„Is This What You’ve Been Waiting For?“ heißt das sechste Studioalbum der musikalisch wie menschlich zupackend-direkten und nahbaren Amy Macdonald (37), das gerade erschienen ist. Die neuen Songs der poprockigen Singer/Songwriterin aus Glasgow gehen nach vorne und bieten – bei gelegentlichen ernsten Zwischentönen – aufmunternd gute Unterhaltung. Die MOPO sprach mit Amy Macdonald, die mit ihrem Mann und dessen zehnjährigem Sohn nach wie vor in der schottischen Heimat lebt, über die Fußball-EM der Frauen, den Spaß am Live-Spielen (2026 kommt sie nach Hamburg!), ihre lange Karriere und das problematische Trinkverhalten der Schotten.
MOPO: „Is This What You’ve Been Waiting For?“ ist der offizielle ARD-Song zur Fußballeuropameisterschaft in der Schweiz. Dabei haben sich die Schottinnen gar nicht für das Turnier qualifiziert.
Amy Macdonald: Das stimmt, aber Schottland scheitert ja häufig in der Qualifikation. Von daher bin ich das gewohnt und freue mich eher, wenn sie es mal packen, so wie im vergangenen Jahr bei der Männer-EM. Ich habe dem Wettbewerb trotzdem entgegengefiebert: Ich liebe diese großen Turniere, mich ziehen die jedes Mal aufs Neue in ihren Bann.
Und Ihr Lied ist mittendrin.
Eben. Vielleicht motiviert es ja die eine oder andere dieser unglaublich athletischen und großartigen Frauen noch ein ganz kleines bisschen zusätzlich (lacht). Die Verbindung zwischen meinem Song und dem Turnier ist für mich natürlich ein riesiges Geschenk, und ich bin der ARD sehr dankbar, dass sie sich für mich entschieden hat.
ich war mit Tausenden von anderen Schottinnen und Schotten in München – zum Spiel gegen Deutschland. Das war richtig geil. Wir haben die ganze Stadt eingenommen. Ich war lange nicht mehr so stolz, Schottin zu sein.
Im vergangenen Jahr waren Sie bei der EM in Deutschland dabei, richtig?
Oh ja, ich war mit Tausenden von anderen Schottinnen und Schotten in München – zum Spiel gegen Deutschland. Das war richtig geil. Wir haben die ganze Stadt eingenommen. Ich war lange nicht mehr so stolz, Schottin zu sein. Wir stehen hinter unserem Team, egal, was passiert oder wie schrecklich wir spielen. Nichts konnte unseren Spaß dämpfen. Auch nicht das Spiel, in dem Deutschland uns mit 5:1 vernichtet hat (lacht).
Sie sind mit dem ehemaligen schottischen Fußballprofi Richard Foster verheiratet. Spielen Sie selbst auch Fußball?
Oh, absolut nicht (lacht). Das überlasse ich meinem Mann. Ich gehöre zu den Menschen, die panische Angst davor haben, einen Ball ins Gesicht zu bekommen. Der Fußballplatz ist extrem weit davon entfernt, ein Wohlfühlort für mich zu sein.
Ihr Song „Is This What You’ve Been Waiting For?“ strotzt vor Kraft und Energie. Wovon handelt er?
Von dem einzigartigen und durch nichts zu toppenden Gefühl, auf der Bühne zu stehen und die Menschen mit deiner Musik mitzureißen. Im Grunde ist es der ultimative Motivationssong, wie gemacht für sportliche und andere Großereignisse. Allerdings habe ich ihn nicht mit der EM im Hinterkopf geschrieben, das hat sich erst später ergeben.

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Auf Ihrer neuen Platte drehen sich gleich mehrere Stücke um das Livespielen, auch „Physical“ zum Beispiel. Sie machen diesen Job jetzt seit mehr als 15 Jahren. Wie hat er sich verändert?
