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Julian Lennon: „Ich habe mich neu in meinen Vater verliebt“

Julian Lennon: „Ich habe mich neu in meinen Vater verliebt“

09.09.2022
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Julian Lennon vor einer dunklen Wand, er schaut zur Seite ins Nichts

„Es hätte schlecht ausgehen können mit mir. Aber ich bin immer noch hier. Es ist alles gut“: Julian Lennon (59). Foto: Downtown Mag

Elf Jahre hat Julian Lennon, ältester Sohn von Beatles-Legende John Lennon (1940-1980) und Cynthia Powell (1939-2015), kein Album mehr herausgebracht. Der Schatten seines berühmten Vaters war einfach zu groß, obwohl er 1984 mit „Too Late For Goodbyes“ selbst einen fetten Hit gelandet hatte. Seine Kreativität lebte er lieber in der Fotografie aus, veröffentlichte Kinderbücher und gründete die gemeinnützige „White Feather Foundation“. Nun erscheint mit „Jude“ seine starke, sinfonisch angehauchte siebte Platte, bei der auch Paul McCartney seine Finger mit im Spiel hatte. Für Julian Lennon glich die Arbeit daran einer Trauma-Therapie. Wie schwer die Zeit nach der Trennung seiner Eltern für ihn war, wie er lernte, seinem Vater zu vergeben und sich selbst zu finden, erzählt er im MOPOP-Interview.

MOPOP: Mr. Lennon, waren Sie schon mal in Hamburg, der Stadt, in der Ihr Vater erwachsen wurde?

Julian Lennon: Mehrmals über die Jahre. Aber das letzte Mal ist lange her, es war während eines Promotrips für ein Album. Wir hatten noch einige Tage frei. Ein Journalist entpuppte sich als netter Ortskundiger, der uns anbot, alle Hotspots zu zeigen. Das hat Spaß gemacht, wir hatten eine schöne Zeit.

Wo erwische ich Sie heute?

In meinen vier Wänden in Monaco, dort lebe ich seit 25 Jahren. Es ist nicht der schlechteste Ort. Ich reise viel. Derzeit bin ich in Sachen Musik unterwegs, sonst ist es die Fotografie oder meine gemeinnützige Stiftung. Es ist einfach von hier aus überall in die Welt zu kommen.

Auf dem Cover Ihres neuen Albums sieht man Sie als kleinen Jungen. Was hat es damit auf sich?

Jeder Song, den ich in meinem Leben geschrieben habe, ist wie ein Blick in den Spiegel für mich. Viele Lieder dieser Platte nahmen schon vor 30 Jahren ihren Anfang. So albern das klingt, aber dies ist meine Coming-Of-Age-Platte.

Cover in schwarzweiß, rechts der junge Julian, links der Schriftzug Jude
Das Albumcover zeigt Julian Lennon als Kind, der Titel „Jude“ ist die Handschrift von Paul McCartney. Foto: BMG/Warner

Sie sind 59!

Klar. Aber als Covid veinschlug und wir alle getrennt wurden von unseren Freunden und Liebsten, verbrachte ich den Großteil des Lockdowns allein in Monaco. Für mich war es die Zeit, um in mich zu gehen, zu reflektieren und mir die wichtigen Fragen zu stellen: Wo stehe ich in meinem Leben? Was ist meine Bestimmung? Bin ich glücklich? Wenn ich nicht glücklich bin, wie ändere ich diesen Zustand? Was muss ich im Leben tun, um Liebe zu finden? Und wie erlange ich noch mehr Fokus und Balance? Ich wollte Antworten finden. Ich erinnerte mich an Textstellen, die Paul McCartney in „Hey Jude“ über mich geschrieben hatte, in denen es darum ging, dass das Gewicht der Welt auf meinen Schultern lastete. Diese Schwere habe ich gefühlt, während ich mich durch den ganzen Seelenmüll arbeitete. Deshalb war der Name Jude so präsent in meinem Kopf.

Ich erinnerte mich an Textstellen, die Paul McCartney in „Hey Jude“ über mich geschrieben hatte, in denen es darum ging, dass das Gewicht der Welt auf meinen Schultern lastete. Diese Schwere habe ich gefühlt, während ich mich durch den ganzen Seelenmüll arbeitete.

Julian Lennon

Das hymnische „Hey Jude“ schrieb Paul McCartney 1968, um Sie nach der Trennung Ihrer Eltern zu trösten und aufzumuntern. Hat das funktioniert?

Ich war fünf Jahre alt! In dem Alter begreifst du das noch nicht. Aber ich habe als Kind ganz sicher gemerkt, dass da eine Veränderung ist. Denn Dad war plötzlich nicht mehr da. Das wiegt schwer und hat Einfluss auf die Weise, wie du aufwächst und wie du fühlst. Ich fühlte mich vernachlässigt. Aber es ging mir eher darum, mich um meine Mutter zu kümmern und sicher zu gehen, dass sie okay war. Klar, ich war das Kind, das seinen Vater vermisste, aber meine Mum war diejenige, die sich in ihn verliebt hatte, ein Kind von ihm bekam und dann verlassen wurde.

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