Während des riesigen Reeperbahn-Festivals (RBF) einfach NOCH ein Festival auf dem Kiez veranstalten? Könnte ein Himmelfahrtskommando sein. Oder ein Angriff auf den Platzhirsch? Beides falsch. Das „Treffen“, das 2024 zum ersten Mal stattgefunden hat, sieht sich als Ergänzung: notwendig, um die Hamburger Musikszene während des stark international ausgerichteten Club-Events zu präsentieren. Und weil das bei der Premiere so gut lief, geht es jetzt in die zweite Runde. Auf und um St. Pauli, vom 17. bis 21.9. und mit 25 Acts. Warum das gut ist, wie es dazu überhaupt kam – und wer alles auf den Bühnen steht.
Die Idee
„Das Reeperbahn-Festival hat sich erfreulicherweise etabliert und es kommen viele Menschen in unsere Stadt“, sagt Gunther Buskies, Inhaber der Plattenfirma Tapete Records und „Treffen“-Mit-Initiator. „Leider ist aber eine Sichtbarkeit der Hamburger Musikbranche über die Zeit immer weiter aus dem Fokus geraten. Was schade ist, weil es hier unglaublich viele aktive Firmen und Clubs gibt, die das ganze Jahr über daran arbeiten, spannende Musik zu ermöglichen.“ Und so habe man sich irgendwann gesagt: „Dann kümmern wir uns selber darum.“
Foto: Ben KählerDas Programm
Das RBF hat ein stark international geprägtes Programm – es gibt Showcases von Newcomer-Acts aus Europa, Kanada, Taiwan und vielen weiteren Teilen der Welt. Viel gute Musik, keine Frage. Aber: „Wir haben aber in unserem eigenen Umfeld gemerkt, dass das Programm nicht alle Menschen anspricht. Gerade in der alternativen und subkulturellen Szene hat sich da eine Lücke aufgetan, die das ,Treffen‘ perfekt füllen kann.“ Bei der Premiere im vergangenen Jahr waren fünf der acht Veranstaltungen ausverkauft. „Das hat uns darin bestätigt, dass trotz des Festival-Angebots des Reeperbahn-Festivals der Wunsch beim Publikum für diese zusätzlichen Konzerte absolut vorhanden ist.“ Und so geht es 2025 weiter – unter anderem mit Konzerten von Albrecht Schrader, Papir, Bobby Conn, Schnuppe, Rico Danta, Marie Klock und Death Pill, sowie Lesungen von unter anderen Rebecca Spilker und John Robb (mehr: siehe hier).
Die Clubs
Sieben Orte werden bespielt: Golden Pudel Club, Hafenklang (+ Goldener Salon), Komet, „MS Stubnitz“, Kölibri – und erstmals auch das Nachtasyl unterm Thalia-Dach und das Semtex an der Hopfenstraße. „Clubs, die nicht im Reeperbahn-Festival-Programm stattfinden. Das gibt der Hamburger Musik-Branche endlich die Möglichkeit, sich während des Reeperbahn-Festivals in ihrer eigenen Stadt zeigen zu können.“
Der Clou
Anders als bei anderen Festivals kauft man sich beim „Treffen“ Tickets einzeln für jeden Club-Abend – wer beispielsweise Resi Reiner, Albrecht Schrader und Das Paradies (alle drei in Solo- und Kleinformationen) am 19. September im Kölibri sehen will, zahlt dafür 16,50 Euro. Vorteil: Wer eine Karte hat, kommt auch sicher rein – anders als bei manch anderem Festival. „Die Preise sind mit 10 bis 20 Euro pro Veranstaltung bewusst niedrig gehalten, sodass es möglichst vielen Menschen möglich sein sollte, sich mehr als ein Konzert zwischen Mittwoch und Sonntag anzuschauen“, so Buskies. „Aber natürlich stehen die Musiker:innen im Mittelpunkt, denn ohne sie gäbe es all dies logischerweise nicht. Das heißt: Statt für einen Festival-Auftritt – wie woanders üblich – bezahlen zu müssen, verbleiben die Einnahmen bei den Acts und den Clubs“, so Buskies weiter. „Wir sind in der glücklichen Lage – auch wenn wir bislang keine öffentliche Förderung erhalten – durch einen privaten musikbegeisterten Spender jede Veranstaltung noch zu unterstützen und die Gesamtkosten für Werbung und so weiter zu übernehmen.“
Foto: Death PillDas Team
Mehr als 30 Hamburger Musiklabels, Vertriebe, Clubs, Musikverlage und Plattenläden haben sich zusammengetan, um das „Treffen“ auf die Beine zu stellen. Schöner Nebeneffekt: „Durch diese gemeinsame Festival-Aktion gibt es einen regeren Austausch zwischen den Hamburger Labels und den beteiligten Clubs untereinander.“ Zusammen veranstalten sie auch eine sogenannte Reception, einen Empfang, zu dem im vergangenen Jahr um die 300 Leute kamen, um „sich mit den Akteuren der Hamburger Musik-Branche unterhalten zu können“.
Die Tickets
Da heißt es: schnell sein! „Es sind ja viele kleine Clubs, mit denen wir arbeiten. Das ist auch gut so, denn dort ist eine Entwicklung von Künstler:innen und grundsätzlich neuem viel niederschwelliger möglich. Es empfiehlt sich daher im Vorverkauf zuzuschlagen“, so Buskies.
„Musik Treffen Hamburg“: 17.-21.9., diverse Orte und Uhrzeiten, für jeden Club-Abend gibt’s Einzel-Tickets unter musiktreffenhamburg.de/tickets


































