Man behauptet ja gern von sich, man habe „alles“ mitgenommen, wenn man es in einer Nacht auf drei oder vier Clubs bringt. Darüber können Kraftklub nur müde lächeln.
Es beginnt in der St.-Pauli-Kirche und endet – wo auch sonst – auf der Großen Freiheit. Ihren Termin beim Reeperbahn Festival haben Kraftklub genutzt, um ein neues Video zu drehen. „Unsterblich“ heißt der Song.
Und beinahe unsterblich muss man auch sein, um das Programm, das sich die Karl-Marx-Städter fürs Video verordnet haben, abzureißen. 15 (in Worten: fünfzehn!) Konzerte in einer Nacht, das haben nicht einmal die Beatles zu ihrer „Mach Schau!“-Zeit geschafft.
Kraftklub reißen 15 Konzerte in elf Stunden ab
Es fängt ganz gesittet an: Später Nachmittag, draußen scheint noch die Sonne, die St.-Pauli-Kirche ist bestuhlt, von Eskalation keine Spur. Danach nimmt der Rock-n-Roll-Rundumschlag langsam Fahrt auf: Grüner Jäger, Uebel & Gefährlich, Knust, weiter zum „Livehub“ des Reeperbahn Festivals auf dem Heiligengeistfeld.
Und dann geht’s richtig los: Mojo Jazz Café, Pooca Bar, Kaiserkeller – St.-Pauli-Fanshop, Haspa-Filiale, Bahnhof Pauli – Prinzenbar, Dock, Molotow und schließlich das Gruenspan. Inzwischen ist es vier Uhr durch und selbst die Duracell-Häschen von Kraftklub samt Verstärkung durch Domiziana sehen langsam etwas derangiert aus.
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Aber eins fehlt noch für die vollständige Kiez-Experience: Ein Gang über die Große Freiheit morgens um halb fünf. Klar, dass man das nicht auslassen kann. Klar auch, dass sich zwischendurch ein paar Reste der Nacht vor die Kamera schieben, Mittelfinger gezeigt werden. Gehört eben auch dazu zum „Unsterblich sein“.

































