Es gibt sie seit mehr als 30 Jahren, in all der Zeit haben die Schweden aus Fagersta ihren explosiven energiegeladenen Rock-Punk-Stil nur marginal verändert – und nach einem langen Kreativhänger haben The Hives kürzlich schon wieder ein neues Album veröffentlicht. „The Hives Forever Forever The Hives“ heißt es schön unbescheiden, auf dem Cover krönt sich die Band um Sänger Pelle Almqvist (47) und seinen Bruder Niklas (48, Gitarre) gar selbst zu Königen. Die neuen Songs? Schön kernig, bisweilen hymnisch, selbstbewusst, inhaltlich erfrischend renitent. Ende des Jahres gehen The Hives auf Tour, zuvor steht Almqvist im Interview Rede und Antwort.
MOPO: Das aktuelle Album folgte nur zwei Jahre nach „The Death Of Randy Fitzsimmons“. Davor haben Sie weit längere Pausen zwischen den Alben gemacht. Haben Sie auf die alten Tage wieder richtig Bock oder was ist los?
Pelle Almqvist: „Randy Fitzsimmons“ und „The Hives Forever“ sind sozusagen Geschwister, da wir etwa die Hälfte der neuen Songs schon für das vorherige Album geschrieben hatten. Die Idee bei „Randy“ war, dass wir nach elf Jahren Albumpause mit hartem, irgendwie jugendlichem Punk zurückkommen wollten. Wir hatten Angst, dass die Leute sagen könnten, wir wären in der Zwischenzeit erwachsen geworden. Eine Horrorvorstellung! Wir sind überzeugt, dass Rock ’n’ Roll und Reife absolut nicht zusammengehören.
Nun ist aber auch „The Hives Forever“ ziemlich punkig, wenn man sich mal Stücke wie „Paint A Picture“ oder „O.C.D.O.D.“ anhört.
Ja, ja, ich weiß, das ist der Witz. Unser Ansinnen war, ein großes Album mit noch größeren Refrains und richtig epischen Songs aufzunehmen. Quasi, und ich sage das jetzt ganz leise: etwas erwachsener zu klingen. Aber herausgekommen ist schon wieder Punk. Gut möglich, dass es unser punkrockigstes Album aller Zeiten ist. Aber macht ja nichts. Wir klingen jetzt eben unbeabsichtigt rau und ungestüm und superdirekt.
Ihr habt 1993 als Teenager mit den Hives angefangen. Hattet ihr damals einen Plan?
Die beste Rockmusik wird meist von Teenagern gemacht. Aber das galt nicht für uns. Als Kinder konnten wir gar nichts, wir hatten bloß unseren Spaß. Später lernten wir, besser zu spielen und identifizierten uns als Rock ’n’ Roll-Band. Die Leute mochten uns, alles war cool. Ist es noch immer. Mal ehrlich, wir haben null Druck, aber alle Freiheiten. Wir können machen, was wir wollen. Nur ein erwachsenes Album machen, das können wir scheinbar nicht. Wir werden uns auf unsere alten Tage wohl nicht mehr in schnulzige Adult-Rock-Typen verwandeln. Aus mir wird kein Eros Ramazzotti mehr werden (lacht)
Was waren Sie für ein 14-Jähriger?
Ein ziemlich ätzender. Ein kleines Miststück, muss ich sagen. Ich war die ganze Zeit total kontra, einfach gegen alles. Wenn jemand sagte, diesen oder jenen Film oder was auch immer finde er gut, fand ich ihn fast schon zwanghaft scheiße. So ging ich durch meine Jugend. Zu meinem Glück fand ich die Rockmusik, wo ich meine Kontra-Einstellung ausleben konnte. Mein Bruder spielt ja auch bei den Hives. Unsere Eltern waren sehr, sehr glücklich, als wir Rockmusik als unser Ventil für den ganzen Frust entdeckten.
Waren Sie ein Rebell?
Das klingt so edel. Ich war eher ein Blödmann. Aber durch die Musik wurde ich ausgeglichener. In der Band konnte ich mich abreagieren. So wurde ich mit der Zeit umgänglicher.
Sie tragen heute eine Stoffhose und ein schickes weißes Oberhemd. In diesem Aufzug könnten Sie auch als Investmentbanker im Büro sitzen.
