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Erfolgs-Band Meute: „In Hamburg sind wir aufgeregter als in New York“

Meute Thomas Burhorn
Thomas Burhorn ist Mitbegründer der Hamburger Techno-Marching-Band Meute.
Foto: Sebastian Madej

Ein sonniger Samstagmittag im August, Thomas Burhorn sitzt im Backstage-Bereich des Dockville-Festivals in Wilhelmsburg. Der Mitbegründer der Techno-Marching-Band Meute nippt gut gelaunt an seinem Kaffee. Der 47-Jährige wirkt erholt, er und seine Band hatten ein paar Tage frei; Zeit, um ein wenig durchzuatmen, hier in der Heimatstadt – nach Konzerten auf Festivals in Italien, Frankreich, England und Ungarn in der Woche davor. Seit 2015 gibt es Meute, fast zehn Jahre. Aus der Idee, Techno und Blasmusik zu kombinieren, ist eine international erfolgreiche Band geworden. Die elfköpfige Hamburger Truppe tourt nicht nur erfolgreich durch Europa, erst im Frühjahr waren sie mal wieder in den USA, haben vor Tausenden in New York und San Francisco gespielt. An diesem Samstag im August ist Zeit für ein Heimspiel: Auf dem Dockville spielt die Band als Headliner auf der Hauptbühne. Vor dem Soundcheck ist etwas Zeit für ein Gespräch über das Erfolgsrezept der Band – und den besonderen Reiz von Konzerten in Hamburg.

MOPOP: Seit fast zehn Jahren gibt es euch mittlerweile – wie fühlt sich das an?

Thomas Burhorn: Das ist wirklich eine krass lange Zeit. Es fühlt sich frisch an und gleichzeitig haben wir schon so viele Dinge erlebt. Manchmal ist Zeit ja ein merkwürdiges Ding – so ist das auch mit diesem Projekt.

Du hast Meute mitbegründet. Hast du von Anfang an geglaubt, dass das so ein einschlagender Erfolg wird?

Ich habe schon dran geglaubt, dass das was Längerfristiges sein würde. Ich kann mich aber auch dran erinnern, dass es damals Leute gab, die gesagt haben: Das ist eher eine Eintagsfliege. Ich hatte da aber ein anderes Gefühl – weil es so etwas Universelles ist, was wir da machen.

Erklärst du dir so auch euren internationalen Erfolg?

Ja, schon. Mit Techno und mit Brass-Musik können ja die Leute in fast allen Ländern der Welt etwas anfangen. Beides ist stark in der Tradition verankert. Die Blasmusik natürlich schon viel länger – die gibt es ja seit Jahrhunderten. Aber Techno gibt es ja nun auch schon seit den Neunzigern. Je mehr wir international touren, desto mehr sehen wir das, wie tief da die Wurzeln sind. Bis zu unserer Gründung hat die Verknüpfung von Brass-Musik und Techno noch nicht so sehr stattgefunden – obwohl sie sich gleichzeitig relativ naheliegend anfühlt. Ich glaube, dass allein deshalb unsere musikalische Idee auf so eine große Resonanz stößt.

Ihr habt quasi mit Straßenmusik angefangen: In eurem ersten YouTube-Video aus dem Jahr 2016 zieht ihr durch die Schanze und covert dabei den Deep-House-Klassiker „Rej“ – und die Leute stehen um euch rum und feiern euch. Jetzt spielt ihr in riesigen Konzerthallen und auf Festivals vor Zehntausenden

Die großen Konzerte haben natürlich den großen Vorteil, dass wir viel besser klingen, die Bässe fett und tief sind, das hat natürlich eine tolle Qualität. Die Herausforderung im Vergleich zu so einem Straßengig ist es aber, eine gewisse Nähe zum Publikum zu erzeugen. Die ist auf der Straße automatisch gegeben, man ist mittendrin – und man bekommt auch unmittelbarer Feedback. In den großen Hallen müssen wir uns hingegen ein bisschen was einfallen lassen, um dann auch die Distanz zu überwinden für die Leute, die nicht in der ersten Reihe stehen – das gelingt dann durch eine tolle Video- und Lichtshow.

