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The National im Stadtpark: Starke Gefühle und düstere Kreativität

The National im Stadtpark: Starke Gefühle und düstere Kreativität

    14.06.2022
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    Braucht immer ein bisschen, um aufzutauen: The-National-Frontmann Matt Berninger (51). Foto: Fabian Lippke

    Braucht immer ein bisschen, um aufzutauen: The-National-Frontmann Matt Berninger (51). Foto: Fabian Lippke

    Von Julian König

    „Dieser Song ist unheimlich“, warnt Bryce Dessner, Gitarrist von The National, das Publikum schon mal vor – und erntet dafür einen erstaunten Blick von Matt Berninger, geistiger Verfasser der Zeilen von „Green Gloves“, einem Stück darüber, wie man die Verbindung zu einem Menschen aufbaut, den man aus den Augen verloren hat. Es geht grob um Zuneigung, Grenzverletzungen, die beinahe ins Stalking übergehen. Berninger verteidigt sich: „Es ist ein ganz normaler Song.“ Hinterher räumt er ein, dass die Hälfte doch unheimlich sei. Dessner ergänzt: „Unheimlich und depressiv. So verkaufen wir Platten.“

    Was die Band aus dem Mittleren Westen der USA aber schon länger nicht mehr getan hat. Jedenfalls haben sich die Mitglieder in der Corona-Pause überwiegend eigenen Projekten gewidmet. Eine gemeinsame Platte sei zwar in Arbeit, heißt es, soll Ende des Jahres, vielleicht auch erst 2023 erscheinen.

    The National: Eine neue Platte kommt Ende des Jahres oder 2023

    An diesem Abend im Stadtpark ist das den knapp 4.000 Zuhörern komplett wumpe. The National spielen ein unfassbares Set von insgesamt 22 Liedern, überwiegend gespeist aus den ersten drei Studioalben der Band. Berninger wirkt dabei gewohnt angespannt. Live, so sagte er es schon oft, brauche er eine Zeit, um in die Rolle des Frontmannes zu gelangen. Am Montagabend dauerte es drei Lieder. Der 51-Jährige, dessen Songtexte emotionale Jukeboxen sind, häufig vom Scheitern berichten, kaputten Liebschaften, aber auch Hoffnung, letzten Chancen, Groll und viel Schmerz, versucht das Spiel mit dem Publikum, begutachtet es, läuft entlang des Bühnenhügels. Die Arme meist verschränkt oder irgendwie haareraufend. Eine gelungene Inszenierung seiner düsteren Kreativität, getragen von einer Band, die das Zusammenspiel schon vor Jahren perfektioniert hat.

    The National im Stadtpark: Unfassbares Set von 22 Songs

    Ich bin verhältnismäßig spät bei The National gelandet – und auch eher zufällig. Irgendwann an einem Morgen überließ ich meiner Homebox die Musikauswahl, die auf meinen Hörgewohnheiten aufbauend die Titel auswählte. Ich weiß noch genau, wie ich aus dem Bad ins Wohnzimmer kam, weil mich der Bariton von Matt Berninger direkt erwischt hatte. Ich drehte „I Need My Girl“ auf und ließ es die Box immer und immer wieder spielen.


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    Im Stadtpark entscheiden sich The National für eine minimalistische Version des Klassikers. Richtig gut. Ohnehin gelingt die Komposition aus Balladen und elektrisierenden Liedern, wie zum Ende bei „Mr. November“, „Terrible Love“ und „About Today“. Das Publikum, im Schnitt wohl um die 40 Jahre alt (gemeinsamer Nenner Vans-Sneaker zu hochgekrempelter Röhren-Jeans), honoriert es durch ausgiebiges Hüftwippen gepaart mit Überkopfklatschen. Viel mehr ist bei The National an Tanzbarkeit nicht möglich – und auch nicht nötig.

    Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass es mit dem neuen Album dann auch direkt wieder auf Europa-Tour geht. In Hamburg, so ließ Berninger verlauten, spiele die Band schließlich besonders gerne. Hat man gemerkt.

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