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„Die Welt geht mit oder ohne ihn unter“: Chuck D von Public Enemy über Trump, Rassismus und soziale Netzwerke

„Die Welt geht mit oder ohne ihn unter“: Chuck D von Public Enemy über Trump, Rassismus und soziale Netzwerke

06.10.2020
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Das Mastermind von Public Enemy: Chuck D (60) verfügt über wortgewaltige, politische Kraft. Foto: imago images/Zuma Press/Ollie Millington/RMV

Gerade haben die Polit-Rapper Public Enemy ihr neues Album „What You Gonna Do When The Grid Goes Down?“ veröffentlicht. MOPOP sprach mit Mastermind Chuck D via Zoom über den Weltuntergang, Trump (dessen Namen er nie nennt), Flavor Flav und die Zusammenarbeit mit den Beastie Boys und Run DMC. Seine Stimme war dabei so tief und seine Aussagen so wortgewaltig wie eh und je.

MOPOP: Polizeigewalt, Trump als Präsident, Klimakrise, Corona: Halten Sie den Zustand allgemein und in Ihrem Land noch aus?

Chuck D: Mir bleibt doch nichts anderes übrig! Man darf niemals weglaufen, sondern muss – egal wo – die Veränderungen für eine bessere Welt vorantreiben. Ich selbst sehe mich wegen meiner vielen Reisen als Weltbürger. Aber hier in den USA sind meine Liebsten, ihretwegen will ich hier sein und bleiben.

Chuck D: Wenn man Veränderung will, ist Weglaufen keine Option

Mit dem Titel Ihres Albums fragen Sie, was wir Menschen machen würden, wenn der Untergang direkt bevorstünde. Sie meinen damit sicher auch Trumps mögliche Wiederwahl, oder?

Die Welt geht mit oder ohne ihn als Präsidenten unter, das ist ja das Schlimme. Mit „Grid“ meinen wir aber auch ganz wörtlich das Stromnetz und Internet. Wir wollen vor möglichen Tricks seitens der Regierung warnen. Nicht dass es nachher heißt: Der Strom funktioniert nicht, das Internet auch nicht und deswegen könnt ihr nicht wählen gehen.

Public Enemy: Klassismus muss zerstört werden

Ihr 1989er-Song „Fight The Power“ ist eine Hymne für alle Benachteiligten. In diesem Jahr haben Sie ihn zusammen mit anderen Künstlern wie Nas, Rapsody, YG, Jahi sowie Black Thought und Questlove von den Roots neu aufgelegt. Nichts hat sich seit 1989 geändert …

Sehr viel hat sich geändert! Menschen sind gestorben und andere wurden geboren. Die systemischen Übel wie Sexismus, Rassismus, Faschismus und weitere Formen des Klassismus müssen zunächst vollends zerstört werden, sonst gedeihen sie von Generation zu Generation immer weiter. Deswegen bleibt der Song leider aktuell.

Ist Ihre Musik Soundtrack zur „Black Lives Matter“-Bewegung?

Das weiß ich nicht. Wir sind ja mittlerweile älter und stehen nicht im Zentrum der Bewegung. Meine Stimme wird aber gehört und mit HipHop kann ich Veränderung fordern, beraten oder eine gewisse Richtung aufzeigen. Wir Musiker und Künstler sind diejenigen, die immer wieder sagen müssen: Du kannst was verändern! Aber die tatsächliche Veränderung schaffen wir nur im Kollektiv – angeführt von jungen Leuten.

So sieht das Cover von Public Enemys neuem Album aus. Bild: Def Jam/Universal
So sieht das Cover von Public Enemys neuem Album aus. Bild: Def Jam/Universal

Sie sind jetzt wieder bei Ihrem alten Erfolgslabel Def Jam. Fühlt sich das wie der Karrierebeginn in den 80ern an?

Nein, wir haben ja auch 20 Jahre lang Musik in Eigenregie veröffentlicht. Für Selbstvermarktung im Internet sind wir Pioniere! Def Jam jetzt fühlt sich wie eine Wiedervereinigung oder ein „Get-Together“ an.

„Das ist legendär und dafür werde ich für immer dankbar sein.“

Chuck D über den gemeinsamen Song „Public Enemy Number Won“ zusammen mit den Beastie Boys und Run DMC

Apropos „Get-Together“: Sie haben den Song „Public Enemy Number One“ als „Public Enemy Number Won“ zusammen mit den verbliebenen Mitgliedern der Beastie Boys und von Run DMC neu aufgelegt. Das fühlt sich gut an, oder?

Ich fühle große Freude und Stolz zugleich! Das ist legendär und dafür werde ich für immer dankbar sein. Natürlich konnten wir uns nicht Face-to-Face treffen wegen Corona, aber die Zusammenarbeit hat auch im digitalen Raum funktioniert.

„Fight The Power 2020“ mit all den Feature-Künstlern ist also auch in sozialer Distanz entstanden?

Ja, da war Questlove die treibende Kraft. Wenn Questlove anruft, dann hast du zu reagieren und dann funktioniert das auch. (lacht)

Flavor Flav (l.) und Chuck D sind Ikonen des politischen Raps. Foto: Def Jam/Universal
Flavor Flav (l.), Chuck D (r.) und DJ Lord sind Ikonen des politischen Raps. Foto: Def Jam/Universal

Wie ist Ihr Verhältnis zu Flavor Flav?

Wir kennen uns schon sehr lange, sind alte Freunde, aber auch wie ein altes Ehepaar. Und nun ja: Ich bin gerade derjenige, der arbeitet und die ganzen Interviews führt.

Kurzzeitig hieß es, Sie beide würden für immer getrennte Wege gehen. Das war aber ein PR-Gag.

Wir arbeiten an verschiedensten Dingen, aber die bekommen lange nicht so viel Aufmerksamkeit. Warum brauchen die Leute heutzutage so viel  Drama und Hype in den sozialen Netzwerken? Sie sollten sie nur für sinnvolle Dinge und nicht für diesen Spielkram nutzen.

Flavor Flav (61) ist der lustige Hype-Man im PE-Gespann, aber mindestens genauso wichtig. Foto: imago images/Media Punch/Kabik Photography

Was vermissen Sie in der Corona-Zeit am meisten?

Nicht die Konzerte. Ich hatte 2020 und 2021 eh vor, an meinem Radio-Netzwerk Rapstation.com und meiner Plattenfirma Split Slam zu arbeiten. Ich wollte einfach nur HipHop spielen, ihn in der Welt verbreiten und ihn auch selbst neu entdecken. Am meisten vermisse ich wohl die Möglichkeit, mich frei in der Welt bewegen und überall hinreisen zu können.

Haben Sie je darüber nachgedacht, Politiker zu werden?

Nein, ich habe schon einen Job: Musik. Das ist der beste Job der Welt! Politiker müssen Arbeitstiere sein, die den Job wirklich machen wollen. Nicht Menschen wie ich, die schon vorher in der Öffentlichkeit standen. Nicht er. Und auch nicht Kanye West. Das ist völlig dumm und narzisstisch.

HipHop verändert die Welt und gibt den Schwachen eine Stimme

Wie politisch kann HipHop sein?

HipHop kann die Welt verändern! Er weckt die besten Ideen und gibt Menschen eine Stimme, die sonst nicht gehört werden.

„What You Gonna Do When The Grid Goes Down?“ (Def Jam/Universal)

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