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Schauspieler Jonas Nay: „Dieses Gefühl ist unheimlich berauschend“ – Verlosung!

Jonas Nay (35) mit seinen Pudeldame-Kollegen.
Jonas Nay (35) mit seinen Pudeldame-Kollegen. Seit sie 16 Jahre alt waren, machen sie zusammen Musik – damals in der Schul-Bigband ihres Lübecker Gymnasiums.
Foto: Jonas Unden

Es ist zu verlockend, mit dem sehr sympathischen Jonas Nay (35) erst mal über alle möglichen anderen Sachen zu quatschen, über seinen Handballverein, die Frage, wo man die KI jetzt schon ranlässt und wo besser noch nicht, und dann stellt man plötzlich fest, dass die Interview-Zeit fast vorbei ist, und konzentriert sich besser doch mal auf: „Kein schlechtes Wetter“, das famose, warme, handgemachte Pop-Album von Pudeldame. Die Lübecker Band gibt’s seit 2016, neben Sänger und Keyboarder Nay (im Hauptberuf Schauspieler mit tollen Darbietungen etwa in „Deutschland 83“ oder „Der Tätowierer von Ausschwitz“) spielt David Grabowski Gitarre, Nico Bauckholt Bass und Moritz Hamm Schlagzeug.

MOPO: Stimmt es, dass die Band zwei Jahre lang an den Liedern gearbeitet hat – weil Sie als Schauspieler so viel zu tun hatten?

Jonas Nay: Ja. Keines unserer drei Alben ist über einen so langen Zeitraum entstanden. Aber das Gute ist, dass wir diese Songs alle schon live ausprobieren und die Erkenntnisse daraus ins Studio mitnehmen konnten. Wir sind als Band noch mal enger zusammengewachsen, was praktisch zwangsläufig so geschieht. Wenn du über neun, zehn Jahre so viele Höhen und Tiefen gemeinsam erlebst wie wir, dann schweißt dich das zusammen.

Sie haben Filmkomposition und Jazzpiano studiert. Spielen Sie lieber in einer Band als alleine?

Es gab Phasen in meinem Leben, da habe ich sechs, sieben Stunden am Tag Klavier gespielt und geübt. Das war ein schöner Umgang mit Musik, der mich auch weitergebracht hat. Aber den Austausch, den du beim Spielen mit einer Band hast, erachte ich als fast noch wertvoller. Da stehst du gemeinsam auf der Bühne und erlebst mit den Leuten im Publikum euphorisierende Momente. Dieses Gefühl des Miteinander-Musizierens ist unheimlich berauschend.

Was war die Idee hinter „Kein schlechtes Wetter“?

Wir hatten den großen Wunsch, so dicht wie möglich an unseren Livesound ranzukommen. Das war uns ein richtiges Bedürfnis und für Pudeldame auch ein Novum. Wir sind eine richtige Band, und wir wollten diesen Bandsound nach vorne bringen. Kurz haben wir sogar überlegt, ob wir das Album gleich komplett live aufnehmen.

Im Lied „Man hofft“ sagen Sie: „Man hofft, solange man lebt“. Ist das Ihre Sicht aufs Leben?

Ja. Die Hoffnung stirbt zuletzt, daran glaube ich. Ich habe den Text geschrieben, als ich in London war, um für „Der Tätowierer von Auschwitz“ PR zu machen. Ich saß in diesem altehrwürdigen Hotel und musste als einziger Deutscher in dieser Produktion, die den Holocaust behandelt, in einer fremden Sprache Interviews geben. Noch dazu ist meine Rolle die eines real existierenden SS-Rottenführers, der unmenschliche Verbrechen begangen hat. David (Gitarrist; Anm. d. Red.) hat mir diese Musik geschickt, und sie war für mich wie ein Katalysator. Ich weiß noch, wie ich die ersten Zeilen schrieb, inspiriert von der Figur des Abbe aus Astrid Lindgrens „Madita“. Abbe hat einen Taugenichts als Vater und muss irgendwie die elterliche Bäckerei am Laufen halten. „Man hofft, solange man lebt“ ist sein Mantra. Eigentlich ein trauriger und schmerzvoller Satz, aber auch ein sehr berührender.

Sie haben nach „Der Tätowierer von Auschwitz“ ein Jahr lang nicht gedreht.

Mich hat diese Zeit emotional krass belastet. Ich konnte danach einfach nicht mehr. Ich habe Zeit gebraucht, und habe dann viel Musik gemacht. Die Songs von Pudeldame konnte ich zur Katharsis nutzen.

Ausschnitt von „Der Tätowierer von Auschwitz“Foto: IMAGO/Landmark Media
2024 war er in der Netflix-Serie „Der Tätowierer von Auschwitz“ als SS-Rottenführer zu sehen.

Was war das für ein Gefühl, als Sie während der „Auschwitz“-PR den Text geschrieben haben?

Ich weiß noch, wie ich zu dem Song in meinem Hotelzimmer herumgesprungen bin. Ich musste einfach diesen Stress aus dem Körper und aus dem Kopf kriegen. Durch meine Texte bei Pudeldame kann ich sehr viele Dinge verarbeiten, das ist ein superwichtiges Ventil für mich. Wir waren an dem Tag auch in einem Zentrum für Holocaust-Überlebende gewesen, und mir ist dort ganz viel Ablehnung entgegengesprungen, obwohl ich als junger Deutscher extra für den Dialog dort war. Das waren zwei heftige Tage, und irgendwie kam mir dieses Mantra in den Sinn.

Entstand auch „In der Mall“ während der Arbeit am „Tätowierer von Auschwitz“?

Als wir in Bratislava drehten, ja. Wir waren dort sehr lange, das Wetter war furchtbar, und irgendwo in dieser Landschaft hatten sie die Baracken von Auschwitz nachgebaut. Alles an dieser Stadt und dieser Zeit war für mich bedrückend. Und dann gab es diesen einen Ort – das Einkaufszentrum in der Nähe meines Apartments. Da bin ich abends immer rein, habe eine Suppe geschlürft und saß so rum. Draußen ging gefühlt die Welt unter, und ich guckte mir die Menschen an.

Alben zu gewinnen!

Zwei Exemplare des aktuellen Albums „Kein schlechtes Wetter“ auf Vinyl zu gewinnen! Wer mitmachen will, schickt bis 27.11. eine E-Mail mit Betreff „Pudel“ an [email protected] und beantwortet folgende Frage: In welcher Stadt wurde die Band gegründet?

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.Veranstalter des Gewinnspiels  ist die Morgenpost Verlag GmbH. Bei einer Teilnahme gelten unsere AGB als akzeptiert. Diese AGB finden Sie unter www.mopo.de/gewinnspiel-agb

Bahnhof Pauli: 26.11., 20 Uhr, Karten 27,10 Euro;

Album: „Kein schlechtes Wetter“ (Pudeldame)

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