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Zartmann im Interview: „Meine Unwissenheit wurde ausgenutzt“

Er sitzt in einem schwarzen Auto ohne Verdeck, auf dem Beifahrersitz ein kleiner Hund
Vorname Zart, Nachname Mann? Zartmann hält Privates aus der Öffentlichkeit raus.
Foto: Emely Timm

Millionen Streams und ausverkaufte Konzerte: Der Berliner Indie-Rapper Zartmann startet aktuell so richtig durch. Im MOPO-Interview spricht er über seinen steinigen Weg ins Musikgeschäft, Selbstvertrauen und die Herausforderungen von Social Media.

MOPOP: Du gehörst aktuell zu den erfolgreichsten deutschen Newcomern. Was macht das mit dir?
Zartmann: Ich weiß gar nicht, ob ich so mega-erfolgreich bin – eigentlich merke ich das gar nicht so im Alltag. Man spürt schon hier und da, dass es aufwärts geht mit der Karriere. Aber solange man sich nicht selbst verliert, ist alles gut.

Zartmann spielt im Mojo und im Docks – alles sofort ausverkauft

Du warst 2022 schon auf dem Weg nach oben – und bist dann wieder ein wenig von der Bildfläche verschwunden, weil es zum Bruch mit deinem damaligen Management kam.
Das war nicht so schön. Ich habe da leider mit den falschen Menschen verkehrt, was das Musikalische angeht. Da hat mich meine Menschenkenntnis kurz im Stich gelassen. Das hat dazu geführt, dass ich in irgendwelchen Vertragskonstruktionen gefangen war mit Menschen, die es nicht so gut mit mir meinten. Auf gut Deutsch wurde ich verarscht, meine Unwissenheit wurde ausgenutzt. Es hat einige Zeit gedauert, sich da rauszukämpfen.

Wie hat sich das angefühlt?
Natürlich nicht so geil. Man hat Songs, die man gerne rausbringen würde – aber man darf es einfach nicht. Rückblickend macht das vielleicht alles irgendwie Sinn, weil ich jetzt mit Menschen zusammenarbeite, die wirklich an mich glauben. Aber in dem Moment selbst, wenn man nicht weiß, wie lange dieser Ärger, in dem man da drinsteckt, eigentlich noch dauert – das war ein echt furchtbares Gefühl.

Auf gut Deutsch wurde ich verarscht, meine Unwissenheit wurde ausgenutzt. Es hat einige Zeit gedauert, sich da rauszukämpfen.

Woher hast du in dieser Zeit dein Selbstvertrauen genommen?
Ich glaube, ich war einfach überzeugt von der Musik, die ich gemacht habe. Und ich habe auch entsprechendes Feedback bekommen aus meinem Umfeld. Musik war einfach immer da in meinem Leben. Als Schüler habe ich Gitarre gelernt, vorher schon gesungen, Lieder geschrieben in meinem Kopf. Es gab nie etwas anderes, was ich machen wollte.

Haben die schlechten Erfahrungen auch deinen Blick auf das Musikgeschäft verändert?
Ja, schon – das hat mir ein bisschen die rosarote Brille genommen. Und mir gezeigt, dass man das Geschäft als solches ernst nehmen sollte – nicht drauf hoffen, dass alles gut wird, sondern selbst die Zügel in die Hand nehmen und Einfluss nehmen auf Dinge.

Du gibst wenig von dir persönlich preis, beispielsweise deinen Vornamen und dein Alter weiß man nicht.
Ich sag immer: Ich bin 14. Und mein Vorname ist Zart, mein Nachname Mann. (lacht) Im Ernst: Ich wüsste nicht, warum ich das den Leuten aktuell sagen sollte. Es macht viel zu viel Spaß, dass solche Dinge alle so interessieren. Grundsätzlich mache ich schon persönliche Musik. Aber ich versuche trotzdem, gewisse Dinge für mich zu behalten – vielleicht um einen sicheren Kreis zu haben, in dem ich einfach nur ich selbst sein kann. Deshalb lasse ich gewisse Details aus der Öffentlichkeit. Ich will einfach nicht, dass mein Privatleben ausgeschlachtet wird.

Ich lasse gewisse Details aus der Öffentlichkeit. Ich will einfach nicht, dass mein Privatleben ausgeschlachtet wird.

Du bist auf Social Media sehr aktiv. Ist das für dich manchmal anstrengend?
Es bockt mich grundsätzlich schon. Ich mach das alles relativ routiniert mittlerweile – so wie ich morgens aufstehe und mir nen Kaffee mache. Das führt sich einerseits sehr natürlich an, andererseits ist es auch viel Arbeit: Ich beantworte viele Kommentare, lese viel. Und manchmal merke ich: Jetzt brauche ich kurz Abstand von all dem.

Schaffst du es, dich in solchen Momenten rauszuziehen?
Aktuell noch nicht so gut – aber ich arbeite dran. Ich habe dieses Jahr vier Tage Urlaub gemacht, das reicht natürlich nicht. Aber ich halte durch.

Für 2025 kündigt Zartmann sein erstes Album an

Ist das eine Mühle, in die man reingerät?
Man drückt sich eher selbst rein in diese Mühle: Das bin ja ich, der das alles will. Man hat Wünsche und Forderungen an sich selbst. Mit der Einstellung hat man natürlich keine große Wahl, jeder Termin erscheint wichtig. Aber ich arbeite dahingehend an mir. Und glaube auch daran, dass man nicht direkt vergessen ist, wenn man mal eineinhalb Wochen nichts postet auf Social Media. Im Januar mache ich erstmal Urlaub – bevor es dann wieder auf Tour geht.

Du hast noch kein richtiges Album draußen – wann kommt das?
Ich hoffe nächstes Jahr. Ich sitze auf jeden Fall an einer Menge Songs und bin sehr zufrieden mit dem, was da entsteht.

Konzerte: Mojo-Club: 24.11., 20 Uhr (ausverkauft); Docks: 25./26.2.2025, je 20 Uhr (ausverkauft)

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