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Ina Müller ist 55 und so heißt auch ihr Album!

Schönheits-OPs? Da kennt Ina Müller andere Tricks!

24.11.2020
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Ina Müller liegt auch gerne mal rum. Foto: Sandra Ludewig

Laut, hibbelig und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen: So kennt man Entertainerin Ina Müller aus ihrer TV-Sendung „Inas Nacht“, in der sie Prominenten gerne Geheimnisse entlockt. Alle Jahre wieder bringt sie auch ein neues Album raus und erzählt aus ihrem eigenen Leben. Auf „55“, das sie nach ihrem Alter benannt hat, offenbart sie ihre größten Laster, frühe Bettgeschichten und magische Momente mit ihrem Lebenspartner, dem Popstar Johannes Oerding. Im Interview verrät sie aber auch, was sie an Hamburg besonders nervt.

Frau Müller, beim letzten Album sagten Sie: „Ich hoffe, es kommt noch mal so ein Leidenschaftsschub für irgendwas zwischen Hund und Plattenlabel gründen.“ Wie sieht es vier Jahre später bei Ihnen aus?

Ina Müller: Das Plattenlabel habe ich nicht gegründet. Aber das mit dem Hund will ich immer noch. Ich frage mich auch jeden Tag, warum ich das nicht schaffe, mich nicht traue. Es muss bei mir aber auch Liebe auf den ersten Blick sein. Ich kann da nicht so rational rangehen: vier Jahre alt, Hündin, von der Straße. Ich muss mich leider direkt verlieben, damit ich sie gern im Haus hab. Ist ja beim Menschen auch so.

Haben Sie sonst etwas geschafft?

Ich habe geschafft zu überleben, und ein neues Album zu machen. Und das ist schon ganz schön viel. Ich denke ja nach jedem Album: Das war’s! Ich werde nie wieder Ideen oder Themen haben, und dann geht’s doch immer wieder weiter.

Ina Müller hat mit ihrem Alter kein Problem.

Andere verschweigen Ihr Alter, Sie gehen mit der 55 nach vorne

Ich fand es ganz lustig ein Pop-Album „55“ zu nennen. In dem Alter ist man als Frau im Popbusiness eigentlich schon wieder zu Hause. Mir war nur wichtig, dass die Fotos dazu knallig und bunt und mit viel Licht gemacht werden. Bei Wohnungen sagt man ja immer: „Lage, Lage, Lage“. Wir haben gesagt: „Licht, Licht, Licht“. Und alles an Blitzlicht rangeschleppt, was in den Raum passte, so wie in den 80ern.

Sie klingen oft wie Nena auf diesem Album.

Wirklich? Ich mag Nena, damit kann ich gut leben.

Debbie Harry? Nee, Ina Müller! Cover: Columbia/Sony

Und auf dem Albumcover sehen Sie aus wie Debbie Harry.

Es sollte ein bisschen „Kim Wild-ig“ sein. Die mochte ich immer, weil sie durch jedes Lebensalter mit Würde gegangen ist. Vor ein paar Jahren habe ich ein Konzert von ihr in London besucht und sie danach noch kurz getroffen. Sie sah so toll und natürlich aus. Nichts operiert.

Also kommt das für Sie auch nicht in Frage?

Ich versuche immer lieber am Bild zu operieren als im Gesicht! Speziell das Fernsehen ist da echt gnadenlos. Den Kamera-Menschen sag ich immer: „Leute, hört mal, ich bin jetzt Mitte 50, wir können die Sendung gerne noch machen, aber wir brauchen eine Lampe mehr bitte, und eine Armlänge Abstand zu meinem Gesicht.“ Es ist auch nicht mehr so abendfüllend, mir mit der Kamera in die Nasenlöcher zu fahren. Ich weiß, Nahaufnahmen sehen immer spannend aus, aber ich komm da nicht mehr gegen an.

„55“ klingt vom Sound her frisch und modern. Wie ist die Platte entstanden?

