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Seligs „Myriaden“: Sehnsucht nach dem Prickeln der Welt

Seligs „Myriaden“: Sehnsucht nach dem Prickeln der Welt

13.03.2021
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Beschäftigt sich auch mit der fehlenden Sinnlichkeit im Alltag: Jan Plewka (50, 2.v.r.) von Selig. Foto: Sven Sindt

Die erfolgreichen Anfänge der Band Selig Anfang der 90er liegen für Sänger Jan Plewka nun länger als die Hälfte seines Lebens zurück – im vergangenen Jahr feierte er seinen 50. Geburtstag. Das neue Album „Myriaden“ aber zeigt, dass die vierköpfige Band ihren alten Stil noch immer bestens beherrscht: Der selige Sound ist zurück!

„Myriade“ bezeichnet eine unzählbar große Menge, und genau so könnte man auch die Themenvielfalt verstehen, die sich auf der Platte wiederfindet. Während in der Anfangszeit der Band die Zweisamkeit und der menschliche Mikrokosmos den Kern ihrer Lieder bildeten, hat das neue Album eine deutlich breitere und politischere Themenpalette.

Im Moment läuft mehr falsch als richtig.

Jan Plewka (50) von Selig

„Wir sind einfach der Ansicht, dass im Moment mehr falsch als richtig läuft, und unser Ziel war es, das auf eine selige Art und Weise auszudrücken“, sagt Plewka. Auf „Myriaden“ gehe es darum, wie Menschen miteinander und mit dem Planeten umgehen. „Es ist der Versuch, aufrichtig zu sein in einer unaufrichtigen Zeit.“

Themen wie Umweltzerstörung, die Klimakatastrophe und die Dynamik unserer Zeit ziehen sich durch das Album. Nicht plump und plakativ, sondern spielerisch verpackt: „Der See ist jetzt ein Reservoir, der Strand ist schwarz und kaum noch da“, singt Jan Plewka etwa im Song „Süßer Vogel“.

Im Titelsong „Myriaden“ geht‘s um die permanente Vernetzheit der Menschen

Im Titelsong geht es um die permanente Vernetztheit in einem Meer aus Monitoren. „Ich kenne ja die alte Welt noch, wo man mit einer Wählscheibe gewählt und mit der Kodak-Ritsch-Ratsch-Klick fotografiert hat“, so Plewka. In dem Song gehe es um die Sehnsucht nach dieser Wärme und zwischenmenschlicher Liebe. „Diese alte Welt ist so viel sinnlicher und prickelnder.“

Nach Band-Krach, zehn Jahren Pause, Comeback 2008 und Trennung von Keyboarder Malte Neumann (2014) scheint die Band mittlerweile in ruhigem Fahrwasser angekommen zu sein. Der „Größenwahn“ der vergangenen Jahre habe vieles kaputt gemacht, so Plewka über die Band in den 90ern. „Wir alle (…) waren in einem Rausch des Ego-Wahns, wir dachten, dass wir die Band der Stunde sind und auch bleiben.“

Selig haben eine bewegte Bandgeschichte hinter sich

Seit dem Comeback läuft es wieder: Mit den Alben „Und endlich unendlich“, das Goldstatus erreichte, „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ und „Magma“ schafften es Selig in die Top 10 der deutschen Charts. Nun kehrte die Band wieder zurück an den Ort, wo vor26 Jahren der Stein ins Rollen kam: in die Hamburger Studios von Produzent Franz Plasa, in denen sie 1994 ihr selbstbetiteltes Debüt aufgenommen hatten.

Selig haben ihre neue Platte wieder mit Produzent Franz Plasa aufgenommen – mit ihm sie schon ihr 1994er-Debüt machten

Bei der Rückkehr habe die Band auch ein Stück weit das damalige Gefühl aufgesogen, sagt Plewka. „Man kann wirklich sagen, dass wir dem Spirit unserer Jugend wiederbegegnet sind.“ Allerdings mit anderen Gewohnheiten: Während früher auch ein paar „Drogen und Getränke konsumiert“ wurden, ging es für die Band zwischen den Aufnahmen zum Mittagsspaziergang in Planten un Blomen. (DPA/WILHELM PISCHKE)

„Myriaden“ ist über Vertigo/Universal erschienen.

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