Folgen Sie uns

Wonach suchen Sie?

Interviews

The Jeremy Days-Frontmann: „Manchmal ist das Kaputte wichtiger als das Perfekte“

The Jeremy Days sitzen an eine Wand gelehnt auf dem Boden.
Dirk Darmstaedter (r., 61) gründete die Jeremy Days 1987.
Foto: Stefan Dürdoth

Ihre melodiöse Mischung aus britischem Pop und Art-Rock brachte die Band The Jeremy Days ab Ende der 80er sowohl auf den Titel der „Pop Rocky“ als auch ins Feuilleton der „FAZ“. Sie landeten mehrere Hits und schufen mit „Brand New Toy“ sogar eine Art Evergreen. Nach ihrer gefeierten Reunion sind The Jeremy Days zurück – und klingen besser denn je. Die MOPO sprach mit Frontmann Dirk Darmstaedter über 37 Jahre Bandgeschichte, Lebenserfahrung und Zukunftspläne.

MOPOP: Sie spielen im März sechs Konzerte (am 26. März in Hamburg) und sind im Herbst noch einmal als „Acoustic Group“ unterwegs. Warum?

Dirk Darmstaedter: Zunächst einmal ist es schon mal gut, dass wir als ganze Band überhaupt jetzt wieder auf Tour gehen können. Louis, unser Keyboarder, lebt ja seit 20 Jahren in L.A., weshalb es eine logistische und finanzielle Herausforderung ist, ihn für Konzerte rüberzubringen. Ich würde mir wünschen, die Bandtour zu einer jährlichen Sache zu machen. Mal schauen, was geht und wie es läuft.

Die Kostenfrage ist die höchste Barriere, oder?

Yep. Kosten, Kosten, Kosten – ganz ungefährlich ist so eine Bandtour also nicht. Deshalb spielen wir erst mal nur eine handverlesene Anzahl an Terminen. Wir freuen uns auf jeden Fall irre darauf, endlich wieder zusammen unterwegs zu sein, live zu spielen – und danach am Merch-Stand mit allen noch ellenlang zu quatschen.

Ist das eine Art Abschiedstournee, oder dürfen wir danach noch mit weiteren Konzerten oder Platten der Jeremy Days rechnen?

Nein, definitiv keine Abschiedstournee! Wir denken nicht ans Aufhören – stoisch weitermachen ist die Devise, solange das geht.

Was erwartet das Publikum – eine nostalgische Reise in die 80er und 90er?

Es wird Songs aus dem aktuellen Album „Beauty In Broken“ geben – und natürlich Klassiker aus bald 39 Jahren Bandgeschichte. Wir spielen die J’Days-1.0-Songs ja auch supergerne! Das wird schon eine Zeitreise – aber eine, die bis heute reicht.

Wie hat sich das Gefühl auf der Bühne für Sie verändert im Vergleich zu den Anfangsjahren?

Es ist anders. Besser? Schwer zu sagen. Man geht entspannter ran, hat weniger Druck. In den Anfangsjahren war alles unfassbar intensiv – aber auch anstrengend. Ich würde sagen, wir können es heute mehr genießen. Die Chemie und die Energie sind noch da, aber wir sind gelassener geworden.

2019 standen Sie mit den Kollegen nach langer Pause wieder gemeinsam auf der Bühne im Docks – wie emotional war dieser Moment? Ab da ging’s ja wieder los …

Das war ein unglaublich spezieller und emotionaler Moment. Es war irre, noch einmal mit diesen Typen auf der Bühne zu stehen. Damals waren wir so eng zusammen – alles war unfassbar intensiv.

„Beauty In Broken“ war 2022 das erste Album seit Jahrzehnten. Was war neu?

Es ist zu 100 Prozent Jeremy Days – aber eben J’Days von heute. Es gab keinerlei Richtlinien – die Gedanken gingen nie in Richtung „Das muss jetzt modern oder retro klingen“. Interessanterweise klingt das Ganze immer total nach den J’Days, wenn wir alle daran gearbeitet haben.

Der Titel klingt sehr poetisch – was bedeutet „Beauty In Broken“ für Sie persönlich?

Es geht um die Schönheit in den zerbrochenen Dingen, in den Rissen und Brüchen des Lebens. Manchmal ist das Kaputte wichtiger als das Perfekte. Das Album handelt von Lebenserfahrung, von dem, was uns zu dem macht, was wir sind.

Wenn Sie zurückblicken: Wie haben Sie 1988 den plötzlichen Erfolg Ihrer Single „Brand New Toy“ erlebt?

Das war schon verrückt. Ich nenne das gerne unsere „Beatle-esque“-Phase. Man konnte nicht zum Bäcker gehen, ohne Autogramme schreiben zu müssen. Es war eine interessante Erfahrung – aber ich war nie traurig, als es wieder vorbei war.

Viele verbinden Sie immer noch mit genau diesem Hit – nervt das manchmal oder ist es eher ein Geschenk?

Beides. Wir haben so viel mehr gemacht. Aber ich sehe es als Geschenk – nicht jede Band hat so einen Song. Um es mit Taylor Swift zu sagen: Champagne Problems.

Wie hat sich die Band-Dynamik verändert?

Wir sind entspannter geworden. Damals konnten wir uns irgendwann nicht mehr sehen, wir mussten erst einmal unser eigenes Leben finden. Jetzt sind wir mit ganz anderen Vorzeichen wieder zusammengekommen – und können die Zeit viel mehr schätzen.

Macht Ihnen der Gedanke an ein Ende der Jeremy Days Angst?

Angst ist das falsche Wort. Natürlich denkt man darüber nach, dass es die Band nicht ewig geben wird. Aber solange die Chemie stimmt und wir Spaß haben, ist es noch lange nicht das letzte Kapitel.

Was bedeutet Ihnen Musik heute?

Musik bedeutet mir heute mindestens genauso viel wie damals – aber aus anderen Gründen. Früher war es Leidenschaft und Ehrgeiz, heute ist es mehr Berufung und Besinnung auf das Wesentliche. Ich mache Musik, weil … nun ja, das ist es, was ich mache. Das ist mein Leben.

Was ist das Schönste daran, wieder mit The Jeremy Days unterwegs zu sein?

Das Schönste ist, dass wir das machen können, was wir lieben – und das mit Menschen, die uns seit Jahrzehnten verstehen. Und dass wir nach all den Jahren immer noch zusammen auf der Bühne stehen können. Das ist schon ziemlich irre.

Fabrik: 26.3., 20 Uhr, 39,75 Euro

Das könnte Dich auch interessieren

Konzerte

Sie wollen es nochmal wissen: Die Ärzte kommen nächstes Jahr nach Hamburg – für gleich zwei Konzerte nacheinander. Der Vorverkauf startet schon am Mittwoch....

Interviews

Düstere Gitarrenriffs, Chöre und wuchtiges Schlagzeugspiel – das zeichnet Kreator aus Essen aus. Die Thrash-Metaller um Sänger und Gitarrist Miland „Mille“ Petrozza (58) veröffentlichten...

Festivals

In Stade steigt an diesem Samstag eins der ersten Festivals des Jahres – und vielen Fans zufolge ist es auch eins der schönsten Festivals:...

Anzeige

Das wird ein genialer Abend: Am Samstag, 18. April 2026, steht die Rapperin Älice im Rahmen der Konzertreihe „Made in Hamburg“ auf der Bühne...