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Carlos Santana in Hamburg: „Trump ist wie Nebel – die Sonne wird ihn lichten“

Carlos Santana
Seit 56 Jahren begeistert Carlos Santana das Publikum mit seinem Latin-Rock.
Foto: Maryanne Bilham

Carlos Santana gilt als Erfinder des Latin-Rock. Zuletzt musste er wegen einer Corona-Infektion Konzerte absagen, aber jetzt ist der 77-jährige Woodstock-Veteran wieder fit und hat noch viel vor: Er bereitet ein Album mit Eric Clapton vor, plant ein globales Woodstock-Festival und will im Sommer zahlreiche Konzerte in Europa spielen – auch in Hamburg steht er auf der Bühne. Die MOPO sprach mit ihm über Donald Trump, sein neues Album „Sentient“ und seine Frau.

MOPO: Das Album „Sentient“ (fühlend) enthält einige Ihrer spektakulärsten Kollaborationen in neuer Bearbeitung … Carlos Santana: Ich habe zwei, drei der Stücke überarbeitet, die Songs in eine andere Reihenfolge gebracht. So sind sie zu neuem Leben erwacht. Ich bin dankbar, dass ich ein gefühlvolles Album mit Run DMC, Michael Jackson, Smokey Robinson, Miles Davis und meiner Frau Cindy Blackman machen konnte. Nicht vielen wird es zugetraut, mit solch großartigen Künstlern Musik zu machen. Ich bin ein wirklich gesegneter Mexikaner.

Was wollen Sie mit der Platte ausdrücken?

Carlos Santana: Ich möchte sagen, dass Musik heilt und die Angst vertreibt. Ich möchte daran erinnern, dass korrupte Konzerne keine Macht über mich oder über dich haben.

Trump hat seinen Wählern die „größte Abschiebeaktion in der amerikanischen Geschichte“ versprochen. Wie fühlt es sich an, als gebürtiger Mexikaner unter solch einem Präsidenten zu leben?

Ich bin ein multidimensionaler Geist. Ich salutiere aus Respekt vor der amerikanischen Flagge. Aber ich salutiere nicht vor korrupten Regierungen. Ich folge meinem Herzen und ich bin eins mit Jesus. Deshalb habe ich keine Angst vor Donald Trump. Für mich ist er wie Nebel. Irgendwann lichtet die Sonne immer den Nebel.

Sie haben ein Instrumental-Cover von Michael Jacksons Ballade „Stranger in Moscow“ aufgenommen. Können Sie sich so gut in ihn hineinversetzen, weil er wie Sie Vollblutmusiker war?

Ja, und er wollte den Weltfrieden. „Stranger in Moscow“ ist interessant. Ich war in Ostberlin, als es den Checkpoint Charlie noch gab, 1987. Ich weiß, wie es ist, nach Russland oder nach Jerusalem zu reisen. Ich kenne die Gefahr, die von diesen Konflikten ausgeht, weil sie ideologisch begründet sind. Aber wenn man sein Herz mit Licht erfüllt, bringt man Harmonie auf beide Seiten.

Mit Eric Clapton und Derek Trucks wollen Sie jetzt ein neues Projekt gründen: Eric, Derek und der Mexikaner. Wann wird man von diesem Trio etwas hören können?

Eric und ich reden ständig darüber. Wir wollen Spaghettiwestern-Musik wie in „Spiel mir das Lied vom Tod“ machen.

„Coherence“ ist ein neues Lied mit Ihrer Frau Cindy. Wenn Sie beide zusammen Musik machen, verfolgen Sie damit immer etwas Spirituelles?

Jemand hat mir gesagt, dass Cindy zu mir geschickt wurde, um mir zu helfen, mein inneres Klosett zu reinigen (lacht). Cindy und ich führen viele Gespräche, tiefgründig und bedeutungsvoll. Das ist kein dummer Scheiß. Auf und abseits der Bühne bringen wir uns gegenseitig nur reine, frische Blumen. Keine Plastikblumen!

Wird Ihre Frau Sie bei der „Oneness“-Tour begleiten?

Sie ist die Schlagzeugerin in unserer Band. Zwischen ihr, Paoli Mejias und Karl Perazzo gibt es eine Menge Energie.

Wird es Ihre letzte Konzertreise dieser Größenordnung sein?

Ich weiß nicht, wann und wie ich aufhören werde. Ich bin immer daran interessiert, Neues zu erschaffen. Unter anderem schwebt mir ein globales Woodstock vor. Drei Tage, beginnend in San Francisco und dann um die ganze Welt, mit Künstlern von überall. Am dritten Tag würden wir mit einer Sinfonie abschließen. Ich möchte es „Oneness“ nennen. Das schwebt mir neben einem neuen Album vor. Ich plane auch ein eigenes Tonstudio. Es gibt eine Menge Dinge, die ich mit Freude tun möchte. Ich halte in Ehren, was Wayne Shorter einmal sagte: „Sei glücklich und habe Spaß!“

1962 zogen Sie von Mexiko nach San Francisco. Wollten Sie der Armut in Ihrem Heimatland entkommen?

Mir ging es mehr darum, einen Ort zu betreten, an dem Willie Mays, Roy Rogers und später B.B. King wirkten. Für mich bedeutete Amerika Disneyland. Ich wollte alle Rechte in Anspruch nehmen, Popcorn essen und Coca-Cola trinken. Für mich war es ein soziales Experiment, diesen Teil von Amerika zu erleben. Und dann hing ich mit den Hippies ab. Ich respektiere, bewundere und ehre Amerika. Ich identifiziere mich aber nicht mit irgendetwas, das brutal ist, oder mit der Sklaverei. 

Könnte man sagen, dass Sie den amerikanischen Traum leben?

Ich lebe eher den Welt-Traum. Amerika ist nur eine Nation, die Welt ist das ganze Ding. Ich sage Ihnen, Mann, ich habe kein Problem damit, hier zu leben. Würde ich die USA verlassen, wäre das, als würde ich weglaufen. Ich verlasse Amerika nur, wenn ich etwas finde, das besser zu meiner Seele passt.

Barclays-Arena: 15.6., 20 Uhr, ab 81,49 Euro; Album: „Sentient“ (Candid Records)

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