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„Musikantenstadl“ mit Den Toten Hosen im Stadtpark: Diesen Abend muss man erst mal verarbeiten!

Die Toten Hosen (hier: Campino), Gerhard Polt und die Well-Brüder im Stadtpark: Bei den Zugaben wurden dann tatsächlich noch Alphörner rausgeholt.
Die Toten Hosen (hier. Campino), Gerhard Polt und die Well-Brüder im Stadtpark: Bei den Zugaben wurden dann tatsächlich noch Alphörner rausgeholt.
Foto: Sebastian Madej

Als Deern aus dem absolut hohen Norden hatte ich vorab überhaupt nicht verstanden, was Die Toten Hosen da mit dem Kabarettisten Gerhard Polt und den Well-Brüdern aus dem tiefsten Bayern am Mittwoch im nahezu ausverkauften und voll bestuhlten Stadtpark vorhatten. Lederhosen? Blas-Instrumente? Kuhglocken? Alphörner? Zithern? Punkrock?! Ich musste mir vor Ort selbst ein Bild machen – ein Erklärungsversuch.

Schon als die Well-Brüder und Multiinstrumentalisten an Tuba, Trompete, Klarinette & Co. den ersten Song mit „Oans, zwoa, drei“ einzählen, müssen die ca. 2000 Hamburger und ich doll lachen. Campino mit Trachten-Jäckle und Trompete, Kuddel und Vom in Lederhosen sind neben ihnen auch ein nicht allzu oft gesehener Anblick. Und dann sitzt da noch Gerhard Polt (81) auf seinem Stuhl. Der Meistääär! Die drei Parteien sind seit Mitte der 80er miteinander befreundet, als sie sich bei Anti-Atomkraft-Demos kennenlernten.

Der erste Song ist komplett auf Hamburg umgedichtet, er handelt von „der Hipster-Metropole am Elbestrand“, „vielen Baustellen“, „unbezahlbaren Wohnungen“, „Scholz mit Gedächtnisschwund“ und dem Verbleib des HSV in der zweiten Liga. Da ist an allem was dran! Es folgt das Hosen-Lied „Entschuldigung, es tut uns leid!“, bei dem Campino in den ersten Reihen Blumen verteilt. Und dann ist Gerhard Polt mit einer satirisch-ironischen (hoffentlich!) Nummer über Minderheiten dran. „Kernefresser“, Klimakleber, Kein-Bier-Trinker und sogar der Kormoran („Darin steckt das Wort ,Koran‘!“) kriegen ihr Fett weg. Äh ja, dafür bin ich wohl einfach nicht genug alter, weißer Mann, um das wirklich lustig zu finden.

Kuddel ist ja eh der stylishste unter den Hosen. Auch eine Lederhose steht ihm. Foto: Sebastian Madej

So funktioniert aber das komplette Prinzip des Abends: Alle drei Parteien liefern immer abwechselnd Songs und Einlagen. Verstanden! Campino klettert vor „Laune der Natur“ gefährlich nah neben mir auf einen Stuhl, um mit allen „Whohooo!“-Gesänge zu perfektionieren. „Politische Lieder“ wird genauso gespielt wie „Forever Young“ von Alphaville, nachdem die Well-Brüder Songs der Comedian Harmonists aufs Altwerden umgedichtet haben: „Wochenend‘ im Altersheim“, „Ein Heim, ein gutes Heim“ oder „Schwester Veronika, der Arzt ist da“. Äh ja, ganz witzig.

Kabarettist Gerhard Polt (81) am Mittwochabend im Stadtpark. Foto: Sebastian Madej

Wirklich witzig finde ich die Aussage: „Versteht ihr uns eigentlich? Wir haben extra einen Sprachkurs gemacht!“ Denn ganz ehrlich: Ich verstehe ganz und gar nicht alles – besonders, wenn Gerhard Polt in so schnelles bayerisches Gekeife übergeht. Bei „Bei uns braucht man keine AfD, wir haben ja die CSU“ kriegen sie mich auch absolut. Ebenso bei der „Brummtopf“-Nummer, bei der jeder Mann auf der Bühne an einem bespannten Behälter an einem Kochlöffel in der Mitte rumrubbelt. Der Spruch dazu: „So beugen wir Missbrauch in der katholischen Kirche vor!“ Krass. Derbe. Skurril. Drüber. Ja, aber dennoch: irgendwie witzig. Auch dabei, Andreas Gabaliers Musik als „Alpenschrott“ zu bezeichnen, bin ich voll im Konsens. Und dass es dann noch zwischendrin im grünen Stadtpark-Rund nach Gras riecht: Äußerst amüsant, liebe Hamburger!

Schuhplattler? Hat Stofferl Well natürlich drauf! Foto: Sebastian Madej

Als bei den Zugaben Alphörner, Zithern und Kuhglocken rausgeholt werden, geht’s mir wieder etwas zu weit. Nachhaltig beeindruckt werde ich vom Können der Well-Brüder bleiben: Schuhplattler, Riverdance, Bauch-Welle, Harfe, Dudelsack – alles in ihrem Repertoire! Und Stofferls Trompeten-Spiel ist wirklich exorbitant.

Mein Fazit passt zum Rausschmeißer-Lied des Abends: Ich werde auf jeden Fall noch einige eisgekühlte Bommerlunder und belegte Brote (mit Ei, ohne Schinken, ich bin „Kernefresserin“) benötigen, um diesen merkwürdig-skurrilen und dennoch bunt-witzigen Abend zu verarbeiten.

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