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Andrew Ridgeley von Wham!: „Ich wusste sofort, dass das ein Riesenhit wird!“

Andrew Ridgeley
„Das ist ein Weihnachtssong für alle Zeiten“: Sänger und Produzent Andrew Ridgeley war Teil des Pop-Duos Wham!
Foto: IMAGO / APress

„In Erinnerung an meinen besten Freund, mit dem ich das Einzige gemacht habe, was ich je wirklich machen wollte, und der der Einzige war, mit dem ich es mir je hatte vorstellen können.“ Mit diesen berührenden Worten beginnt die 2019 veröffentlichte Biografie „Wham! George & ich“ von Andrew Ridgeley, neben George Michael die andere Hälfte des Popduos Wham!. Fünf Jahre später und 40 Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung erreicht der Hype um Wham! und ihr „Last Christmas“ einen neuen Höhepunkt. Zum runden Jubiläum sind u.a. zwei limitierte Picture-Vinyl-Scheiben erschienen. Warum der Song populärer ist denn je, wie sich George Michael gegenüber Ridgeley outete und wo die beiden sich erstmals begegneten, erzählt er im MOPO-Interview.

MOPO: Mr. Ridgeley, in Amerika sangen Ihnen die Backstreet Boys vorm Rockefeller Center ihre Version von „Last Christmas“ vor, Sie nahmen einen Kulturpreis der St. George’s Society of New York entgegen und waren zu Gast in Jimmy Fallons Tonight Show. Wie ist das, wenn man 40 Jahre nach Wham! wieder wie ein A-Listen-Popstar hofiert wird?

Andrew Ridgeley: Ach, ich glaube ja, die Backstreet Boys haben „Last Christmas“ eher für die sieben Millionen Zuschauer an den Fernsehgeräten gesungen als für mich. Es ist natürlich toll, heute noch Preise für Wham! zu bekommen. Die Leute haben sich neu in Wham! verliebt. Aber ich kann Ihnen versichern, zurück in England werde ich wie ein ganz gewöhnlicher Sklave des Labels Sony behandelt (lacht).

Wie ist das, wenn Sie wochenlang nur über „Last Christmas“ reden?

Es ist eine Sache, die mir sehr am Herzen liegt, aber nach dem 50. Interview wird es ein bisschen zäh. Seit wir vor ein paar Jahren die Entscheidung fällten, uns aktiv um das Vermächtnis von Wham! zu kümmern, war ich schwer beschäftigt mit verschiedensten Projekten. Als George 2016 starb, war da keine aktive Karriere mehr, auf die das Auswirkungen haben könnte, wenn wir in der Vergangenheit von Wham! wühlen. Nun sind wir in der Mitte eines Vier-Jahres-Programms zu 40 Jahren Wham! Und „Last Christmas“ ist ein Teil davon.

Ein großer Teil! „Last Christmas“ ist heute populärer als je zuvor. Wie erklären Sie sich das?

Der Song hat das Level erreicht, wo er selbst eine Weihnachtstradition ist. Streaming hat dazu beigetragen, dass sich die Popularität noch mal gesteigert hat.

Wie sehr mögen Sie den Song?

In den ersten zwei Jahren nach Georges Tod war es schwer für mich, ihn zu hören. Aber jetzt lieb ich ihn wieder. Er erinnert mich an all das Positive, was wir erlebt haben.

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Vergangenes Jahr war „Last Christmas“ die Weihnachts-Nr.-1 in Großbritannien. In diesem Jahr ist der Song auf Platz 3 der US-Billboard-Charts. Was hätte George Michael dazu gesagt?

Er wäre besonders über Ersteres zweifellos sehr erfreut. Es ist eine Bestätigung seines Talents und seiner Erfolgserwartung. Er schrieb Songs, damit sie Nummer 1 wurden. Mit Platz 2 oder Platz 3 konnte er nichts anfangen. So wurde auch „Last Christmas“ dafür geschrieben, in Großbritannien die Charts anzuführen. Wir legten großen Wert darauf, kommerziell erfolgreich zu sein. Als er mir das Stück zum ersten Mal in seinem Elternhaus vorspielte, wusste ich sofort, dass das ein Riesenhit werden würde.

Was war Ihr erster Eindruck, als George als der Neue in Ihrer Schule auftauchte?

Er war Georgios Kyriakos Panayiotou, zwölf Jahre alt, ein Junge mit dicken Brillengläsern und einer komischen Frisur, den ich unter meine Fittiche nahm. Erst später wurde er eitel. Sein widerspenstiges Haar war für ihn ein ständiges Ärgernis.

Die Art, wie Wham! aussahen und sich bewegten bei Auftritten, war durchaus sexuell aufgeladen. War das der Plan?

