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„Tapete“ und „Ventil“: Plattenfirma und Verlag machen gemeinsame Sache

„Tapete“ und „Ventil“: Plattenfirma und Verlag machen gemeinsame Sache

10.08.2021
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Ingo Rüdiger von „Ventil“ empfiehlt zum Beispiel Louis Philippe & The Night Mail von „Tapete“. Ein paar Bücher hat der Mann auch … Foto: Ventil

Musikliebhaber aufgepasst! Das Indie-Label „Tapete Records“ (und auch das andere dazugehörige Label „Bureau B“) aus Hamburg und der „Ventil Verlag“ aus Mainz, der Bücher über Popkultur, Gesellschaftskritik und vegane Ernährung herausbringt, machen gemeinsame Sache. „‚Tapete Records‘ ist der ‚Ventil Verlag‘ unter den Labels und der ‚Ventil Verlag‘ ist das ‚Tapete Records‘ unter den Buchverlagen“, schreiben die beiden Firmen in einem gemeinsamen Statement. Sie ticken insgesamt sehr ähnlich und seien „unabhängig und primär dem eigenen (guten?) Geschmack verschrieben als nur der bloßen Gewinnmaximierung, aber dennoch wirtschaftlich solide und mit jeweils um die 20 Jahre Geschäftstätigkeit als feste Größe etabliert“. Grund genug, mit den beiden Chefs Gunther Buskies und Ingo Rüdiger ein MOPOP-Doppelinterview zu führen.

Tapete, was schätzt ihr an Ventil?

Gunther Buskies: Als ich zum ersten Mal das Büro in Mainz betreten habe, wusste ich sofort, dass ich diesen Laden einfach mögen muss: viele beige Kartons voller klasse Bücher über Pop und vegane Ernährung, dazwischen ein paar Schreibtische und Menschen, die seit zwei Jahrzehnten für ihre Sache brennen und diese Tätigkeit besser bezahlten, aber weniger erfüllenden Jobs vorziehen.

Gunther Buskies von „Tapete“ findet das „Plattenkisten“-Buch super und hat „Vorkriegsjungs“ zuletzt in einem Rutsch weggelesen. Foto: Tapete

 

Und jetzt andersrum: Ventil, was schätzt ihr an Tapete?

Ingo Rüdiger: Bei den Besuchen der Tapete-Leute bei uns in Mainz und einem gemeinsamen Treffen in der Rhön wurde schnell klar, dass man die gleiche Sprache spricht. Das ist innerhalb der doch eher betont distinguiert auftretenden Verlagsbranche viel weniger der Fall. Uns hat auch schon immer interessiert, wie in anderen Kulturbereichen, die ebenfalls nicht staatlich subventioniert sind, gearbeitet und gedacht wird. Und, tja, bei Tapete und Bureau B denkt und arbeitet man halt verdammt ähnlich wie bei Ventil, nur eben mit einem anderen Produkt als Ergebnis.

Wie wird eure Zusammenarbeit zukünftig aussehen?

Gunther Buskies: Oh, da ergeben sich total viele Ansatzpunkte. Der Ventil Verlag bringt tolle Bücher raus und wir versuchen, gemeinsam mehr Aufmerksamkeit für diese Projekte zu erreichen. Ausgewählte Bücher können wir auch über unser internationales Netzwerk vermarkten. Zudem gibt es einige Themen und Künstler:innen aus dem Tapete-/Bureau-B-Umfeld, über und mit denen man Bücher veröffentlichen könnte. Der Ventil Verlag hat das redaktionelle Know-How und die Vertriebsstrukturen im Buchhandel, die wir sehr gut hierfür gebrauchen können. Wir können umgekehrt die Pop-Bücher in den Tonträgerhandel bringen. Für die Zukunft sind auch weitere Bereiche auf der Agenda, die sich aus dieser Konstellation schon fast zwangsläufig ergeben: Podcasts, Dokufilme etc. Gemeinsam können wir also viel viel mehr erreichen, als jeder für sich alleine.

Auch auf dem Businessplan der beiden Firmen: Podcasts und Dokus

Also, wie sähe ein typisches Tapete-Ventil-Release aus?

Ingo Rüdiger: Das sind natürlich zunächst Bücher, die mit Musik zu tun haben. Tapete und Bureau B haben ja auch einige Künstler:innen auf dem Label, die literarisch und publizistisch tätig waren oder es vielleicht noch werden wollen. Zudem geht es uns auch darum, möglichst breitflächig Genres, Gattungen und Epochen der Popgeschichte in Buchform zu dokumentieren – genau in diese Richtung arbeiten ja auch Tapete und Bureau B mit ihren Re-Releases von Krautrock, von schräger NDW und ungewöhnlichen Punk-Dokumenten. Wir haben da bereits zig Schnittmengen und es werden sich im Laufe der Zeit garantiert neue finden.

Der „Ventil Verlag“ hat zum Beispiel zuletzt auch die Donots-Biografie herausgebracht

Tapete, welches Buch von Ventil sollte man unbedingt gelesen haben?

Gunter Buskies: Ne Menge! „Plattenkisten“ zum Beispiel. Eine Hommage an die Schallplatte. Gerade habe ich auch Jan Offs Coming-Of-Age-Roman „Vorkriegsjugend“ für mich entdeckt und in einem Rutsch durchgelesen. Ist zwar fast 20 Jahre alt, aber eine unterhaltsame Zeitreise zurück in die Phase des „Erwachsenwerdens“. Es lohnt sich im Verlagsprogramm auf der Webpage mal zu stöbern! Ich wette, es geht euch dann so wie mir: „Das ist auch da erschienen?“ und „Das muss ich unbedingt mal lesen!"

Ingo Rüdiger empfiehlt auch Gunther Buskies eigene Band: Die Liga der gewöhnlichen Gentleman hat gerade die Platte „Gschichterln aus dem Park Café“ herausgebracht

Ventil, welche Platte von Tapete muss man gehört haben?

Ingo Rüdiger: Nicht leicht. Ich kann ja auch nicht für alle bei Ventil sprechen, aber empfehlen möchte ich unbedingt „Thunderclouds“ von Louis Philippe & The Night Mail – und die Tonträger der Welttraumforscher. Erstes ist frankophoner Chamber-Pop der besonders kunstvollen Sorte, letzteres ist ein in der Schweiz lebender Soundtüftler, der ein völlig eigenweltlichen Kosmos an Songs und Texten geschaffen hat. Und klar, da Gunther hier auch mitliest, die neue Platte von Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen.

Auf den Webseiten von „Tapete“, „Bureau B“ und „Ventil“ kann man herrlich in allen Releases/Veröffentlichungen stöbern.

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