Allein diese Zahlen sprechen mal wieder für sich: 420 Acts aus 30 Nationen, knapp 500 Konzerte, mehr als 850 Programmpunkte – und erwartete 50.000 Besucher:innen, die sich drauf freuen können. Keine Frage, das Reeperbahn-Festival macht den Kiez vier Tage lang wieder zur (inoffiziellen) Musik-Hauptstadt Europas – und zum Entdeckungsort für ganz viel frische Kunst. Am Donnerstagabend ging’s los: mit der traditionellen Eröffnungsshow im Operettenhaus am Spielbudenplatz. Dabei gab es ernste Worte, Livemusik – und viel Applaus für eine Taylor-Swift-Referenz.
Comedian Aurel Metz startet den Abend im Operettenhaus mit einem Zeitsprung – und begrüßt die Anwesenden erstmal zum Reeperbahn-Festival 2022. Huch? Macht nix, nach dem sympathischen Jahreszahl-Versprecher sind wenigstens alle wach im Theatersaal.
Festival-Direktor mahnt Clubsterben an
Detlef Schwarte, Direktor des Festivals, hält die Auftaktrede – und für die lohnt es sich tatsächlich, wach zu sein. Schwarte erklärt das diesjährige Festivalmotto „Let the music grow“ – für die Festivalmacher:innen gleichzeitig Wunsch und Forderung: „Wir verlieren die Bühnen, auf denen kleine Bands wachsen können“, mahnt Schwarte.
Der Mitbegründer des Festivals spricht mit dem Sterben von Liveclubs und Festivals eine der zentralen Herausforderungen für die Branche und die Kultur an. Schwarte: „Die Stimmen junger Musiker:innen werden leiser und leiser – gerade in Zeiten, in denen wir sie dringend brauchen.“ Lauter Applaus im Theatersaal.

Roth mit Taylor-Swift-Referenz
Lauter Applaus auch für Kulturstaatsministerin Claudia Roth, als sie zum Auftakt ihrer Rede auch die anwesenden „childless cat-ladies“ begrüßt: eine Referenz auf Taylor Swift, die die Phrase (einst genutzt von Donald Trumps Vize JD Vance, um die US-Demokraten zu verunglimpfen) in ihrem Statement zur US-Wahl nutzte. Roths Rede: ein Appell gegen Populismus und Hass. Diversität, Respekt, Toleranz, Solidarität – das seien Werte, für die das Reeperbahn-Festival seit Jahren stehe, sagt Roth.
Weitere Reden halten Bürgermeister Peter Tschentscher (über die Herausforderungen Künstlicher Intellingenz auch für die Musikbranche) und Barbara Gessler (EU-Kommissionsvertreterin in Deutschland – „Europa ist Teil der DNA des Reeperbahn-Festivals“).
Preis für Sängerin Alli Neumann
Und dann gibt’s natürlich Musik: Bastille präsentieren gefälligen Indie-Pop, bei der englischen Sängerin Rachel Chinouriri wird’s richtig laut – und bei Deutsch-Pop-Sängerin Alli Neumann wird mitgeklatscht. Letztere erwartet dann noch eine Überraschung auf der Bühne: Neumann bekommt den „Keychange Inspiration Award“ des Reeperbahn-Festivals: für ihre Vorbildfunktion mit Blick auf Geschlechtergerechtigkeit.
Foto: picture alliance/dpa | Georg WendtViel zu entdecken – kostenlos auch am MOPO(P)-Mobil
Nach der Eröffnung geht’s dann richtig los mit den ersten Konzerten – beispielsweise vom 19-jährige Jassin, der im „Stage 15“ am Hans-Albers-Platz mit Rap und deepen Texten, aber auch mit seiner Gesangsstimme beeindruckt. Ein klassischer Reeperbahn-Festival-Moment: starke Newcomer-Musik, (noch) im kleinen Rahmen – mit ganz viel Potential.
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Frische Musik können in den kommenden Tagen übrigens auch alle hören, die kein Reeperbahn-Festival-Ticket haben: An allen Festivaltagen gibt’s im „Festival Village“ auf dem Heiligengeistfeld Gratis-Konzerte: Beispielsweise auf unserer Bühne am MOPO(P)-Mobil treten zahlreiche Acts mit 15- bis 30-minütigen Gigs auf – das komplette Programm hier.


