Wir waren zwei relativ gut aussehende junge Typen. Sex ist Teil des Lebens, ist Teil der Attraktivität von Pop und machte auch einen Teil der Attraktivität von Wham! aus. Und es waren ja nicht nur zwei heiße Typen, wir hatten ja auch noch zwei sexy Frauen in der Band. Das ist die Art der Präsentation, die wir für Wham! wollten. Die Choreografien auf der Bühne waren die Folge von vielen Nächten in Clubs, die wir mit 18 und 19 besuchten. Shirley, George und ich tanzten da zusammen. Wir haben das dann für die Auftritte von Wham! übernommen – aus purer Verlegenheit, was wir sonst auf der Bühne machen könnten.

Als Sie das Video zu „Club Tropicana“ drehten, hat sich George Ihnen gegenüber geoutet. War Ihnen seine sexuelle Orientierung da eh schon klar?

Nein, das war tatsächlich eine Neuigkeit für mich. Es war zwar auch keine komplette Überraschung, aber da er ja damals auch Freundinnen hatte, war es schon eine News, als er Shirley und mir offenbarte, schwul oder zumindest bisexuell zu sein. Ich denke, zu der Zeit fühlte er sich von beiden Geschlechtern angezogen. Er wäre auch nicht der erste schwule Mann, der Spaß mit Männern und Frauen gehabt hat. Viele schwule Männer sind verheiratet und haben Kinder.

Haben Sie es jemals bedauert, ihn damals nicht ermutigt zu haben, sich zu outen? Sie rieten ihm sogar davon ab, heißt es in der Doku.

Nein, überhaupt nicht. Ich hielt es damals für das Richtige. Es ging mir nicht darum, dass es eventuell negative Auswirkungen auf die Karriere von Wham! haben würde. Ich dachte nur, sein Vater würde ihm die Hölle heiß machen. Im Rückblick bewertete George es als Fehler, seinen Eltern nicht frühzeitig reinen Wein eingeschenkt zu haben.

Gibt es den einen Moment, der Ihre Freundschaft definierte?

Da waren zu viele. Wir kannten uns ja ein Leben lang. Aber meine innigsten Momente mit George sind die des gemeinsamen Aufwachsens, als wir quasi noch Kinder waren. Wie wir auf unsere ersten Partys gingen, Blödsinn machten, erste Erfahrungen sammelten, Glück und Unglück miteinander teilten.

Es muss seltsam gewesen sein, als mit der Auflösung von Wham! im Jahr 1986 auch die gemeinsam verbrachte Zeit endete.

Nach Wham! entwickelten wir uns in unterschiedliche Richtungen, was mit sich brachte, dass wir uns nicht mehr so oft sahen wie früher. Aber wir waren auch erwachsen geworden und verstanden, dass es so sein musste. Das war anfangs nicht einfach. Erst waren wir ganz eng, dann etwas weniger eng, es variierte je nach Lebenssituation. Aber unsere Freundschaft dauerte bis zu seinem Tod.

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Anders als George, der danach als Solokünstler so richtig durchstartete, sind Sie mit 23 in Rente gegangen.

Ich war in der glücklichen Lage, mich an all den Dingen erfreuen zu können, die das Leben bietet. Manchmal hat mich George darum beneidet.

Was können wir noch von Wham! erwarten?

Im nächsten Jahr gibt es gleich zwei Projekte: Der Besuch von Wham! in China 1985 wird gefeiert, außerdem das finale Konzert in Wembley. Dafür haben wir uns etwas sehr Besonderes und Cooles ausgedacht.

Gibt es etwas, das Sie bezüglich Wham! bedauern?

Dass wir nie Konzerte auf dem Festland in Europa gespielt haben. Darüber bin ich immer noch enttäuscht. Wir waren lediglich für TV-Shows da.

Kennen Sie eigentlich die neueste Coverversion von „Last Christmas“ von Sabrina Carpenter und Chappell Roan?

Nein, es soll ja angeblich über 400 Coversongs davon geben, ich kann ja nicht alle kennen. Ich höre wenig zeitgenössische Musik. Ich höre kein Radio, ich sehe kein Fernsehen, ich gehe nicht ins Kino. Ich bin in keinster Weise in die Mainstream-Kultur involviert. Aber damit bleibt einem auch manches erspart.

Mögen Sie denn Mariah Careys „All I Want For Christmas Is You“? Es ist ja immer ein Gerangel darum, welcher der beiden Songs zu Weihnachten höher in den Charts ist.

Ja, ich mag den Song von Mariah Carey, es ist ein guter Track. Nicht ganz so gut wie „Last Christmas“ natürlich. Mein Lieblings-Weihnachts-Popsong ist allerdings „Santa, Can’t You Hear Me“ von Kelly Clarkson und Ariana Grande. Das liebe ich total. Die Gesangsdarbietung ist fantastisch und nicht von dieser Welt. Das wäre meine Wahl zum Fest.

Wie werden Sie dieses Jahr Weihnachten verbringen?

Mit Freunden, wie schon die letzten Jahre. Wir quatschen, trinken und schauen alte Weihnachtsfilme an. So besagt es die Tradition bei uns. Ich freue mich sehr drauf.

Und dann hören Sie „Last Christmas“?

Ich werde keine andere Wahl haben, glauben Sie mir.

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