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Paul Wellers Album „Fat Pop“ ist erschienen!

Paul Weller: „Ich bin noch im Schockzustand“

14.05.2021
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Feiert am 25. Mai seinen 63. Geburtstag: Paul Weller. Foto: Universal

Im Interview verrät der „Modfather“, was ihn so aus der Fassung gebracht hat

The Jam, The Style Council und 15 Solo-Platten seit 1992 machten Paul Weller (62) zum „Godfather of Britpop“. Wie kaum ein anderer Künstler erfindet er sich mit jedem Album neu. „Fat Pop“, sein 16. Output, ist ein freudvolles Werk, in dem sich Weller in verschiedenen Stilen austobt: vom Synthie-Pop bis zum funkigen Groove ist alles dabei. Dass der stilvolle Engländer sich während des Lockdowns nicht nur die Haare hat wachsen lassen („Es war eine schwierige Zeit, also ließ ich sie einfach sprießen“), sondern auch eine effektive Arbeitsweise angewöhnt hat, zeigt sich beim MOPOP-Interview am Telefon: Nur ein Viertelstündchen hat Weller Zeit, kommt dafür aber charmant rüber, als er von seiner Tochter Leah und seinem Idol Iggy Pop schwärmt.

MOPOP: Mit „Fat Pop“ erscheint Ihr zweites Studioalbum innerhalb von knapp elf Monaten. Wie kommt‘s?

Paul Weller: Es gibt gar keinen bestimmten Grund dafür, warum es gerade rund läuft. Ich war natürlich froh, dass „On Sunset“ im letzten Jahr so gut ankam. Aber auch sehr enttäuscht, die Platte aufgrund der Pandemie nicht live spielen zu können. Auch Hamburg stand ja auf dem Tourplan. Es hat wirklich an mir gezehrt, dass sie unter diesen blöden Bedingungen erschien.

Es ist so komisch und surreal für mich, in einem Atemzug mit John Lennon & Paul McCartney genannt zu werden.

Paul Weller über den Meilenstein, in fünf Dekaden die Albumcharts angeführt zu haben

Durch den Nummer-1-Erfolg des Albums sind Sie nun einer von nur drei Künstlern, die in Großbritannien in fünf aufeinanderfolgenden Dekaden die Albumcharts anführten.

Ja, und ich weiß gar nicht, wie ich diesbezüglich fühlen soll. Es ist so komisch und surreal für mich, in einem Atemzug mit John Lennon und Paul McCartney genannt zu werden. Es dringt gar nicht zu mir durch. Ich bin noch im Schockzustand, ehrlich gesagt. Denn seit meiner frühesten Kindheit bin ich Fan der Beatles – und ein Leben lang ein Fan von Musik. Auch wenn ich schon lange selbst Musik mache, fühle ich mich immer noch wie der Fan.

 

Hat sich das Musikmachen für Sie nie nach Arbeit angefühlt?

Es ist meine Arbeit, ich bestreite meinen Lebensunterhalt damit. Manchmal fühlt es sich auch danach an, wenn ich stundenlang im Bus reisen oder in einem beschissenen Umkleideraum warten muss. Aber sobald ich auf der Bühne bin und für Leute spiele, ist es nie Arbeit, sondern die gelebte Freiheit. Ich muss also die anderen langweiligen Sachen erdulden, um zu dem freudvollen Teil zu gelangen.

Aber sobald ich auf der Bühne bin und für Leute spiele, ist es nie Arbeit, sondern die gelebte Freiheit.

Paul Weller (62) übers Musikmachen

Noel Gallagher hatte im Februar die Nachricht über Ihr neues Album ausgeplaudert. War das okay für Sie?

Ich hab das nicht mal mitgekriegt. Ich folge sozialen Medien nicht, ich habe keinen Plan, was da vor sich geht. Wenn der Lockdown etwas Gutes bei mir bewirkt hat, dann war das, dass ich absolut fokussiert und ohne jede Ablenkung arbeiten konnte.

Paul Weller neues Album „Fat Pop“ ist gerade bei Polydor/Universal erschienen.

 

Auf einigen der Songs klingen Sie wie Damon Albarn.

Sie meinen, er klingt wie ich! Ich war schließlich zuerst da. Aber Damon ist ein netter Kerl.

Im Song „Moving Canvas“ huldigen Sie Ihrem Kollegen Iggy Pop. Gibt es eine Verbindung zwischen Ihnen?

Ich habe Iggy ein paar Mal getroffen, er ist liebenswert. Davon abgesehen gibt es keine Verbindung. Ich bin ganz offensichtlich aber sein Fan. Das Lied ist mein kleines Tribute an ihn. Ob er es jemals zu hören bekommt, weiß ich nicht.

Paul Weller ist Fan von Iggy Pop

Was bewundern Sie an ihm?

