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Louis Tomlinson (ex-One Direction): „Wie zum Teufel konnte das nur passieren?!“

Er steht draußen, stützt sich vielleicht auf einen Tisch und schaut zur Seite
Mit der Boyband One Direction sorgte er zwischen 2010 und 2016 für Hysterie bei den Fans. Als Solokünstler lässt es Louis Tomlinson (34) ruhiger angehen – ein bisschen jedenfalls. 
Foto: Edward Cooke

Wie gemein! Da will Louis Tomlinson (34) mit seinem dritten Soloalbum „How Did I Get Here?“ zum großen Schlag in den Charts ausholen, und wer macht ihm Konkurrenz? Ausgerechnet sein ehemaliger One-Direction-Kollege und Freund Harry Styles, der gerade sein XXL-Comeback inklusive Tour ankündigte und einen wahren Hype auslöste. Egal, Tomlinson muss sich mit „How Did I Get Here?“, seinem neuen Werk voller munterer Britpopsongs, nicht verstecken. Ab März tourt er durch Deutschland, am 23. März ist er in der Barclays-Arena. Im Interview erzählt der Brite, wie er mit seinen freudvollen neuen Songs dunklen Momenten keine Chance lässt.

MOPO: Sie fluchen ordentlich auf der neuen Platte. Wie erklären Sie das Ihrem zehnjährigen Sohn?
Louis Tomlinson: Mein Sohn ist ein guter Junge und sehr gut erzogen. Wir haben nicht darüber gesprochen, aber ich weiß, er tut einfach so, als hätte er es nicht gehört. Und ich tue so, als hätte ich die schlimmen Worte nicht gesagt. (lacht) Er kam mal zu einem meiner Konzerte, also habe ich mir vorgenommen: „Vielleicht heute mal ein bisschen weniger fluchen  – oder am besten gar nicht.“ Aber: na ja. Ich habe echt ein Problem damit. Ich denke, dafür ist auch Doncaster mitverantwortlich, der Ort, in dem ich aufgewachsen bin.  Das liegt um die Ecke von Sheffield. Und Fluchen ist für uns da wie eine zweite Muttersprache.

Konzert in Hamburg: Louis Tomlinson singt im März in der Barclays-Arena

Sie sagen über die Idee zu Ihrem neuen Album, dass sich „die Songs nach Spaß und Freude anhören und anfühlen“ sollten. Im Song „Broken Bones“ singen Sie dann darüber, dass Sie trotz Blessuren alles noch mal genauso machen würden. Was meinen Sie damit?
Es ist eine Metapher für die Reise, die ich zurückgelegt habe. Ein Sänger zu sein und immer unter Beobachtung der Öffentlichkeit zu stehen, bringt Kollateralschäden mit sich. Blessuren hinzunehmen, ist aber auch Teil meiner Persönlichkeit. Ich renne gerne ins Feuer, ich sag auch schon mal: „Lass uns Richtung Chaos ziehen und sehen, was passiert.“

Sie waren 18 Jahre alt, als One Direction 2010 gegründet wurde – seit 2016 ist die Boyband Geschichte. Trauern Sie der Zeit hinterher?
Den Trauerprozess darüber, dass es One Direction vermutlich nie wieder geben wird, den habe ich schon 2016 durchlaufen. Es war sehr schmerzhaft. Im Hinterkopf hatte ich dennoch immer die Hoffnung: Vielleicht machen wir eines Tages doch noch mal ein Reunion-Konzert oder sogar eine Tour? Aber dann eher so wie bei Oasis 20 Jahre später. 

Die vier jungen Männer stehen an einer Wand, zwei von ihnen halten Trophäen in den HändenFoto: picture alliance / AP Photo
Liam Payne, from left, Louis Tomlinson, Niall Horan and Harry Styles of One Direction pose in the press room with the award for artist of the year at the American Music Awards at the Microsoft Theater on Sunday, Nov. 22, 2015, in Los Angeles. (Photo by Jordan Strauss/Invision/AP)

Sie sind der Co-Songwriter von 38 One-Direction-Songs, das hat kein anderes Bandmitglied geschafft.
Und das ist es, was ich an dem Job am meisten liebe! Als ich noch bei One Direction war, hätte ich ewig so weitermachen können. Es war bequem, in der Band zu bleiben. Ich hatte das Gefühl, ich würde den Beruf beherrschen und genauso auch mein Handwerk. Doch dann sagt dir plötzlich jemand: „Du kannst das nicht weitermachen.“ Erst beim Abschied, als ich mein Zeug zusammenpackte, wurde mir klar: Ich habe jetzt zwei Möglichkeiten. Ich kann entweder nur als Songwriter weitermachen. Oder mein eigenes Ding als richtiger Solokünstler.