Vor einem Jahr bin ich mit Frank Ramond (ihrem Songwriter, Anm. d. Red.) wieder nach Spanien geflogen. Nicht wegen des Wetters, auch wenn ich ihm gegenüber immer genau das behaupte, sondern weil er da nur Zeit für mich und unsere Ideen hat. Kein Freund der Geburtstag hat, kein Kind das ins Bett muss, nix. Wir sitzen dann jeden Tag stundenlang auf der Hotelterrasse und erzählen uns Geschichten. Das sind dann oft schon die neuen Songs.

„Wohnung gucken“ ist ein Duett mit ihrem Partner Johannes Oerding

Das Stück „Wohnung gucken“ haben Sie bereits im Sommer mit Ihrem Partner Johannes Oerding bei einem seiner Konzerte in Hamburg gesungen. In dem YouTube-Video davon sieht man, dass Sie ganz cool sind und Johannes völlig beseelt ist, als Sie anfangen zu singen.

Oh Gott, ja. Ich bin dann immer im „Bitte jetzt bloß nichts falsch machen“-Tunnel. Wir haben den Song da ja zum allerersten Mal gesungen. Meine Emotionen kommen deshalb immer zeitverzögert – danach oder davor. Aber in dem Moment, als Johannes und ich die Musik zu dem Text geschrieben haben, war mir schon klar, das muss hier unser Meisterstück werden.

Eigentlich wollten Sie und Johannes doch Berufliches und Privates voneinander trennen?

Ja, aber das haben wir ja von Anfang an nicht geschafft. Seitdem wir uns kennen, machen wir zusammen Musik. Manchmal nur so, manchmal aber auch für unsere Alben. Wir haben auf seinem letzten Album gerade erst ein Duett gesungen, und zwar schon wieder ein Trennungsduett, wo die Leute schon sagten: „Jetzt müssen sie aber getrennt sein.“ Dabei hat sich das immer nur so ergeben. Deswegen war für mich bei „Wohnung gucken“ auch sofort klar: So, jetzt mal kein Trennungssong und auch kein Duett, sondern mein Lied für dich.

Aber Johannes singt trotzdem mit.

Das war eigentlich gar nicht geplant. Aber es gab diesen Moment, als wir zu zweit am Mikrofon standen und für das Demo den Song eingesungen haben, wo klar wurde, dass nur er die zweite Stimme singen kann. Bei mir gingen da sofort die Schleusen auf. Das sind so magische Momente, die kann man auch schlecht erklären.

Wenn man sich so einen Backgroundsänger leisten kann, ist das doch Luxus.

Aber ich hatte auch ein schlechtes Gewissen. Mir war ja klar, die Leute werden ihn sofort raushören. Für ihn war das aber kein Problem. Jetzt ist aber erst mal gut mit Duetten, zu viel Duette ist wie zu viel Schokolade.

Worüber Sie auch einen Song geschrieben haben: „Zucker ist wie Heroin“. Ist das für Sie so?

Bei Unterzuckerung werde ich unleidlich – nicht im Sinne von gewalttätig, sondern eher so: In welche Wunde kann man den Finger denn jetzt mal reinlegen, damit es wehtut? Und da schafft Zucker Abhilfe, das ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Man könnte sagen, Zucker ist mein Heroin!

Sind Sie mit Heroin mal in Berührung gekommen?

Nee, ich hätte in meinem Leben gerne mal alles ausprobiert, aber ich bin zu feige. Ich hatte da immer diese Riesenangst vor Kontrollverlust. Und ich weiß, hätte es mir gefallen, wäre ich drauf gewesen. Das war bei mir mit dem Rauchen auch so. Es hat mir gefallen, und ich rauche heute immer noch. Es ist wie mit dem Zucker, es hat mir gefallen, und ich esse heute noch Zucker. Und ich ahne, würde ich mal in die Spielhalle gehen und so richtig abräumen, würde ich wieder hingehen. Ich neige dazu, Dinge, die mir gefallen, immer wieder haben zu wollen. Wie ein kleines Kind, das immer „nochmaaal“ ruft.

Vielleicht war es ganz gut, dass Sie bisher Social-Media-mäßig nicht aktiv waren? Das birgt ja auch großes Suchtpotenzial.