Ihr hattet dieses Jahr euren bislang größten Charterfolg, eure Platte „Empor“ hat es in Deutschland auf Platz 7 geschafft. Hat das für euch eine Bedeutung – oder seht ihr euch eher als reine Liveband?

Wir haben uns natürlich riesig darüber gefreut. Das ist nett und nochmal ein Beweis schwarz auf weiß, dass die Leute sich für unsere Musik interessieren. Aber die Konzerte haben für uns einfach eine viel größere Bedeutung – und machen halt auch am allermeisten Spaß.

Ihr seid zu elft, du bist sowas wie der Bandleader – wie ist das, so eine große Truppe zusammenzuhalten?

Als Thomas Burhorn antworten will, hält ein paar Meter weiter im Dockville-Backstage-Bereich ein schwarzer Mini-Van, der Rest der Band trudelt für den Soundcheck ein, der gleich ansteht. Burhorn steht auf, die Musiker umarmen sich herzlich, spürbare Wiedersehens-Freude. Obwohl man gar nicht so lange von einander getrennt war – zuletzt stand die Band drei Tage zuvor beim Locus-Festival in Apulien auf der Bühne.

Thomas Burhorn: Die Truppe zusammenzuhalten, ist eine Herausforderung, aber der Mensch wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben (lacht). Aber es ist auch eine wahnsinnig schöne Sache, wie man sieht. Wir sind eigentlich alle froh, dass wir nicht irgendwie als einzelner DJ-Act unterwegs sind, sondern in so einer großen Gruppe durch die Gegend reisen – mit unserer Crew sind wir insgesamt knapp 20 Leute. Weil das natürlich viel lustiger ist und bereichernd. Und weil wir durch das gemeinsame Unterwegs sein wahnsinnig viel über uns gelernt haben – über uns selbst, aber auch die anderen. Das macht es spannend.

Fühlt es sich für euch anders an, hier in der Heimat Konzerte zu spielen?

Total. Wir merken das alle – wenn wir hier in Hamburg einen Gig spielen, dann sind wir komischerweise viel nervöser als in New York oder so. Das liegt natürlich auch daran, dass unsere Freunde und Bekannten zu den Konzerten kommen – vor Leuten zu spielen, die man kennt, ist immer etwas aufregender.

Obwohl ihr eigentlich ja langsam wisst, dass ihr hier gut ankommt seid und quasi nichts zu verlieren habt?

Ja. An Orten, an denen wir noch nicht waren, gibt es oft auch noch einen großen Überraschungseffekt – weil Leute dann erstmal geflashed sind von dem, was da überhaupt passiert auf der Bühne. Hier in Hamburg sind immer viele Menschen dabei, die unsere Musik und unsere Show kennen – und dann natürlich mit einer gewissen Erwartungshaltung zu unseren Konzerten kommen. Aber das ist gleichzeitig natürlich neben der Aufregung ein wahnsinnig schönes Gefühl.

Ihr positioniert euch auch politisch, hier in Hamburg habt ihr beispielsweise kurz vor der Europawahl ein Gratis-Konzert als Teil der Reihe „Klare Kante gegen Rechts“ gespielt. Wie wichtig ist euch das?

Es wird immer wichtiger. Die meisten in unserer Band sind zwischen Mitte 30 und Ende 40 – und in einer Zeit aufgewachsen, in der man dachte, dass alles Schritt für Schritt freier und liberaler wird. So nach dem Motto: Wir müssen jetzt nur lang genug durchhalten und dann ist die ganze Welt voll Demokratie, Toleranz und Gleichberechtigung. Aber man merkt immer mehr, dass das überhaupt nicht selbstverständlich ist, dass es sich in vielen Teilen der Gesellschaft in die absolut andere Richtung bewegt. Das beschäftigt uns. Und deswegen haben wir das Gefühl, dass man sich da richtig doll einsetzen muss. Wir machen das, weil es uns am Herzen liegt.

Meute live in Hamburg: Mittwoch, 16. Oktober, und Donnerstag, 17. Oktober, jeweils 20 Uhr, Inselpark-Arena. Beide Konzerte sind ausverkauft.

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