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Neuer Podcast von Simone Buchholz und Ole Specht: „Wir eiern beide nicht lange herum“

Neuer Podcast von Simone Buchholz und Ole Specht: „Wir eiern beide nicht lange herum“

29.03.2021
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In ihrem Podcast reden Simone und Ole über die großen und kleinen Themen des Lebens, im Mittelpunkt ist immer die Kultur.

Das Interview führte Janina Heinemann

Was passiert eigentlich gerade in der Kultur? Was beschäftigt Kulturschaffende? Und wie fängt man einen Roman an? Über diese und andere Fragen diskutieren launig und kurzweilig Tonbandgerät-Frontmann Ole Specht (32) und Krimi-Autorin Simone Buchholz (49) im neuen Podcast „Kirschbier und Tomatensalat“, der gerade gestartet ist. Alle 14 Tage werden sich die beiden eine Frage für den jeweils anderen überlegen und aus ihrem Leben und von ihrer Arbeit berichten. Im MOPOP-Interview erzählen sie von Anfängen und davon, was Kirschbier und Lagerfeuer mit Kultur zu tun haben.

MOPOP: Kannten Sie sich vorher?

Ole Specht: Nein, aber ich habe mich richtig gefreut, als wir uns zum ersten Mal getroffen haben. Ich war total aufgeregt, denn es war quasi ein Blind Date und ich hatte megaviele Fragen.

Simone Buchholz: Natürlich hatte ich von Tonbandgerät gehört, aber ich bin fast zwanzig Jahre älter als er und höre nur Musik von Leuten, die schon lange tot sind. Ich fand die Vorstellung interessant, mit jemandem zu sprechen, der auch in der Kultur arbeitet, aber eine andere Sparte bedient als ich.

Ole Specht ist seit 2007 Sänger der Indiepop-Band Tonbandgerät. Foto: Fynn Freund

 

Welche Frage habt ihr euch für eure erste Folge ausgesucht?

Ole: Wir haben über Anfänge gesprochen, weil das ein Riesenthema in unseren beiden Kulturfeldern ist. Wo kommen die Ideen her, wenn sie einem nicht zufliegen? Ein Buch ist ein ganz anderes Projekt als ein Song. Ich habe mir Simone als Mastermind und Regisseurin über ihr Buch vorgestellt.

Simone: Willkommen im Real Life (lacht). Ich fand die Frage spannend, wo der Unterschied zwischen einem Buch und einem Song ist und wo wir uns treffen. Ich glaube, dass ein Album so etwas wie ein Buch ist. Ich bin ja wahnsinnig einsam mit dem, was ich mache.

Wie demokratisch oder kriegerisch geht eine Band beim Songschreiben vor? Dieses gemeinsame Kreieren wäre für mich die Hölle.

Ole: (lacht) Ist es auch oft.

Wie ist euer gemeinsames Arbeiten?

Ole: Wir waren sofort auf einer Wellenlänge und haben die richtige Tiefe gefunden. Uns beiden ist es ein großes Anliegen, dass wir unsere geliebten Kulturfelder nicht oberflächlich bearbeiten.

Simone: Es war leichtfüßig. Wir sind beide gut darin, nicht lange herumzueiern. Was ist euch im Lockdown wichtig oder neu wichtig geworden?

Im Lockdown merke ich, wie wichtig mir Kultur ist und wie doll ich das alles vermisse.

Ole Specht (32)

Ole: Ich habe gemerkt, wie wichtig mir Kultur ist, was für einen hohen Stellenwert sie in meinem Leben hat und wie doll ich das alles gerade vermisse. Wir haben keine verbindenden Erlebnisse mehr.

Simone: Im Dezember war ich in Berlin bei einer Aufzeichnung für einen Livestream. Da war jemand, der in den Pausen Gitarre gespielt hat. Wir standen alle mit Masken auf Abstand mit Fenstern auf – es war arschkalt – und uns sind die Tränen heruntergelaufen. Einfach, weil da jemand mit einer Gitarre stand. Für mich hat sich aber auch das Thema Gerechtigkeit manifestiert. Darüber werden wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten viel reden müssen.

Die Journalistin und Schriftstellerin Simone Buchholz lebt auf St. Pauli. Ihre Chastity-Riley-Krimireihe wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Foto: Christian Charisius/dpa

 

Was macht ihr gerade außer diesem Podcast?

Simone: Mein Alltag sieht so aus, dass ich morgens früh aufstehe. Mein Mann geht ins Büro, mein Sohn ist bis mittags mit Schule beschäftigt und ich dann natürlich auch. Nebenbei mache ich Verwaltungskram. Wenn mein Sohn fertig ist, fängt mein Arbeitstag an. Ich habe zwei, drei Stunden Ruhe, bis mein Mann nach Hause kommt. Da versuche ich irgendwie meinen Vollzeit-Schriftstellerinnenjob reinzuquetschen. Oft arbeite ich abends oder am Wochenende. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mir neben meinem Alltagsgehirn ein zweites Gehirn gewachsen ist, in dem meine Ideen warten.

Ole: Wir als Band verdienen 80 bis 90 Prozent von unserem Lebensunterhalt mit Live-Spielen. Zuerst hat es zu einer Starre geführt. Im Frühjahr haben wir eine EP produziert. Aber danach kam nichts, keine Auftrittsanfragen. Uns wurde klar: Wir können erst wieder richtig veröffentlichen, wenn wir auch wieder live spielen können. Jetzt geht es los, dass wir uns erholen und anfangen, Songs zu schreiben.

Was ist Kultur für euch?

Simone: Mein Kulturverständnis ist, dass alle, die Kunst machen, diejenigen sind, die am Lagerfeuer von dem erzählen, was einer Gesellschaft widerfährt. In Bildern, Musik, Tanz und Geschichten. Das bedeutet, dass wir immer am gesellschaftlichen Schmerz entlang erzählen. Kultur ist ein Zeichen von Zivilisation und gesellschaftlicher Entwicklung.

Ole: Das hast du total schön gesagt. Für mich ist Kultur Produzieren und Ausstellen, damit darüber gesprochen werden kann.

Warum heißt euer Podcast „Kirschbier und Tomatensalat“?

Ole: Ich liebe Kirschbier! In ganz dunklen Corona-Stunden wünsche ich mir manchmal ein kühles Kirschbier herbei.

Simone: Das ist dieses eine Lebensmittel, worauf man nicht verzichten könnte. Wenn ich nur noch eine Sache essen könnte bis zu meinem Lebensende, wäre das Tomatensalat. Die Idee hinter den Namen ist, dass das Einzige, was wir noch geiler finden als Kirschbier und Tomatensalat, Kultur ist.

Von „Kirschbier und Tomatensalat“gibt‘s alle 14 Tage eine neue Folge, den Stream und mehr Infos gibt‘s hier!

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