie schaut über ihre SchulterFoto: Lina-Mariah
Lina-Mariah beeindruckt mit wütendem Grunge-Pop.

„,No reason to run, I’m just a girl with a gun‘! Lina-Mariah hat uns sofort vom Hocker gerammt! Sie hat alles, was es heute braucht, um die Welt anzuschreien! Textzeilen, wie ,I feel like shit and its all your fault‘ zeigen ihre Konsequenz, Attitude und Lautstärke, aber eben auch das Feingefühl für guten 90er Grunge. Sie überzeugt mit sperrigen Sounds, der eilish-eingehend, lavigne-fein und wahrhaft idolesk rüberkommt. Lina-Mariah stellt sich laut gegen die neu erstarkte Misogynie, geht gefühlvoll und stinksauer mit Kindheit, Welt- und Herzschmerz um, und singt, als gäbe es kein Morgen. Dabei strahlt diese Hamburger Künstlerin im Dunkeln: Mit ihren bisherigen fünf Songs war sie bei diversen Playlist auf Spotify vertreten, spielte ihre ausverkaufte Tour ,Damona‘ und zeigt, wie viel Spaß Wut machen kann.“

30.000 Euro: RockCity schafft neuen Instrumenten-Fonds

Und weil der gesamte Abend unter dem Motto „Superpower“ stand und Community und Support-Systeme für viele der Gewinnenden definitiv eine Superpower sind, hat RockCity-Geschäftsführerin Andrea Rothaug ganz zum Schluss noch eine „große Überraschung für die Hamburger Musikszene“ rausgehauen: Am 2. Juli startet die Bewerbungsphase für einen neu geschaffenen Instrumenten-Fonds. Wer Mitglied bei RockCity e.V. ist, kann sich sich bis zum 29. August unter rockcity.de bewerben. „30.000 Euro für eure Instrumente“ ist das Motto – geschaffen für all die Musiker:innen, die sich in dieser Größe und mit dieser Reichweite bestimmte Instrumente nicht leisten können. „Ihr könnt euch alles wünschen“ ist möglich”, so Rothaug, „außer Pauken“. Denn da gebe es schon eine im RockCity-Fundus, die verliehen werden könne.

Ein durch und durch empowernder Abend, diese „Krach+Getöse“-Verleihung. Mit Glitter und Glamour, mit guten Menschen, mit „Gefühls-Sweetness und queerer Sweetness und mit viel Black Excellence“, fasst Didine van der Platenvlotbrug es zusammen. Alles da. Nur eben keine Pauken (und Trompeten).

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