Wir haben uns früh in unserer Karriere entschieden, dass wir nicht derbe abgefuckt aussehen müssen, um lauten Rock ’n’ Roll zu spielen. Wir lassen auf der Bühne alles raus, aber wir kleiden uns seriös. Wir haben uns das so ein bisschen bei den Beatles abgeguckt, die sind ja am Anfang sogar meistens in Anzügen aufgetreten. Ich sage mal, wir sehen lieber adrett aus und machen wüste Musik, als wüst auszusehen und so einen Pop-Käse zu spielen.
An wen denken Sie?
Gibt zig Beispiele. Bon Jovi zum Beispiel. Lederjacken, lange Haare, wow, aber dann: die ödeste, sülzigste Musik, die du dir überhaupt vorstellen kannst.
„Path Of Most Resistance“ heißt eines der neuen Lieder. Sind Sie wirklich auf dem Pfad des größtmöglichen Widerstands unterwegs?
Wir mögen es ganz gern, wenn wir ein bisschen Gegenwind bekommen. Mit den Hives haben wir manches Mal Dinge umgeworfen und sie danach wieder neu aufbauen müssen. Es gibt uns seit 30 Jahren, aber nicht alle diese Jahre waren leicht. Seit ungefähr 20 Jahren jedoch läuft es sehr solide. Wir konnten sogar über zehn Jahre keine neue Platte rausbringen und trotzdem kamen die Leute immer noch zu unseren Shows. Der Songtext als solcher ist philosophisch gemeint. Ich rede da über die Gesellschaft, über uns alle.
Was meinen Sie konkret?
Alles ist darauf ausgerichtet, uns das Leben so bequem wie möglich zu machen. Du klickst auf deinem Computer, du tippst auf deinem Handy, schon bekommst du alles, was du brauchst. Und wenn wir alt sind, haben wir dann einen Roboter, der uns füttert und uns die Windeln wechselt. Mich nervt das. Das Leben muss auch mal unbehaglich sein. Die menschliche Spezies wird sich nicht weiterentwickeln, wenn sie nicht auch mal kämpfen und sich anstrengen muss.
Wo stehen The Hives 2025?
Wir sind, sorry, junge Rocklegenden. Und das vermutlich schon lange. Nicht lange vor seinem Tod hat sich Joe Strummer von The Clash bei uns dafür bedankt, dass wir den Rock ’n’ Roll gerettet hätten. Das hat mir irrsinnig viel bedeutet.
Wird es künftig noch Rockbands geben? So wie Sie, die mit 13, 14, 15 anfingen?
Nun ja, vorher musst du den Kids wohl ihre Handys wegnehmen und sie gut einschließen (lacht). Social Media sind nützlich, aber auch eine ungesunde Pest, weil es extrem viel Aufmerksamkeit wegsaugt. Ich hoffe trotzdem, dass es weitergehen wird. Ich kenne so einige Teenager, die heiß sind, die Bands gründen, die Regeln brechen wollen.
Sie haben im Stockholmer Studio von ABBA-Mann Benny Andersson aufgenommen. Hat er sich eingebracht?
Ja, Benny ist wie ein cooler Onkel, der manchmal seinen Kopf durch die Tür gesteckt und ein bisschen mit uns gequatscht hat.
Was hat er gesagt?
Habt ihr denn auch Hits? (lacht) Wir haben ihm erklärt, dass es uns eher um etwas anderes geht, aber Hits sind nun einmal immer die Währung von Abba gewesen. Letztendlich war er ein unfreiwilliger Motivator. Am Schluss hat sich Benny die Platte angehört, gelächelt und gesagt: Was habt ihr denn? Da sind doch lauter Hits drauf. (lacht)
Sie kommen demnächst nach Deutschland, auch Österreich und in die Schweiz stehen auf dem Tourplan. Was gefällt Ihnen am besten?
Ich finde Deutschland schön. Bei euch gibt es eine Menge unterschätzter kleiner und mittelgroßer Städte. Auch das Essen ist sehr gut. In Deutschland bekomme ich vorzügliche Suppen und Salate, ach, und Laugenbrezeln könnte ich den ganzen Tag essen. Vergessen wir auch das Bier nicht. Deutsches Bier ist besser als schwedisches. Du kannst überall in Deutschland ein Bier bestellen und musst niemals Angst haben, dass es nicht schmeckt.
Konzert: 3.12., 19.30 Uhr, Sporthalle, Tickets 60,30 Euro, Support: Yard Act und Spiritual Cramp
Album: „The Hives Forever Forever The Hives“ (PIAS, bereits erschienen);


































