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Gonne Stechers „Beste Plattensammlung der Welt“


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Gonne Stecher hat das Buch „Die beste Plattensammlung der Welt oder warum fast alles gelogen ist“ geschrieben. 

Gonne Stecher hat mal in einem Plattenladen in Burgwedel/Schnelsen-Nord gearbeitet. Mittlerweile hat er den Wohnort gewechselt, aber mit Inspirationen aus seiner Plattenladen-Zeit das Buch „Die beste Plattensammlung der Welt oder warum fast alles gelogen ist“ geschrieben. Die fiktionale Geschichte mit autobiografischen Sprenklern und einem Sachteil handelt von Bonke und Bernd – und von herrlichem Musik-Nerdtum. Im MOPOP-Interview haben wir dem Autoren Gonne Stecher einige Fragen zu seinem Buch gestellt.

MOPOP: Worum geht’s im Buch?

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Gonne Stecher: Die Rahmenhandlung des Buches ist die fiktionale, aber realistisch anmutende Geschichte eines freakigen Plattenladens in Hamburg. Darin eingebettet wird die Entwicklung der Freundschaft von Bernd und Bonke erzählt, die lustige, aber auch tiefsinnige Gespräche führen. Und neben anekdotischen Begebenheiten geht es im Besonderen die ganze Zeit um tolle Musiker, Bands und deren Songs.

Wie bist du dazu gekommen, das bzw. überhaupt ein Buch zu schreiben?

Die kürzeste Antwort ist: Ich habe einfach ein Buch geschrieben, das ich selbst gerne lesen wollte, welches es jedoch nicht zu kaufen gab. Als langjähriger Plattensammler störte es mich zum Beispiel, dass die meiner Meinung nach beste Musik – trotz zig Chartshows usw. – in den Medien oftmals zu kurz kommt. Es gibt so viele Musiker, denen man ein Denk- bzw. Hörmal setzen muss. Außerdem konnte ich im Buch mal so richtig ungestört schlaumeiern.

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Ich habe einfach ein Buch geschrieben, das ich selbst gerne lesen wollte, welches es jedoch nicht zu kaufen gab.

Gonne Stecher

Der Titel des Buches weist schon drauf hin: Warum ist fast alles gelogen?

Eine meiner Hauptfiguren, Bernd, seziert seine Umwelt sehr genau und für ihn sind viele vermeintliche Wahrheiten einfach schlicht gelogen. Sei es, dass es die beste Plattensammlung der Welt natürlich eigentlich nicht geben kann, da vieles einfach Geschmackssache ist. Oder auch in anderen Zusammenhängen: Etwa in der Religion oder Politik, wo aus schlichtem Eigeninteresse versucht wird, uns Bären aufzubinden.

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Der Autor Gonne Stecher

 

Welche Eigenschaften muss die „beste Plattensammlung der Welt“ aus deiner Sicht haben?

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Sie sollte uns sicherlich unterhalten, aber auch Anregungen geben. In schlimmen Momenten kann sie uns trösten. Musik ist Futter für die Seele, und kann uns intellektuell bereichern. Um einen Gedanken von Musikjournalist und -Produzent Joachim-Ernst Behrendt aufzunehmen: Musik besteht aus Schwingungen und daher kann sie sogar noch mehr sein – „Die Welt ist Klang“.

Kannst du bitte einmal die autobiografischen Anteile vs. die fiktionalen in deinem Roman schildern?

Ich wollte gerne ein realistisches Buch schreiben. Alles sollte so sein, dass es zumindest so hätte gewesen sein können. Deshalb habe ich häufig auf selbst Erlebtes oder mir Zugetragenes zurückgegriffen. Manches ist jedoch nur – hoffentlich gut – ausgedacht. Obwohl es im Buch Sachbuch-Anteile gibt, ist es für mich trotzdem ein Roman. Ein Roman mit Quellenangaben …

Erzähl mal, wie du an den zweiten Teil des Buchs herangegangen bist.

Während der erste Teil des Buches aus Sicht von Bonke eher im Stile eines Romans oder einer Erzählung daherkommt, wollte ich im zweiten Teil aus Bernds Perspektive, dem „wandelnden Musiklexikon“, ein bisschen genauer auf ausgewählte Platten schauen. Was verbindet ein Musikfreak mit seinen besten Platten? Was kennzeichnet diese Musik? Was fühlt und denkt man, wenn man die eigene Lieblingsmusik hört? Und welche Relevanz hat sie für den Rest der Welt?

Gonne Stechers Musikperle: Shawn Phillips

Was ist für dich die skurrilste Geschichte, die du da über eine:n Musiker:in entdeckt hast?

Ich suche schon mein Leben lang nach mehr oder weniger unentdeckten Musikperlen, aber Shawn Phillips haut meines Erachtens dem Fass den Boden aus. Ein herausragender Musiker, Sänger und Komponist, der jahrzehntelang sogar mit dem Who is Who der Musikwelt Scheiben gemacht hat – und den trotzdem niemand kennt. „The best kept secret in music business“, sagte Konzertveranstalter Bill Graham über ihn, dabei sang er im Backgroundchor der Beatles, schrieb „Seasons Of The Witch“ mit Donavan, arbeitete mit dem Arrangeur von Elton John und so weiter!

Jetzt gibt’s das Buch nicht nur als Taschenbuch, sondern auch als Hardcover. Wie kommt’s?

Ich wollte das Buch günstig halten, damit es sich wirklich jeder leisten kann, deshalb gab es zuerst nur das Taschenbuch. Da manche aber gerne eine noch hochwertigere Ausgabe zum Verschenken haben wollten und manch ein Leser es sich als eine Art Nachschlagewerk wegstellen möchte, gibt es jetzt außerdem eine stabil gebundene auf 100 Exemplare limitierte Ausgabe als „Prachteinband“ – ganz klassisch mit Fadenheftung und Lesebändchen, gebunden in Leinen, in einem Schutzumschlag mit einer neuen, gemalten Grafik.

Die aus deiner Sicht beste Platte der Welt?

In meinem Buch gibt es ein längeres, kluges Zitat von Nick Cave, der einen Preis ablehnte, weil – kurz gesagt –  Kunst kein Wettrennen ist. Für mich steht aber zum Beispiel Jimi Hendrix‘ „Electric Ladyland“ auf einer Stufe mit Beethovens 5. Symphonie.

Der aus deiner Sicht beste Song der Welt?

Wie gesagt, Kunst ist kein Wttrennen, Aber wer sich beispielsweise mal „The Ballad Of Casey Deiss" von Shawn Phillips anhört, wird es wohl nicht bereuen. Wer’s etwas verzwickter mag, hört sich das „Mekanik Destrüktiw Kommandöh“ von Magma an. Einer der schönsten deutschsprachigen Songs ist meiner Meinung nach "Bis jemand mich hört" von Herman van Veen.

Gonne Stechers Buch „Die beste Plattensammlung der Welt oder warum fast alles gelogen ist“ (351 Seiten) ist beim Wieden-Verlag erschienen, das Taschenbuch kostet 13,90 Euro, das limitierte Hardcover 25,90 Euro. Bestellen kann man beides hier!

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