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Julian Lennon: „Ich habe mich neu in meinen Vater verliebt“

Julian Lennon: „Ich habe mich neu in meinen Vater verliebt“

09.09.2022
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Julian Lennon vor einer dunklen Wand, er schaut zur Seite ins Nichts

Würden Sie es als Heilungsprozess bezeichnen?

Absolut. Das Album, die Namensänderung, die innere Suche – das alles trug zu mehr Verständnis und ein bisschen mehr Weisheit bei. Ich bin heute zufriedener als ich es jemals war in meinem Leben. Und so hart die Zeit allein im Lockdown auch war: Ich nutzte es als meine Chance, in meinem Innern aufzuräumen und mich am Ende im Ganzen besser zu fühlen. Ich fing mit Powerwalking an, ernährte mich besser und meditierte…

Es fällt mir schwer runterzukommen. Normalerweise drehe ich schon durch, wenn ich mal länger als 20 Minuten an einem Strand sitzen muss.

Julian Lennon

Können Sie gut loslassen und entspannen?

Ehrlich gesagt: nein. Ich habe einige Apps ausprobiert, aber es fällt mir schwer runterzukommen. Normalerweise drehe ich schon durch, wenn ich mal länger als 20 Minuten an einem Strand sitzen muss. Gib mir einen Jetski oder ein Boot – Hauptsache ich habe was zu tun. Ich bin immer aktiv und arbeite auch am Wochenende. Es hat Seltenheitswert, wenn ich nichts tue. Und ich hasse es, das sagen zu müssen, aber Meditation gibt mir immer das Gefühl, Zeit zu verschwenden. Ich muss mich zur Meditation wirklich zwingen. Und trotzdem ist sie wichtig.

Inwiefern?

Ich musste über die Jahre immer mal wieder mit starken Angststörungen klarkommen. Die Atemübungen helfen mir, damit umzugehen. Teilweise bin ich auch agoraphobisch. Es macht mir Probleme, rauszugehen und vor Leute zu treten. Das wurde mit der Zeit immer schlimmer. Vieles war für mich schwieriger, als die Leute annahmen. Heute gehen Menschen offener mit dem Thema psychische Gesundheit um.


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Gab es ein bestimmtes Ereignis, dass die Angststörung auslöste?

Ich war immer schon ein schüchterner, ängstlicher Mensch. Ich muss mich überwinden, um mich unter Gesellschaft wohlzufühlen. Ich habe gelernt, wie man das macht. Ich bin heutzutage besser darin, viel besser. Aber es gibt immer noch Tage, wo ich mich nicht danach fühle. Dann will ich einfach nur Stille und mit mir alleine sein. Und wenn ich Verpflichtungen habe, wo ich über meinen Schatten springen muss, atme ich mich heute dadurch. Das bringt mich ins Hier und Jetzt und blendet den Rest der Welt aus. Ich denke an die Menschen, die ich liebe und wie glücklich ich sein kann, da zu sein, wo ich bin und die Arbeit zu tun, die ich liebe und die anderen Menschen hilft, die weniger Glück haben.

Sie sprechen von Ihrer gemeinnützigen Stiftung „The White Feather Foundation“, mit der Sie sich für Umwelt, indigene Völker und Bildung stark machen.

Das ist die Arbeit, die mich am glücklichsten macht. Musik kann zwar sehr heilsam sein. Ich liebe Musik und werde vermutlich nie damit aufhören – auch wenn es sein könnte, dass dies das letzte Album sein wird, dass ich herausbringe. Für mich ist es jedoch heilsamer rauszugehen, Fotos zu machen, Dokumentationen zu drehen und etwas für die Stiftung zu tun. Ich bin froh, auch diesen Träumen nachgegangen zu sein. Ich möchte noch viel mehr Dokumentationen machen, da ist einiges in der Pipeline. Ich will mehr Fotoprojekte umsetzen und Gutes auf den Weg bringen. Ich überlege auch, ob ich meine Memoiren schreiben soll. Mir gefällt, wie das „Lyrics“-Buch von Paul McCartney zusammengestellt wurde. Es enthält die Informationen, die es braucht, aber auch viel Visuelles. In meiner Welt erzählen Bilder genauso viel Geschichte wie geschriebene Worte.

Julian Lennon sang John Lennons Song „Imagine“

Im April haben Sie erstmalig „Imagine“, den vielleicht wichtigsten Song Ihres Vaters, zu Gunsten der Ukraine-Hilfe von „Global Citizen“ gesungen. Was hat Ihnen das bedeutet?

Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich diesen Song nie singen müsste. Ich war auch nicht unbedingt scharf drauf. Ich sah eh nie die Notwendigkeit, Beatles- oder Dad-Songs zu singen. Denn warum etwas covern, was schon im Original perfekt gemacht wurde? Außerdem habe ich mein eigenes Leben und meine eigene Arbeit. Warum sollte ich das also tun? Dann sah ich die Bilder aus der Ukraine: Den Horror und den Herzschmerz des Krieges empfand ich als unerträglich. Wir hatten schon andere Krisen in der Welt mit Flüchtlingen, und natürlich war auch das schlimm. Aber dieser Krieg, nach all dem was wir mit Covid durchgemacht haben, offenbart einmal mehr wie viel Verlust an Leben, an Menschlichkeit und an Liebe auf so vielen Ebenen in der Welt herrscht. Als mich „Global Citizen“ fragte, ob es da etwas gäbe, was ich für die Veranstaltung aus dem Ärmel schütteln könnte, wusste ich sofort, dass es nun an der Zeit wäre, „Imagine“ zu singen. Ich sagte mir: „Okay, tue, was du tun musst.“ Es war das Richtige zur richtigen Zeit und mit der richtigen Absicht.

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