Es ist eher so, dass ich mich verändert habe. Früher habe ich nur wenig reflektiert, was für eine wunderbare Erfahrung ich jeden Tag bei meiner Arbeit machen kann. Ich habe es nicht so wertgeschätzt. Heute betrachte ich es als Privileg, live für die Menschen zu spielen und jeden Abend in ein paar Tausend strahlende Gesichter blicken zu können. Außerdem haben sie es verdient, so gut wie möglich unterhalten zu werden. Das Leben ist für viele nicht einfach, und wer sein hart verdientes Geld in mich investiert, soll es nicht bereuen.
Im neuen Song „It’s All So Long Ago“ befassen Sie sich mit der Frage, ob Sie gerne alles noch einmal erleben würden. Und?
Ich glaube nicht. Ich finde es gut, keine 20 mehr zu sein. Aber ich würde im Nachhinein auch nichts anders machen wollen. Manchmal frage ich mich höchstens, ob ich vielleicht auch in einem anderen Beruf Erfüllung gefunden hätte, denn ich kenne ja nur den der Sängerin und Songschreiberin. Der Song selbst entsprang einer Unterhaltung mit meinem Schlagzeuger Andy, der seit 20 Jahren mit mir spielt.
Welcher Beruf wäre denn eine Alternative gewesen?
Ich war ja auf dem Sprung zur Uni, als das mit der Musik losging, und ich wollte ganz gerne Lehrerin werden. Aber ich bin ehrlich: Der Hauptgrund war, dass man als Lehrerin so viel Ferien hat (lacht).
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Die neuen Stücke greifen oft eine Stimmung von Zuversicht und Kampfgeist auf. Ist das was typisch Schottisches?
Ich denke schon. Wir Schotten sind es gewohnt, der Underdog und der Außenseiter zu sein. Wir sind stur, wir sind hartnäckig, wir bieten die Stirn, und wir geben niemals klein bei. Das liegt nicht zuletzt an unserer Situation als eine Art kleiner, schwacher Bruder Englands, mit der wir uns nicht gern arrangieren.
Gerade feiern die Kids auf TikTok Ihre großen Hits wie „This Is The Life“ von 2007 und „Slow It Down“ von 2012. Was ist da los?
Krass, oder? Meine Fans sind heute jünger als vor 15 Jahren (lacht). Ich glaube, es hängt damit zusammen, dass diese Songs sehr hell und sehr optimistisch klingen und von Dingen wie Freundschaft und Zusammenhalt sprechen. Die Menschen, besonders die jungen, sehnen sich nach Gemeinschaft und nach Verbindungen, ja, nach dem Leben ganz generell. Meine Musik ist der Soundtrack zu dieser Lebensfreude.
Foto: BMG„We Survive“ wiederum greift ein ernstes Thema auf: Alkoholismus. Was steckt dahinter?
Wenn du in deinen Zwanzigern gerne feiern und Party machen und trinken gehst, dann ist das für die meisten Menschen schön und spaßig. Aber wenn du in mein Alter kommst und dich immer noch so verhältst, dann sieht das etwas deprimierend aus. Ich wollte mal etwas dazu sagen, dass ich unsere schottische Trink- und Feierkultur schwierig finde. Wir haben in Schottland eine echt schreckliche Beziehung zum Alkohol, wir saufen einfach zu viel.
Wie steht es um Ihr eigenes Ausgehverhalten?
Ich lebe nicht abstinent, manchmal gehe ich mit Freundinnen in Glasgow oder wo auch immer aus und genieße das auch. Wir können ein wenig verrückt sein, wenn wir zu mehreren unterwegs sind (lacht). Aber ich habe sicher weitaus weniger Zeit in Kneipen und Clubs verbracht als andere Schottinnen meines Alters. Ich hatte einfach immer sehr viel zu tun und habe viel verpasst. Das finde ich aber nicht schlimm und ich habe auch nicht den Drang, heute irgendwas nachholen zu müssen. Mein Leben ist wunderbar und perfekt so, wie es ist.
Album: „Is This What You’ve Been Waiting For?“ (BMG; bereits erschienen)
Konzert: 12.2.2026, 19.30 Uhr, Sporthalle, 63,75 Euro


































