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Produzent Franz Plasa: „Das ,Herzilein-Ding‘ im Studio geht jetzt nicht mehr“

Produzent Franz Plasa: „Das ,Herzilein-Ding‘ im Studio geht jetzt nicht mehr.“ Mit dem Kollektiv „Born TwentyTwenty“ veröffentlicht er starke neue Songs

16.01.2021
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Produzent Franz Plasa (67) kann richtig gute Geschichten erzählen und mit seiner Stimme jedes einzelne Instrument nachahmen. Foto: Florian Quandt

Franz Plasa (67) ist ein legendärer Produzent und der Besitzer der Hamburger „H.O.M.E.-Studios“. Er arbeitete zum Beispiel für Udo Lindenberg, Selig, Echt, Mariah Carey oder Eminem – die Corona-Zeit nutzt er auch dafür, um mit seinem Produzentenkollektiv „Born TwentyTwenty“ eigene Sachen zu veröffentlichen. MOPOP sprach mit ihm über die neuen Songs – es ist verblüffend, wie er jedes einzelne Instrument mit seiner Stimme nachahmen kann –, die volle Konzentration auf Musik, Blutsbrüderschaften und wilde Partys im Studio.

MOPOP: Wie geht’s Ihnen und wie läuft die Arbeit in Corona-Zeiten?

Franz Plasa: Ich war im März selbst am Virus erkrankt und dreieinhalb Wochen in Quarantäne. Ich hatte Fieber, Probleme mit dem Gleichgewicht, habe doppelt gesehen und bin deswegen auch einmal doll gestürzt. Es ist zum Glück nichts Schlimmes dabei passiert! Diese Nebenwirkungen hielten auch nur ein paar Tage an – danach fühlte ich mich direkt wieder gut und habe angefangen, Sport zu machen und zu schreiben. Nach der Quarantäne kam ich dann mit unfassbarer Energie und ganz vielen Ideen zurück ins Studio.

Franz Plasa: Er war im März 2020 selbst an Corona erkrankt – nach der Quarantäne war er voller Energie und hatte ganz viele neue Ideen

Das war bestimmt ein sehr gutes Gefühl.

Das Studio ist wegen Corona wie eine Insel, auf der wir extrem fokussiert und voller Energie arbeiten können. Und auch der Veröffentlichungsdruck, den man ja sonst immer bei einer Platte hat, ist weg. Letztes Jahr waren zum Beispiel die Band The Esprits und auch Selig da, mit denen ich schon lange zusammenarbeite. Wegen des Lockdowns kann man nicht mehr unter Leute in die Kneipe gehen und dort seine Zeit „verschwenden“. Auch die Leute, die normalerweise aus Neugierde zu Besuch ins Studio kommen, bleiben weg. Alles, was wir machen, ist für den Moment. Man darf es gar nicht sagen, aber für die Arbeit im Studio ist Corona ein echter Segen. Die Künstler sind ganz positiv elektrisch geladen und machen Sachen, für die sie sich sonst keine Zeit genommen oder die sie sich nicht getraut hätten.

Franz Plasa: Durch Corona gibt’s für die Arbeit im Studio keine Zerstreuung

Und nun veröffentlichen Sie selbst auch neue Songs.

Ja, wir hier von den „H.O.M.E.-Studios“ – also Co-Produzent Hannes Eils, unser Haus-Engineer Mathias Brandstetter und ich – haben uns als  Kollektiv „Born TwentyTwenty“ zusammengeschlossen und veröffentlichen alte Songs im neuen Gewand, die hier in der Schublade rumgelegen haben. Wir machen Musik um der Musik willen. Das, was wir gerne zu Hause selbst hören würden.

 

„Born TwentyTwenty“ veröffentlicht alle drei Wochen einen neuen Song. „When The Sky Falls“ ist gerade ganz neu auf Spotify und anderen Streaming-Plattformen.

 

Bisher sind zwei Songs von „Born TwentyTwenty“ erschienen.

