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Bonnie Tyler: „Ich singe hoffentlich noch die nächsten zehn Jahre!“

Bonnie Tyler
Seit mehr als 40 Jahren begeistert Bonnie Tyler (73) ihre Fans mit ihrer unverkennbaren heiseren Stimme.
Foto: picture alliance / Sipa USA | Oscar Gonzalez

„Total Eclipse Of The Heart“, „Holding Out For A Hero“ oder „Lost In France“ sind drei der größten Hits von Bonnie Tyler, der unverwüstlichen Waliserin mit der extratiefen, extrarauen Stimme. Nun ist die 73-Jährige wieder auf Tournee. „Just Live“ heißt die Konzertreise, die sie Ende Mai auch nach Hamburg führt. Und neben all ihren Welterfolgen werde sie auch mindestens zwei ganz neue Lieder präsentieren, verrät Bonnie Tyler im Interview mit der MOPO.

MOPO: Staunen Sie manchmal über Ihre Stimme?

Bonnie Tyler: Es ist schon außergewöhnlich, wie gut sie hält. Ich begann mit dem Singen, als ich 17 war, jetzt bin ich 73. Ich hätte nie für möglich gehalten, in diesem Alter noch so mitzumischen. Aber wenn du auf dich aufpasst, kannst du das schaffen. Rod Stewart ist 80, Tom Jones noch einige Jahre älter, und sie stehen immer noch in guter Verfassung auf der Bühne. Wenn es optimal laufen sollte mit meiner Gesundheit, kann ich mir vorstellen, noch ungefähr zehn Jahre lang zu singen.

Wie viel Aufwand ist es für Sie, sich für eine Tournee stimmlich in Form zu bringen?

Ich übe jeden Tag. Alle zwei bis drei Tage telefoniere ich mit meiner Gesangslehrerin, wir machen etwa 20 Minuten Intensivkurs zusammen. Seit wir miteinander arbeiten, hatte ich keinerlei Probleme mehr mit den Stimmbändern. Und wir sprechen hier von 14 Jahren.

Man sagt Ihnen nach, dass Sie ein absoluter Familienmensch sind …

Zu 100 Prozent. Mein Mann Robert und ich haben ja keine Kinder, aber meine drei Schwestern und zwei Brüder haben dafür jede Menge. Und dann die ganzen Enkel, da verliert man fast den Überblick. (lacht) Es macht mich nur oft traurig, dass meine Eltern nicht mehr da sind, wir hatten eine wunderbare Verbindung. Aber jetzt die Kleinen – sie haben so viel Energie und schenken uns irrsinnig viel Freude. Und diese Energie ist ansteckend. Ich meine, ich bin 73 und nehme es nicht für selbstverständlich, noch so emsig durch die Welt zu touren. Im Januar habe ich in Neuseeland und Australien gespielt, jetzt geht es durch ganz Europa, und Südamerika steht für nächstes Jahr auch noch auf dem Programm.

Haben Sie in Neuseeland nicht auch ein Anwesen?

Hatte. Wir besaßen eine Farm mit Kühen und anderen Tieren, einen Milchbetrieb. Davor hatten wir einen Hof mit Kaschmirziegen. Aber vor einem Jahr haben wir den Bauernhof verkauft.

Zu viel Arbeit?

Ach, mein Lieber, die Arbeit habe ich ja nicht selbst gemacht. (lacht) Wir hatten vorher schon an örtliche Farmer vermietet, und die haben den Hof jetzt gekauft.

Fühlen Sie sich jung?

Jung im Herzen. Und ich kann auch überhaupt nicht stillsitzen. Einfach mal in Ruhe ein Buch zu lesen, das klappt bei mir fast nie. Als ganz praktisch haben sich für mich Hörbücher herausgestellt, weil ich noch was nebenher machen kann, wenn ich die höre. Mein Mann ist ganz anders, der guckt gerade unten in aller Ruhe Fernsehen. Während ich hier mit Ihnen telefoniere und anschließend weiter meinen Ankleideraum aufräume.

Wie lange sind Sie verheiratet?

Seit 51 Jahren! Ich weiß, es klingt unglaublich.

Was ist Ihr Geheimnis?

Wir lieben uns. Sehr sogar. Ich würde meinen Mann für nichts und niemanden auf der Welt hergeben wollen. Er ist immer noch diejenige Person, mit der ich am liebsten Zeit verbringe. Wir reisen auch so gut wie immer zusammen, auch zu meinen Tourneen begleitet er mich. Die Fans kennen ihn schon, manchmal rufe ich ihn hoch zu mir auf die Bühne.

Sie haben 2023 Ihre Autobiografie „Straight From The Heart“ veröffentlicht. War es ein langgehegter Wunsch, Ihr Leben aufzuschreiben?

Nein, ich musste überredet werden. Im Nachhinein sage ich: zum Glück. Denn ich mag das Buch gern, es ist sehr ehrlich.

Sie schreiben unter anderem, dass Sie früher sehr schüchtern waren. Wann haben Sie Ihre Schüchternheit abgelegt?

Das geschah schleichend mit der Zeit. Irgendwann hatte ich alles erlebt, vieles erreicht, wurde ruhiger, gelassener und selbstbewusster. Ich musste nichts mehr beweisen. Ich konnte einfach rausgehen und mein Leben und meine Arbeit genießen.

Welche Leidenschaften haben Sie neben der Musik?

Ich schwimme unheimlich gerne. Es ist ja verrückt, aber ich habe erst mit Ende 60 überhaupt gelernt zu schwimmen. Während der Pandemie, die wir in Portugal verbrachten, fing ich aus Langeweile in unserem Pool damit an. Und ich liebe es. Aber nur im Pool. Niemals im Meer. Ich möchte nicht im Bikini bei allen möglichen Leuten auf Facebook auftauchen.

Überall auf der Welt mögen die Menschen Ihre Lieder und Ihre Stimme. Haben Sie eigentlich so etwas wie einen „Edelfan“?

Ich liebe selbstverständlich alle meine Fans gleich, aber wenn Sie schon so fragen: Prinz William. Als seine Oma, die Queen, noch lebte, kam er mal mit seiner Frau Kate und seinen zwei ältesten Kindern zu einem meiner Konzerte nach Cardiff in Wales, was nicht weit entfernt ist von meinem Geburtsort. Ich konnte von der Bühne aus erkennen, dass er mitsang!

Haben Sie sich auch unterhalten?

Ja. Er erzählte mir, dass die Familie auf der Autofahrt nach Wales „Total Eclipse Of The Heart“ gehört habe, damit seine Kinder wussten, was sie erwartet. Süß, oder?

Schon, ja. Und die Ehrenauszeichnung „Member Of The Order Of The British Empire“, kurz MBE, hat er Ihnen später auch noch verliehen.

Vor knapp zwei Jahren. Die Queen hat die Zeremonie leider nicht mehr miterlebt, aber sie hat meine Ehrung noch kurz vor ihrem Tod in die Wege geleitet. Ich bin jetzt offiziell ein Mitglied des britischen Establishments, stellen Sie sich das mal vor!

CCH 1: 29.5., 20 Uhr, 64,75-99,25 Euro

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