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Interviews

Schönheit im Zerbrochenen: The Jeremy Days veröffentlichen nach 27 Jahren ihr neues Album


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The Jeremy Days spielten 2019 ein umjubeltes Comeback-Konzert im Docks. Foto: Dennis Dirksen

Es passiert tatsächlich! Die Hamburger Band Jeremy Days ist nach 27 Jahren ohne neue Musik mit feinsten Popsongs auf ihrer neuen Platte „Beauty In Broken“ zurück. MOPOP sprach mit drei der vier Bandmitglieder via Zoom-Call – genau so haben sie auch ihre Songwriting-Sessions in letzter Zeit abgehalten – über die Schönheit im Zerbrochenen, die verrückte Zeit der 90er, neue Fans und das Älterwerden.

MOPOP: Euer Comeback-Album heißt „Beauty In Broken“. Warum liegt bei euch selbst auch die Schönheit im Zerbrochenen?

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Stefan Rager: Wir haben die Schönheit wiedergefunden. Es war ja wirklich lange Pause. Unser Booker von damals hatte uns aber 2018 geschrieben: „Hey, jetzt ist euer Debütalbum 30 Jahre her. Wollt ihr nicht mal wieder auftreten?“ Das war der Stein des Anstoßes, wir selbst wären da nicht drauf gekommen. Das Kapitel war vorbei.

Dirk Darmstaedter: Eigentlich ist „Beauty In Broken“ auch genereller gemeint. Die Corona-Jahre waren ja auch „broken“. Für die Platte blieb uns nichts anderes übrig, als eine wöchentliche digitale Video-Probe über Zoom zu machen. Das hat mich gerettet. Ich wusste: Einmal die Woche spreche ich mit den Jungs und es geht darum, Songs zu schreiben, Kreativität und etwas Positives aus dem Scheiß herauszuholen.

„Beauty In Broken“ erscheint am 25. März bei Circushead Records, am 26.8. spielt die Band im Mojo (ab 36 Euro).
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Vorher hattet ihr lange Zeit nichts miteinander zu tun.

Jörn Heilbut: Damals waren wir fünf junge Männer, die sich entschlossen haben, in eine Enklave zu gehen: Wir machen das und nichts anderes! Wir wollten unsere ganze kreative Energie in die Band stecken. Wir haben ja auch zwei Jahre in London gelebt – da dröhnte aus jedem Zimmer ein anderer Sound. So lieb wir uns damals hatten – auch da gab es schon irrsinniges Konkurrenzdenken. Das war ein Stierkampf. Es hat viel positive Energie entfacht, war aber auch sehr anstrengend. Das hält man auch nicht auf Dauer aus. Irgendwann waren wir auch fein damit, loszulassen, und jeder ist seinen eigenen Weg gegangen.

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Darmstaedter: Wir waren Irre. Aber das bringt dich auch irgendwann um. Das, was uns stark gemacht hat, hat uns irgendwann auseinandergebracht.

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Was hat sich an eurer Zusammenarbeit verändert?

Rager: Jetzt freuen wir uns darauf, in dem anderen das Anderssein zu entdecken.   

Darmstaedter: Jeder hat 27 Jahre Zeit gehabt, sein eigenes Leben zu finden. Für mich sind die Zeit und Zusammenarbeit mit den Jungs reine Bonuspunkte. Dass wir das noch mal haben dürfen, ist einfach geil. Ich will nicht mehr wie 1992 meinen Willen durchsetzen. Es geht jetzt darum, so viel Input aus uns herauszuholen, wie nur geht. Sonst könnte ich ja auch einfach wieder eine Soloplatte machen. Wir wollen: Gib mir, gib mir, gib mir! Aber sind dabei viel entspannter.

Hattet ihr Angst, dass die neuen Songs den Leuten nicht mehr gefallen könnten?

Heilbut: Ich habe mir da gar keine Gedanken gemacht, bis mir jemand eine tolle E-Mail geschickt hat, wo drinstand: „Ich habe das Album gehört und es macht mich einfach nur glücklich.“ Aber derjenige schrieb auch, dass er richtig Angst vor den neuen Sachen hatte, weil er uns so sehr mit den alten verbindet. Der war erleichtert, dass das neue Album keinen Druck erzeugt. Kein Wunder: Musik ist ja auch oft ein Abbild einer Zeit – wie ein Fotoalbum als Erinnerungsstütze. Und je länger das her ist, desto sentimentaler wird es gehandhabt. Man hadert mit seiner eigenen Jugend und will den Anschluss ans Jetzt finden. Es ist klar, dass da viele Respekt vor haben.

„J’Days“: Sänger Dirk Darmstaedter (v. l.), Drummer Stefan Rager, Gitarrist Jörn Heilbut und Keyboarder Louis C. Oberlander

 

Habt ihr eigentlich auch neue Fans dazugewonnen?

Rager: Meine beiden Söhne – 16 und 22 Jahre alt. Die kannten mich gar nicht als Popmusiker. Und die fanden unser Docks-Konzert 2019 so toll.

Woran merkt ihr, dass ihr älter geworden seid?

Heilbut: Guck dir die Typen doch an! (lachen alle)

Rager: An den Gesprächsthemen, wir gehen reifer an alles heran. Aber was uns eint, ist, dass wir alle immer noch Fragen ans Leben haben.

Heilbut: Wir sind nachsichtiger und kochen nicht mehr so heiß. Das hört man auch!

„Beauty In Broken“ erscheint am 25. März bei Circushead Records, am 26.8. spielt die Band im Mojo (ab 36 Euro).

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