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Post-Punk-Helden Fontaines D.C. im Gruenspan: Schmoren im eigenen Saft

Post-Punk-Helden Fontaines D.C. im Gruenspan: Schmoren im eigenen Saft

22.07.2022
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Der Sänger trägt weißes Unterhemd und dunkle Hose, singt und hält sich am Mikro fest. Im Hintergrund die blumengeschmückte Bühne

Fontaines D.C. im Gruenspan: Erster Song, noch ist alles trocken bei Sänger Grian Chatten. Foto: jmsphoto

Niedrigtemperatur nennt man eine Methode, mit der man Fleisch besonders schonend garen kann. 60 Grad soll die Kerntemperatur zu jeder Zeit betragen, dann wird alles schön rosig. Wer am Donnerstagabend im Gruenspan war, um Fontaines D.C. live zu erleben, musste sich ein bisschen so fühlen wie in einem groß angelegten Küchen-Experiment: Schmoren im eigenen Saft.

Backofenhitze im ausverkauften Club. Und überall Menschen mit Flecken auf den Shirts. Bei denen, die gerade erst gekommen sind, sind es noch Reste des Regens. Bei denen, die länger als fünf Minuten da sind, ist es, na ja, Schweiß. Allen ist klar: Das hier, das wird ein sehr heißer Abend.

Fontaines D.C. konnte man zuletzt auf den ganz großen Festivalbühnen sehen. Primavera, Hurricane, Glastonbury, Roskilde, Konzerte vor Zehntausenden Menschen. Jetzt sind die Iren (das D.C. steht für Dublin City) auf der Clubtour, die eigentlich schon im Frühjahr 2021 hätte stattfinden sollen. Es ist ein Glück, sie in diesem kleinen Rahmen erleben zu können. Vielleicht zum letzten Mal: Das Quintett gilt als Band der Stunde.

Fontaines D.C.: Ihre Songs sind wuchtig, zornig, laut

Ihre Post-Punk-Songs sind wuchtig, zornig, laut. Und diese Energie überträgt sich ab der ersten Sekunde. „Gone is the day, gone is the night“, singt Sänger Grian Chatten in Dauerschleife. „In ár gCroíthe go deo“, der erste Track des aktuellen Albums „Skinty Fia“, eröffnet die Show. Mit „Für immer in unseren Herzen“ lässt sich der irisch-gälische Titel übersetzen. Das passt.

Grian Chatten trägt Schlabberbux und weißes Unterhemd, stampft von hier nach da, steigt auf die Monitorboxen, rammt den Mikrofonständer in den Boden, streckt seine Hände Richtung Publikum und fordert es mit zappelnden Fingern – wortlos – zum Durchdrehen auf. Immer und immer wieder.

Nach 15 Minuten gibt’s den ersten Crowdsurfer

Müsste er gar nicht. Wer hier ist, ist das ja genau aus diesem Grund. Mitgesungen wird spätestens ab „Sha Sha Sha“, nach 15 Minuten gibt’s den ersten Crowdsurfer, kurz danach „Televised Mind“. Alle Arme in der Luft, wer kann, der springt. Nicht nur im Moshpit ist alles egal: Niemand ist mehr trocken. Dann „Too Real“, „Jackie Down The Line“ (das Publikum brüllt „Doodoodoo”  und „Laalaalaa”), „A Hero’s Death”. Chatten tropft.

Zur Zugabe erscheint er im neuen Unterhemd. Schwarz jetzt, das wird nicht so schnell durchsichtig. Aber nach drei Songs ist sowieso Schluss. Eineinviertel Stunden Konzert, alles klebt, jeder grinst – und will so schnell wie möglich vor die Tür. Abkühlen und checken, ob nicht versehentlich doch die Schenkel gegart wurden.

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