Diese totale Freiheit, die er auf die Bühne bringt. Ich wäre gar nicht in der Lage, das so auszuleben wie er. Ich bin zu gehemmt. Aber Iggy ist ein absoluter Profi der Performance. Sein Körper ist die Leinwand, die einen großen Teil der Faszination ausmacht. Iggy repräsentiert etwas, dass viele von uns sehr gerne sein würden – das total Wilde und Ungezähmte. Ich bin mir fast sicher, dass er heutzutage im echten Leben nicht mehr so ist, aber auf der Bühne macht er einfach nur sein Ding und gibt einen Scheiß auf alles andere. Ich liebe das. Und vor allem liebe ich, dass er es mit 74 immer noch tut.

Ist das auch Ihr Ziel?

Das hängt davon ab, ob ich in dem Alter noch atme, es immer noch machen will und körperlich dazu in der Lage bin. Wer weiß! Ich bin eh kein Mensch, der viel über die Zukunft nachdenkt.

Paul Weller 1983 – da war er 25 Jahre alt und hatte gerade seine zweite Band Style Council gegründet. Foto imago images/Mary Evans

 

Wie ist es mit der Vergangenheit: Ist ein Album auch immer ein Zeitdokument für Sie?

Jede meiner Platten spiegelt die Zeit wider, in der sie entstand. Ob du dir dessen in dem Moment bewusst bist oder nicht, es kommt immer durch, was mir zu besagter Zeit durch den Kopf ging oder welche Erfahrungen ich machte. Es ist aber immer eine Reflektion meiner Zeit, nicht zwingend die anderer Leute.

Im Song „That Pleasure“ setzen Sie sich mit der „Black Lives Matter“-Bewegung auseinander und fordern dazu auf, sich zu involvieren. Wen sprechen Sie an?

Für Schwarze gibt es offensichtlich ein Problem, denn sie sind die Opfer von Rassismus. Aber in zweiter Distanz ist es ein Problem für jeden Einzelnen in der Welt. Wenn du nicht schockiert bist und dich nicht dafür schämst, dass unsere Mitmenschen so behandelt werden, dann läuft etwas sehr falsch. Es geht nicht nur um junge Leute. Es geht vor allem um Leute in meinem Alter, die ich anspreche – die alten weißen Männer. Jeder muss da bei sich selbst anfangen, sich hinterfragen. Die Politik wird sich darum nicht kümmern. Und es ist keine Frage der Hautfarbe, jeder muss sich hinter die Bewegung stellen. Es geht schon seit Jahrhunderten so. Wann hört es endlich auf? Wann beenden wir den Rassismus? Das ist die große Frage an uns alle.

Es geht schon seit Jahrhunderten so. Wann hört es endlich auf? Wann beenden wir den Rassismus?

Paul Weller über „Black Lives Matter“

Sie haben selbst eine gemischte Patchwork-Familie. Haben Sie Erfahrungen mit Alltagsrassismus gemacht?

Ich persönlich nicht, nein. Aber ich habe helle Haut, also habe ich es vielleicht gar nicht bemerkt. Das ist auch ein weißes Privileg. Als ich mit meiner ersten Frau Dee C. Lee verheiratet war, sie ist Schwarze, waren da oftmals Dinge, durch die sie sich diskriminiert fühlte. Ich hatte es nicht mal bemerkt. Ich hatte einfach kein Bewusstsein dafür. Aber das hat meine Augen geöffnet, und ich fing an, Rassismus im Alltag zu enttarnen und wahrzunehmen. Es sollte kein Tag mehr vergehen, dass jemand nicht den Mund aufmacht, wenn er Zeuge davon wird. Und je mehr wir darüber reden, desto hilfreicher ist es.

 

Ihre Tochter Leah hat den Song „Shades Of Blue“ mit Ihnen geschrieben und eingesungen. Konnten Sie etwas von Ihr lernen?

(lacht) Nein, aber sie hat mich echt beeindruckt. Ich hatte den Vers schon geschrieben, aber es fehlte der Refrain. Sie hat dann Wörter und die Melodie aufgenommen und daraus ganz leichtfüßig und flink den Refrain geformt. Ich war baff, wie professionell sie mit 29 ist. Und eine gute Sängerin obendrein.

Haben Sie Ihr Tipps gegeben?

Das habe ich! Nicht fürs Singen, aber fürs Geschäft. Ich sagte ihr: Folge nicht irgendwelchen anderen Mustern oder dem Branchen-Geschwätz, was sich gerade besonders gut verkauft. Mach dir keinen Kopf um Chartpositionen oder Erfolg. Tue das, woran du glaubst, mache es ernsthaft und 100-prozentig und verlasse dich auf die Strahlkraft guter Songs. Wenn du das tust, werden die Leute dich sowieso für sich entdecken.

Und Sie hört auf Sie?

Nein. (lacht) Aber mal gucken, ob sie diesmal das befolgt, was ihr Daddy ihr sagt. Steve Cradock (Gitarrist von Ocean Colour Scene und in Paul Wellers Band, Anm. d. Red.) wird Leahs Album produzieren. Es bleibt also alles in der Familie.

Paul Wellers Album „Fat Pop“ ist gerade bei Polydor/Universal erschienen. Sein Hamburg-Konzert steht für den 25. Mai 2022 (20 Uhr) im Docks auf dem Plan, es ist schon ausverkauft. Mehr Infos hier!

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