Das stimmt, ich weiß aber trotzdem ganz genau, was da los ist.

Mit einem Geheimaccount?

Ja! Mit “Bumsi3000!“. Hab ich aber jetzt gelöscht.

Sie sind nun offiziell unter die Instagramer gegangen.

Ich will das jetzt auch lernen. Auf meinem „Inas Nacht“-Account wurde ich oft gefragt: Was macht Inas Nacht eigentlich am Tag? Und weil ich im nächsten Jahr nicht auf Tour bin und mir dann sicher ein bisschen langweilig ist, probier’ ich das jetzt mal aus. Und wenn ich es doof finde oder die Follower mich doof finden, höre ich wieder auf. Außerdem finde ich, dass Insta im Moment die freundlichste Plattform ist.

Ina Müller hing schon immer mit den Rauchern ab

Ein Lied widmen Sie Ihrem Laster: dem Rauchen.

Ich wollte diesen Song eigentlich gar nicht rausbringen. Wenn man dem Text nicht richtig zuhört, könnte man meinen, es geht um ein Liebeslied an die Zigarette. Das ist es aber nicht. Trotzdem hatte ich den Insta-Eintrag schon vor Augen, in dem steht: „Hallo Frau Müller, ich fand sie ja immer ganz gut, auch ihre Lieder, aber mit ihrem „Rauchen“-Lied haben sie sich leider keinen Gefallen getan. Mein Mann ist mit 68 an Lungenkrebs gestorben. Ich bin raus, schönes Leben noch.“ Und dann hab ich aber gedacht: Nee, der Text ist schlau und originell und du singst den jetzt! Das Rauchen hat doch dein Leben wirklich beeinflusst.

Inwiefern?

Ich stand eigentlich immer bei den Rauchern: auf dem Schulhof, in der Mittagspause, in der Bushaltestelle, vor der Disco, im Zug… immer. Ich weiß noch, wie wir zitternd in Kitteln hinter der Apotheke standen und rauchten. Auf Partys waren wir die Letzten, und im Flieger saßen wir hinten. In dem Song geht es darum, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich nicht schon mit 16 in die Raucherecke gegangen wäre, sondern zu denen, die in der Pausenhalle Sunkist getrunken haben, in der Apotheke im Aufenthaltsraum geblieben sind oder in der Kneipe drinnen rumlungerten und nicht davor.

Was wäre anders?

Hätte ich nicht geraucht, hätte ich heute auf jeden Fall andere Freunde, es hätte bestimmte Geschichten nicht gegeben, es hätte sogar Trennungen von Freunden nicht gegeben. Es wäre ein anderes Leben gewesen.

Im Lied behaupten Sie auch, dass Sie dann weniger geküsst hätten.

Ja, und besser gerochen sicher auch! Schon deshalb ist es keine Ode an die Zigarette. Ich finde ja auch das Nichtrauchergesetz toll. Bei mir hat das total geholfen. Bei einigen meiner Freunde hat es allerdings das Gegenteil bewirkt. Die waren Nichtraucher und haben dann gesagt: „So nicht, das lassen wir uns nicht vorschreiben.“ Wenn heute noch irgendwo richtig viel geraucht wird, wird mir auch schon mal schlecht.

So wie bei „Babylon Berlin“, da quarzen die sich alle gegenseitig zu.

Ich konnte es gar nicht mitansehen, wie viel da geraucht wurde. Ich habe tagelang nicht geraucht, nachdem ich das geguckt hatte.

War Helmut Schmidt ein Verbündeter, als er in Talkshows seine Fluppe rausholte?

Ich finde, bei einem Menschen wie Helmut Schmidt stellte sich diese Frage einfach nicht, ob der das darf, ob dem das steht, ob das denn gesund ist. Das gehörte einfach zu ihm. Seit ein paar Jahren sehe ich immer wieder an ganz typischen Nichtraucherorten Aufkleber, auf denen steht: „Helmut Schmidt hätte hier geraucht!“ Darüber kann ich mich jedes Mal beömmeln. Ich rauche heutzutage tagsüber gar nicht mehr, nur abends wenn ich Wein trinke. Das ist dann die tollste Zigarette der Welt.

