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King-Crimson-Star Adrian Belew: „Das ist viel mehr als nur ein Abklatsch!“

Adrian Belew
Adrian Belew arbeitete bereits mit Frank Zappa und David Bowie.
Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Jeff Moore

King Crimson gilt als die Band, die das „progressive“ im Begriff Progressive Rock wirklich ernst nimmt. Weil ihr Mastermind Robert Fripp nicht mehr touren will, lässt ihr langjähriger Sänger und Gitarrist Adrian Belew diese komplexen Klänge wieder live aufleben – mit seiner hochkarätig besetzten Formation Beat, mit der auch nach Hamburg kommt. Auf dem Programm: keine gefühligen Nostalgie-Shows, sondern ein unablässiges Streben nach dem Neuen. Wie es dazu kam, verrät der 76-Jährige seinen Fans in diesem nerdy Interview.

MOPOP: Mr. Belew, seit 2024 spielen Sie die Musik live, die Sie Anfang der 80er Jahre mit King Crimson gemacht haben. Was hat es bei Ihnen in Gang gesetzt, dass Sie sich wieder mit dieser Periode Ihres Schaffens beschäftigt haben?

Adrian Belew: Unser Ziel war es damals, interessante neue Musik zu kreieren, und ich glaube, das Publikum hat sich wirklich dafür begeistert. Die Bandbesetzung, die Alben und Tourneen aus dieser Zeit sind legendär geworden. Deshalb hatte ich das Gefühl, dass es an der Zeit ist, das wieder aufleben zu lassen. Ich dachte, wenn ich die richtigen Leute zusammenbringen könnte, müsste es einfach perfekt passen. Glücklicherweise gelang mir das nach fünfjähriger Vorbereitung. Dann brach leider die Covid-Pandemie aus. Als man schließlich wieder Konzerte spielen konnte, kontaktierte ich Steve Vai erneut, um zu sehen, ob er noch interessiert war. Und er war begeistert wie nie zuvor.

Neben Gitarrist Steve Vai sind Tool-Schlagzeuger Danny Carey und Bassist Tony Levin von King Crimson dabei. Wollen Sie die Musik von Crimson in eine neue Richtung lenken?

Ich denke, Beat ist mehr als nur Nachahmung. Ich möchte auch nicht hören, wie Steve Vai Robert Fripp nachspielt. Ich möchte lieber hören, wie Steve sein eigenes Ding macht. Dasselbe gilt für Danny und Tony. Ich möchte nicht behaupten, dass Beat mehr hat als King Crimson, aber unsere Musik ist insofern anders, als sie mehr von einem amerikanischen Gefühl geprägt ist. Was natürlich ist ohne Bill Bruford und Robert Fripp. Es ist einfach spektakulär, dieses Material zu hören und wieder zu spüren. Vielleicht fangen wir nach dieser Tour an, die Sachen des Double Trios aus den 90ern anzupacken.

Sie waren Robert Fripps häufigster und wohl auch inspiriertester Mitstreiter. Wie hat er reagiert, als Sie ihm sagten, dass Sie diese Musik gern wieder live aufführen wollen?

Ich sagte ihm, dass der Jahrestag von King Crimson bevorstünde und viele Fans schon ewig darauf warteten, diese Musik wieder live zu hören. Wir sollten versuchen, etwas zu organisieren, um das zu feiern. Er meinte: „Lass mich darüber nachdenken.“ Als wir uns dann wieder unterhielten, sagte er, er habe in den nächsten Jahren schon zu viel vor. Er könne das nicht machen. Aber wenn ich es vorantreiben wolle, dann solle ich es selbst auf die Beine stellen. Das war für mich in Ordnung. Als ich endlich die richtigen Musiker zusammengebracht hatte, rief ich Robert zurück und sagte: „Also, ich habe es tatsächlich gemacht, und hier sind die Leute.“

War Robert Fripp überrascht?

Ich glaube, das hat ihn schockiert, weil er dachte, ich würde einfach Leute zusammenbringen, mit denen ich normalerweise spiele, oder Leute, die nicht so berühmt sind. Für diese Art von Musik braucht man aber Musiker, die Publikum ziehen. Wir wollten auf hohem Niveau touren und nicht in Clubs spielen. Schließlich fragte Robert: „Und wie willst du das Ganze nennen?“ Ich sagte: „Ich weiß es wirklich nicht.“ Da meinte er: „Nun, ich habe den Namen Discipline viele Jahre lang für all meine Sachen verwendet, und du, Tony und Pat (Masteletto) hattet Three Of A Perfect Pair als euer Bandcamp. Wie wäre es, wenn wir das neue Projekt Beat nennen?“ Und ich sagte: „Das ist wirklich perfekt. Gibst du uns dafür deinen Segen?“ Und er: „Ich werde in der ersten Reihe stehen!“ Hoffentlich wird er es auch wirklich tun, wenn wir in England spielen. Wenn nicht, werde ich zu ihm nach Hause gehen.

Auf welche Weise hat Fripp Ihr Vorhaben sonst noch unterstützt?

