Sie ist eine der spannendsten Musikerinnen des Landes, ihre Songs werden auf der ganzen Welt gehört. Geboren und aufgewachsen ist Derya Yıldırım auf der Veddel. Ihre neue Platte, die Mitte März erscheint, hat die 31-Jährige mit ihrer Band Grup Şimşek in New York aufgenommen. Klar, dass die Album-Premiere dann auch an einem ganz besonderen Ort stattfinden muss: Anatolien meets Psychedelica – am 13. März im Großen Saal der Elbphilharmonie!
MOPO: Mit anatolischem Folk von der Veddel auf die Bühne der Elbphilharmonie – fühlt sich das für Sie wie ein Katzensprung an?
Derya Yıldırım: Das ist schon ein besonderer Moment – nicht nur für mich persönlich, sondern auch für die Musik, die wir spielen. Anatolische Musik hat ihren Platz auf großen Bühnen verdient. Oder besser gesagt: Diese Bühnen haben es verdient, anatolische Musik zu präsentieren! Was den Weg von der Veddel zur Elbphilharmonie betrifft: Für mich steht Hamburg genau für diese Verbindung. Der Auftritt im Großen Saal bedeutet mir sehr viel.
Inzwischen leben Sie in Berlin, treten längst international auf.
Ja, und wir haben eine feste Fanbase aufgebaut – Menschen, die immer wieder zu unseren Auftritten kommen. Das Konzert in Hamburg wird aber ganz klar ein Heimspiel. Die Band hat sich im Herbst 2014 auf der Veddel zusammengefunden – im Rahmen des „New Hamburg“-Festivals des Schauspielhauses. Nach Hamburg zurückzukehren, fühlt sich wie Heimkommen an. Wahrscheinlich wird die halbe Nachbarschaft im Publikum sitzen. (lacht)
Wenn Sie singen, wird Ihre Stimme von einer Sehnsucht getragen. Wohin sehnen Sie sich?
Für mich ist Singen eine Art innere Welt, die sich öffnet. Nicht im Sinne einer Fantasiewelt, es ist eine Verschmelzung meiner Identität, meines Seins im Hier und Jetzt. Diese Sehnsucht richtet sich nicht auf etwas Greifbares, sondern auf etwas Unerreichbares. Ich bin immer noch auf der Suche danach. Gleichzeitig spüre ich viel Trauer in meiner Stimme. Sie ist wie ein Motor, der mich antreibt und den ich immer weiter füttere.
Einen Tag nach dem Konzert erscheint Ihr Album „Yarın Yoksa“. Der Titel bedeutet „Wenn es kein Morgen gibt“ – das klingt nach Hoffnungslosigkeit.
„Yarın Yoksa“ erforscht Themen wie persönlichen Schmerz und kollektiven Widerstand. Das Album balanciert Verlust, Sehnsucht und die Hoffnung auf Veränderung und schafft einen Raum, in dem persönliche Erzählungen auf universelle Erfahrungen treffen – über Kulturen hinweg.
Thematisieren Sie auf der Platte auch politische Themen? Zum Beispiel den Konflikt zwischen Türken und Kurden?
Der Song „Dırene Dırene“ ist sehr politisch. Der Titel bedeutet „Mit Widerstand, immer weiter“. Es ist eines der bedeutungsvollsten Stücke, die wir geschrieben haben – ein Lied, das uns als Band sehr am Herzen liegt. Ein Aufruf zum Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Eine Zeile daraus ist zum Beispiel: „Die Gerechtigkeit tragen sie in ihren Herzen / Die Kraft brennt in Flammen.“ Und der Refrain bringt es auf den Punkt: „Doch wir geben nicht auf.“ Für mich hat er eine besondere Energie, fast wie ein Protestlied. Ich mag an dem Song besonders die Synthesizer-Passage, in der ein einfaches Motiv ganz für sich steht – das gibt ihm etwas Rohes und Ursprüngliches. Auch der leicht verzerrte Effekt auf meiner Stimme verstärkt diese kämpferische Atmosphäre – sie klingt fast wie durch ein Megafon.
Hat sich der Sound seit Ihrem ersten Album, das 2019 erschienen ist, verändert?
Der Sound von „Yarın Yoksa“ fühlt sich offener an – als hätte dieses Album das Potenzial, noch mehr Menschen mit seinem Klang zu umarmen. Vielleicht liegt es daran, dass wir mit einem Produzenten aus einem anderen musikalischen Umfeld gearbeitet haben: mit dem berühmten Leon Michels im legendären „Diamond Mine“-Studio in New York.
Wie war New York und das Arbeiten dort für Sie?
Tatsächlich haben wir uns in New York wirklich wie zu Hause gefühlt. Auch die Produktion im Studio in Queens war sehr natürlich und organisch. Ehrlich gesagt: Ich bin mit mehr Aufregung als Erwartung ins Studio gegangen. Die Zusammenarbeit hat mich wirklich überrascht. Leon Michels’ Input hat unseren kreativen Prozess vorangetrieben. Dass unsere Songs inzwischen bis nach New York reichen und dass ein Stück wie „Cool Hand“, das vollständig auf Türkisch gesungen ist, in „H&M“-Filialen weltweit rauf und runter gespielt wird, zeigt aber, dass diese Musik nicht an Geografie oder Zeit gebunden ist. Sie ist lebendig, relevant und entwickelt sich mit uns weiter.
Sie spielen Bağlama, Klavier, Gitarre, Ud und Saxofon. Welcher Klang ist Ihnen am nächsten?
Ganz klar die Bağlama. Sie ist für mich wie eine Weggefährtin, die mich durch mein Leben begleitet. Die Bağlama ist ein Volksinstrument, das seit mehr als 60 Jahren in Deutschland existiert – mitten in unserer Nachbarschaft. Umso mehr freut es mich, dass sie nicht nur in Kulturvereinen oder Wohnzimmern verankert bleibt, sondern ihren Platz auf großen Bühnen findet. Genau dafür stehe ich: diese Musik in die Welt zu tragen, weil sie universell ist, weil sie Menschen verbindet und weil sie gehört werden muss.
MOPO verlost Tickets
Mit der MOPO zur großen Album-Premiere! Wir verlosen 1 x 2 Karten für das Konzert von Derya Yıldırım & Grup Şimşek am 13. März in der Elbphilharmonie. Viel Glück!
Wer mitmachen will, schickt bitte bis Dienstag (4.3.), 24 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff „Elbphilharmonie“ an [email protected] und beantwortet folgende Frage richtig: Wie heißt das neue Album von Derya Yıldırım & Grup Şimşek, das am 14. März erscheint?
Veranstalter des Gewinnspiels ist die Morgenpost Verlag GmbH. Bei einer Teilnahme gelten unsere AGB als akzeptiert. Diese AGB finden Sie unter www.mopo.de/gewinnspiel-agb
Elbphilharmonie: 13.3., 20 Uhr, ab 35 Euro


