Sie singen auch über Ihr erstes Mal…

Nein, ich singe über mein erstes halbes Mal, bitte! Das ist ein riesiger Unterschied! Weil es völlig ungelenk und deswegen kein ganzes Mal war. Damals habe ich gedacht: Also wenn es das ist, worüber seit Tausenden von Jahren gesungen wird, Gedichte gereimt werden und was angeblich die Welt bewegt, dann aber gute Nacht, Marie. Ich war sehr enttäuscht. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich merkte: Ach so, verstehe!

Wie schwer war Ihr Weg nach oben?

Es war kein glatter Durchmarsch, aber es war auch nicht wirklich schwer. Ich wusste ja immer, was ich machen will und war mit meinem Output zufrieden. Schwer war manchmal die Masse an Arbeit. Zuviel von allem, dazu die Überforderung durch die Ansprüche, die der Job mit sich bringt – das zerrt schon an einem. Und ich leide immer unter extremem Lampenfieber.

Frisst das Energie?

Manchmal ist es schwer, immer genug Energie zu haben. Eine Tour zu machen und auf einmal in der Lanxess-Arena in Köln zu stehen, die noch mal doppelt so hoch ist wie alle anderen Arenen, da denkst du dann schon: Alter Schwede, dass kann man doch als kleiner Mensch, der hier gerade vorne auf der Bühne steht, gar nicht wuppen!

Gab es Hürden, die Sie bei Entscheidungsträgern nehmen mussten?

Wenn ich hätte betteln müssen, wäre ich nicht hingegangen. Wenn ich gewusst hätte, die wollen mich nicht, hätte ich niemals angeklopft. Zum Glück wollte ich aber auch nie so etwas wie die Sportschau moderieren. Ich hab immer versucht, das zu machen, was ich kann. Und dafür musste ich selten kämpfen, da hat man mich immer reingeschubst, so nach dem Motto: „Meint ihr, ich kann das?“ – „Ja!“ Schubs. Und dann hab ich’s gemacht.

Hat das alles seinen Preis?

Ja, aber hat nicht alles im Leben seinen Preis? Ich wäre an der einen oder anderen Stelle – hätte ich nicht diesen Job – vielleicht mal anders abgebogen. Familie, Kinder… aber dann hätte ich nicht so weiter arbeiten können, wie ich es wollte. Und ich hatte auch nie diese Sehnsucht danach in mir.

Gibt es ein Hamburg-Thema, dass Sie derzeit beschäftigt?

Ich glaube, dass die Autos zu groß und die Fahrradfahrer zu viel und zu schnell sind. Da bleibt für mich als Fußgänger kaum noch Platz, das geht mir echt auf’n Sack. Ich würde die ganze Innenstadt autofrei machen. Was für eine Stadt wir dann hätten: Es stinkt nicht mehr – und dann die Ruhe! Das mit den E-Autos scheinen wir ja mal wieder nicht hinzukriegen. Das wäre auch schon ein Schritt.

Sie sind selbst Autofahrer.

Aber ich gehe sehr viel zu Fuß! Als ich neulich über den Hansaplatz ging, den sie autofrei gemacht haben, dachte ich, wie schön und gemütlich dieses Kleinod doch ist – mal abgesehen davon, dass es auch Drogenumschlagsplatz und Brennpunkt ist. Ich würde langfristig die Innenstadt mal wieder zum Leben erwecken, in dem man die Menschen da wohnen lässt. In München und Wien ist das so toll. Und die Büros werden dann in den Speckgürtel verlegt. Ja, ich hör ja schon auf.

Ina Müllers Album „55“ ist bei Columbia Local/Sony Music erschienen. Am 2. Januar 2022 tritt sie in der ausverkauften Elbphilharmonie auf. Für das Konzert am 5. November 2022 in der Barclaycard-Arena gibt’s hier noch Tickets ab 54 Euro.

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