Er hat Steve Vai bei ein paar technischen Dingen geholfen, denn die Art und Weise, wie Robert damals Gitarre spielte, erfordert stundenlanges tägliches Üben. Ich glaube, Steve kann alles spielen, aber es gibt eine Sache, mit der er zu kämpfen hatte: nämlich vier Minuten lang das zu wiederholen, was Robert in Songs wie „Frame By Frame“ gemacht hat, als wir die Doppelgitarren-Sache hatten. Steve hatte das Gefühl, dass das perkussive Spiel für ihn eine Herausforderung sein würde, weil er im Laufe der Jahre einige Operationen an den Händen hatte und befürchtete, dass sein Anschlag nicht mehr so war, wie er sein sollte. Also begann Steve, mit Robert zu sprechen. Und der riet ihm eines Tages: „Warum machst du nicht das Tapping, anstatt zu versuchen, diese Sachen anzuschlagen?“ Und diese Methode hat dann wunderbar funktioniert.

Steve Vai und Sie haben eine gemeinsame Vergangenheit mit Frank Zappa. Hat Ihnen das geholfen beim Aufbau einer neuen Band?

Steve und ich sprechen viel darüber, was wir aus der Zusammenarbeit mit Frank gelernt haben. Wir sagten uns, wenn man die Frank-Schule erfolgreich absolviert hat, kann man alles schaffen. Er hat uns gelehrt, wie man echter professioneller Tourmusiker und Aufnahmekünstler wird. Er hat uns beigebracht, wie man Dinge richtig und konsistent spielt. Das ist ja eine Lebenseinstellung.

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Wie lange haben Sie gebraucht, um sich das komplexe King-Crimson-Material wieder draufzuschaffen?

Einiges davon hatte ich bereits mit meinem Trio oder mit dem Crimson Project gespielt. Der Rest waren Stücke, die ich seit 30 oder 40 Jahren nicht mehr angefasst hatte. Eine der größten Herausforderungen bestand darin, all das technische Vintage-Zeug zu finden, um diese Musik wieder zum Leben zu erwecken. Ich hatte noch meine gesamte Ausrüstung von damals, meinen Originalverstärker, meinen Originalsynthesizer, aber es brauchte noch mehr als das. Ich hatte eigentlich nur zwei Gitarren, die aufgrund ihrer Anschlüsse noch für King Crimson geeignet waren. Eine davon war meine „Twang Bar King“-Gitarre. Also beschloss ich, sie mitzunehmen. Sie ist sehr empfindlich und wahrscheinlich ziemlich wertvoll, aber ich dachte, dass sie die Fans wahrscheinlich glücklich machen würde. Die Klangfülle, die ich mir vorstellte kann man nur mit diesen Instrumenten erzielen.

Und Steve Vai?

Er konnte es auf seine eigene Weise machen. Wenn wir etwa „The Sheltering Sky“ spielen, dann hat er diesen trompetenartigen Klang, den auch Robert dafür verwenden würde. Steve hat sich dafür extra neues Equipment zugelegt. Meine Aufgabe war es, etwas Authentizität mit einzubringen, und meine Singstimme ist besser denn je. Ich habe 64 Shows hintereinander gesungen und nie auch nur einmal versagt. Ich habe unglaubliches Glück. Ich habe nie Drogen genommen, noch nie Zigaretten geraucht. Ich bin körperlich in ziemlich guter Verfassung und trainiere jeden Tag. Ich gehe die ganze Sache professionell und ernsthaft an. Wenn man in meinem Alter ist, ich bin 76, dann muss man das auch tun.

Warum hat sich King Crimson 1984 nach drei bahnbrechenden Alben aufgelöst?

Robert beschloss, dass er für eine Weile genug hatte. Eines Tages rief mich ein Freund an und sagte: „Hey, hast du das neue Musikmagazin gesehen?“ Ich verneinte. Da meinte er: „Deine Band hat sich aufgelöst!“ Robert hatte weder mir noch sonst jemandem etwas davon gesagt. Genauso war es, als er sich 2013 entschied, die reformierte Gruppe ohne mich weiter zu betreiben. Er schickte mir nur eine kurze E-Mail, in der stand: „Du passt nicht zur Band oder die Band passt nicht zu dir. Und so machen wir weiter. Und du kannst das neunte inaktive Mitglied sein.“

Sie haben auch in David Bowies Band gespielt. War auch diese Zusammenarbeit eine lebensverändernde Erfahrung?

In jeder Hinsicht. David wollte, dass ich mich austobe und Sounds kreiere, mit denen er arbeiten konnte. Ich habe so viel von ihm gelernt. Meine erste Tournee mit ihm dauerte anderthalb Jahre. Und 1990 ging es durch 26 Länder mit 108 Shows. Es war großartig! Wir hatten Lee Iacoccas Privatjet (Manager in der US-Autoindustrie, d. Red.). Das Interessante an dieser Tournee war, dass man dafür eine zwölf Millionen Dollar teure Metallbühne gebaut hatte. Es war ein Gitter, unter dem sich alles befand, die Monitore und alles andere. Man konnte überall auf dieser 60 mal 60 Meter großen Bühne herumlaufen, ohne jemals irgendwo anzustoßen. Und die einzigen beiden Personen, die auf diese Bühne durften, waren David und ich. Als er das den anderen in der Band mitteilte, waren sie ziemlich traurig.

Stadtpark-Open-Air: 14.6., 19 Uhr, 69,50 Euro

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