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Hamburger Band mit Song gegen Rechtspopulismus: „Haben wütendes Gefühl direkt genutzt“

Die Hamburger Band Tonbandgerät
Die Hamburger Band Tonbandgerät: Ole Specht, Sophia Poppensieker und Jakob Sudau (von links)
Foto: Fynn Freund

Die Hamburger Indie-Pop-Band Tonbandgerät hat mit „88 Luftballons“ einen Song gegen Rechtspopulismus veröffentlicht. MOPOP sprach mit Sänger Ole Specht über die Entstehung des Liedes – und über die Anfeindungen, die die Band jetzt erlebt.

Wie ist die Idee zum Song „88 Luftballons“ entstanden?

Letztes Jahr ging ein Video durch die sozialen Netzwerke, in dem ein Typ in einem Wehrmachts-T-Shirt blaue Luftballons vor einem Kindergarten verteilt hat. Sophia (Anmerkung der Red.: Gitarristin der Band) und ich saßen gerade im Studio und haben da dieses Video gesehen – das hat uns so richtig mitgenommen. Irgendwie hatte das so eine neue Qualität: Dass Luftballons, die ja eigentlich für Freude, für positive Dinge stehen, jetzt an Kinder verteilt werden – dass die jetzt quasi Hass und Hetze transportieren. Dann haben wir unser wütendes Gefühl direkt genutzt, um den Song zu schreiben.

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In eurem Song geht es ziemlich offensichtlich um die AfD, ihr nennt die Partei aber nicht explizit beim Namen. Warum nicht?

Weil es nicht nur um die AFD geht, sondern um die gesteigerte Gesellschaftsfähigkeit und Grenzverschiebung aller rechtspopulistischen Strömungen. Die blauen Luftballons sind daher auch sinnbildlich zu verstehen.

Es stehen im Juni die Europawahlen an, im September sind Landtagswahlen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen. Habt ihr den Song deshalb jetzt veröffentlicht?

Ja, natürlich spielen die Wahlen eine Rolle. Ich glaube, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, über Demokratie, über unser Verständnis von Demokratie, über die aktuelle politische Entwicklung.

Die AfD liegt beispielsweise in Thüringen aktuell bei 30 Prozent und hat damit die höchsten Umfragewerte im Parteienvergleich. Hier in Hamburg ist es nicht ganz so krass, in einer Umfrage zur Bürgerschaftswahl 2025 kam die Partei im Februar auf neun Prozent. Wie bekommt ihr den Rechtsruck hier in Hamburg mit?

Ja, in Hamburg sehen wir zum Glück nicht eine ganz so krasse Entwicklung. Ich fand es hier wahnsinnig toll, wie viele Menschen zuletzt bei den Großdemos gegen Rechtspopulismus auf die Straße gegangen sind. In meinem Alltag oder auf der Straße bekomme ich hier wenig Rechtspopulismus mit – aber wenn ich in die sozialen Netzwerke gucke, sieht das schon anders aus.

Das sieht man auch in den Kommentaren unter eurem Song.

Es ist schon irre, was da in den letzten Tagen, seitdem wir den Song veröffentlicht haben, an Hass und Hetze gekommen ist und welche Nachrichten man bekommt. Der Song macht in der rechten Bubble die Runde und wird von diesen Leuten kommentiert. Einer schrieb: ‚Bald wird ja auch wieder die Wehrpflicht eingeführt, dann kannst du ja schön deine Lieder im Kriegsgraben singen.‘ Es ist bedrückend, im Zentrum von rechten Anfeindungen zu stehen. Ich muss aber auch sagen, dass es absolut schön ist, wie viel positive Bestärkung uns erreicht. Der Song scheint irgendetwas bei den Leuten auszulösen.

Warum ist es euch als Band trotzdem wichtig, euch politisch zu positionieren?

Weil politische Entwicklungen natürlich unser Denken bestimmen. Wir sind politische Menschen und sehen es als unsere Aufgabe an, alles, was uns beschäftigt, in unseren Songs zu transportieren. Rechtspopulismus ist ein Thema, das uns nicht nur gesamt-gesellschaftlich beschäftigt, sondern natürlich auch privat.

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