Genau. „Great Rivers“ war ursprünglich für den Popsänger Tommy Reeve gedacht. Der Song ist locker neun Jahre alt und bestand damals nur aus Schlagzeug, Gitarre, Klavier und Gesang – in einem eher rockigen Gewand. Till, ein großartiger Sänger aus Mainz, hat jetzt die Vocals übernommen und Hannes Eils hat einen Remix gemacht. Es ist noch der alte Song, aber er wirkt wie neugeboren! Gerade ganz neu erschienen ist „When The Sky Falls“.

 

 

Warum liegen bei Ihnen Songs in Schubladen herum und wie haben Sie die wiedergefunden?

Davon haben wir wirklich sehr viele. Wir haben eigentlich vor, eine „Song Library“ mit Musik, von der mir die Rechte gehören, zusammenzustellen. Für Filmmusik zum Beispiel. Beim Durchhören der alten Kassetten ist wirklich viel gute Musik aufgetaucht, die ich schon völlig vergessen hatte. Bei den Tracks – alle drei Wochen kommt ein neuer – ist sogar eine Art Bossanova-Stück mit Orchester dabei. Darauf singt Jan Plewka von Selig einen deutschen Text. Davon haben wir alle hier im Studio Gänsehaut bekommen!

 

 

Können Sie die Abstandsregeln im Studio einhalten?

Ja, klar. Man hält sich bei Aufnahmen ja eh in unterschiedlichen Räumen auf. Ich bin erstaunt darüber, wie andere Leute das handhaben und zum Beispiel trotzdem Schlitten fahren. Die Leute sind doch dumm! Es gibt so viele nicht nachvollziehbare Dummheiten auf der Welt –  das Corona-Verhalten ist da nur ein Teil. Die ökologische Katastrophe ist am allerschlimmsten. Wenn diese menschliche Dummheit bleibt, werden wir das nicht hinkriegen.

Sie haben in Ihrem Studio ja viel erlebt. Fällt Ihnen etwas ein, das total Corona-untypisch ist?

Dieses „Herzilein-Ding“ ist komplett weg. Normalerweise kann man das gar nicht vermeiden: Wenn man gemeinsam an Musik arbeitet, wächst man sehr eng zusammen. Als wir mit Selig vor 27 Jahren das erste Album gemacht haben, haben wir gekifft, lagen uns in den Armen und wurden sogar Blutsbrüder. Es war auch ganz normal, dass sich in so einem Studio-Raum 30 Leute aufgehalten, die neue Musik gehört und eine Party gefeiert haben. Das vermisse ich schon ein bisschen. Eminem war auch mal mit 50 Cent und Cypress Hill hier, weil sie nachts noch eine Session aufnehmen wollten. Die kamen mit schusssicheren Bullis an und hatten eine riesige Entourage dabei – auch so einige Frauen. Die Straße wurde abgeriegelt und fünf oder sechs Securitys haben erst mal das Studio überprüft. Alles undenkbar im Moment!

Als wir mit Selig vor 27 Jahren das erste Album gemacht haben, haben wir gekifft, lagen uns in den Armen und wurden sogar Blutsbrüder.

Franz Plasa (67)

Denken Sie schon an die Zeit nach Corona?

Ich stelle mir vor, wie die ersten Konzerte sein werden. Da muss man dabei sein! Da wird so viel Energie freigesetzt werden wie noch nie. Das ist auch eine spannende Frage –  wie Corona die Performance verändert hat. Selig haben ja im Sommer eine kleinere Show im Stadtpark gespielt und Jan Plewka hat erzählt, dass er weinen musste, weil das so intensiv war.

Bei welchen Künstlern denken Sie: Verdammt, warum habe ich die nicht produziert?

Ich bin einer der größten Prince-Fans, von seiner Musik wäre ich gerne ein Teil gewesen. In den 90ern habe ich auch Udo Lindenberg produziert und als er dann später ein Comeback hatte, dachte ich: Der Sound hätte auch von mir sein können! Womack & Womack sind auch so ein Fall, deren Hit heißt „Teardrops“. Für die habe ich mal angefangen, etwas zu machen, das haben sie dann aber woanders zu Ende geführt. Darüber war ich ziemlich traurig. Ach, ich könnte natürlich noch 1000 andere Sachen nennen, bei denen ich gerne dabei gewesen wäre!

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