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Nicht nur wegen des Skeletts: Phoebe Bridgers lehrt Eltern das Fürchten

Nicht nur wegen des Skeletts: Phoebe Bridgers lehrt Eltern das Fürchten

30.06.2022
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Bridgers zeigt mit der rechten Hand ins Publikum, die linke hat sie an der Gitarre. Im Hintergrund sieht man einen Musiker, auch er trägt ein Skelettoberteil

War ziemlich heiß in der Fabrik – Phoebe Bridgers (27) trug trotzdem ihr Skelett-Oberteil. Foto: Jörg-Martin Schulze

Die US-amerikanische Singer/Songwriterin Phoebe Bridgers teilt Mittwoch in der ausverkauften Fabrik kräftig aus – und lehrt im Skelett-Oberteil die Elterngeneration das Fürchten.

Am Abend zuvor hatte die 27-Jährige mit ihrer Band in der Frankfurter Batschkapp gespielt, ob jemand da war? Ein paar Leute im Publikum juhuen. „Tut mir leid für euch, dass wir das exakt gleiche Set spielen.“ Aber warum ändern, was so gut funktioniert?

Man vergisst angesichts Bridgers‘ Umtriebigkeit schon mal, dass sie als Solokünstlerin bloß aus dem Material von zwei Platten schöpfen kann – Songs von Boygenius, dem Projekt mit Lucy Dacus und Julien Baker, und der Conor-Oberst-Kollaboration Better Oblivion Community Center bleiben in der Fabrik außen vor. Aber die Setlist hat es auch so in sich.

Konzert in der Fabrik: Die Setlist hat es in sich

Ein früher Höhepunkt ist der Titeltrack ihres aktuellen Albums „Punisher“: „Here everyone knows you’re the key to my heart“ singt sie in Richtung ihres früh verstorbenen Helden, Elliott Smith; zu früh, als dass sie der Singer/Songwriter-Legende hätte begegnen können. Die einseitige Liebe rührt dennoch zu Tränen, und dass das Ganze ein bisschen creepy ist, weiß sie selber – der Begriff „Punisher“ ist ein Musiker:innen-Gag über Leute, die zu lange am Merchstand rumhängen und der Band ein Ohr abkauen.

Mit den Leuten im Publikum, die ihr offenkundig hinterherreisen, und denen, die sich in der knallheißen Fabrik früh beste Sicht auf die Bühne gesichert haben, ergibt das eine hübsche Feedbackschleife. Man versteht sich.

Treue Fans reisen Phoebe Bridgers hinterher

Überhaupt: recht junge Menschen hier. Bei der Frage nach Vätern im Publikum recken sich bloß ein paar zaghafte Hände, aber vielleicht wissen die Typen auch, was kommt: Ihnen wird der Song „Kyoto“ gewidmet, eine nicht gerade nachsichtige Abrechnung mit dem eigenen Erzeuger.

Die Elterngeneration kriegt’s sowieso ab: „ICU“ handelt von ihrem Schlagzeuger (und Ex-Freund) Marshall, der nun jeden Abend zur Zeile „I hate your mom“ trommeln muss. Der Satz ist so derb und lustig, dass es ihn natürlich auf T-Shirts gibt.

„I hate your mom“ gibt‘s auch als Spruch auf T-Shirts

Der Hass auf den Obersten Gerichtshof der USA passt allerdings auf kein XXL-Hemd. Bridgers spricht freimütig über ihre Abtreibung und über die Entfremdung, die sie zu ihrer Heimat spürt. „Amerika ist zu 100 Prozent fake“, sagt sie, und ihre Wut darüber, dass sich Männer anmaßen, über den Körper von Frauen zu bestimmen, befeuert den letzten Song vor der Zugabe, „I Know The End“. Der markerschütternde Schrei zum Schluss ist jedenfalls alles andere als fake.

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