Sie haben sich für Letzteres entschieden. Gab es da Konkurrenzkampf unter den One-Direction-Mitgliedern?
Nur in den Medien – aber so tickt die Welt nun mal. Wenn ich Fußballer geworden wäre, wir alle bei Bayern München angefangen hätten und nun in verschiedenen Clubs spielen würden, dann wäre es nicht anders. Und bei Harry war sowieso immer klar, dass er Erfolg haben würde. Er ist einfach der perfekte Kerl dafür.

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In Ihrem neuen Song „Sanity“ (deutsch: Vernunft) spricht ein aus Ihrer Stimme geformter Chor zu Ihnen. Was sind das für Dinge, die Sie sich selbst erzählen?
Jetzt, wo ich älter werde, klingen sie manchmal wie Mantras – zum Beispiel darüber, wie ich leben will. Wenn ich ein Haus für mich allein habe, dann führe ich abendfüllende Konversation mit mir selbst, das hat fast etwas von Live-Kommentar: Ich kommentiere das, was ich tue. Im Song geht es um die Momente, in denen du deine eigene Gesellschaft und deine Quality Time wirklich genießt. Und dazu gehört für mich auch, mit mir selbst zu reden – selbst wenn es etwas albern ist.

Kreisen in Ihrem Kopf immer Gedanken?
Meistens sind es sogar zwei Gedanken gleichzeitig. Besonders, wenn ich auf der Bühne stehe. Da habe ich einen andauernden Dialog mit mir selbst.

Sind das Gedanken des Selbstzweifels?
Nein, nichts in meinem Kopf arbeitet in dieser Hinsicht gegen mich. Es ist eher so, dass ich mir sage: „Ich habe die Kontrolle, ich werde eine gute Zeit haben, es wird alles gut gehen.“ Aber manchmal macht sich dann doch der Teufel auf meiner Schulter bemerkbar und grätscht dazwischen: „Bist du dir sicher, dass du das kannst?“ Aber dann antworte ich: „Yeah, verdammt noch mal! Ich kann das!“

Und doch heißt Ihre neue Single „Imposter“, also „Betrüger, Schwindler“. Sie bezeichnen Sie sich als Mann mit Hochstapler-Syndrom. Robbie Williams behauptet das auch gern von sich. Kommt das vielleicht davon, wenn man seine Karriere jung in einer Boyband startet?
Definitiv. In einer Boyband ist man bis zu einem bestimmten Grad auf eine Rolle in der Öffentlichkeit festgelegt, was das Hochstapler-Syndrom noch begünstigt. Ich war zum Beispiel ja „der Witzige“ bei One Direction. Ich habe nie gedacht, dass ich solo auf diesem Level Erfolg haben könnte. Wirklich, ich habe nicht damit gerechnet. Das ist auch eine Form des Imposter-Syndroms. Die kennen wir vermutlich alle – außer vielleicht Narzissten.

Albumcover. Sonnenschein, ein Auto steht in einer Wiese, man sieht Tomlinson von hinten, er geht seitlich am Auto vorbeiFoto: BMG
„How Did I Get Here?“: Das dritte Soloalbum des Sängers gibt’s seit dem 23. Januar.

Heißt Ihr Album deshalb auch „How Did I Get Here“? Das ist ja eigentlich eine Zeile aus Ihrem Song „Lucid“.
Ja, das ist die eine Frage, die ich mir seit One Direction stellte: Wie  bin ich hierhergekommen? Ich hatte nie eine Antwort darauf. Inzwischen will ich die Frage auch gar nicht mehr beantwortet wissen. Der Titel ist eher gemeint wie ein „Wie zum Teufel konnte das passieren?!“ – quasi ein völlig überraschtes „Wow!“.

Und auch ein dankbares „Wow!“?
Absolut. Die Tour   heißt deshalb auch „How Did We Get Here?“ – denn ich weiß, dass ich das ja alles nur gemeinsam mit meinen Fans geschafft habe. Die, die meine ersten Gigs als Solokünstler gesehen haben, hätten damals sicher nicht geglaubt, dass ich irgendwann in riesigen Arenen Konzerte spielen werde. Das können wir jetzt alle zusammen feiern.

Werden Sie auf der Bühne dann auch so ausgelassen tanzen, wie Ihr Kollege Harry Styles es gerne tut?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt tanzen werde! (lacht) Ich bin nicht so der Bewegungskünstler auf der Bühne. Bei den vergangenen Touren waren die Sets melancholisch, da konnte ich also einfach am  Mikrofonständer kleben. Aber die neuen Stücke haben mehr Tempo – ich muss also einen Weg finden, mich dazu zu bewegen. Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen aufgeregt. Aber das ist Teil eines Risikos, das ich gerne eingehen will.

Album: „How Did I Get Here?“ (BMG Rights Management/Universal Music), gerade erschienen
Konzert: 23.3., 20 Uhr, Barclays-Arena, 73-96 Euro

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