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MS Dockville: Vorfreude auf 25.000 Musikfans – und besondere Momente

MS Dockville: Vorfreude auf 25.000 Musikfans – und besondere Momente

18.08.2022
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Eike Eberhardt gehört zum Orga-Team des MS Dockville. Foto: Quandt

Endlich wieder Musik und Party vor beeindruckender Hafenkulisse: Nach zwei Jahren Zwangspause wird am Wochenende am Reiherstieg in Wilhelmsburg wieder das MS Dockville gefeiert. MOPOP sprach mit Eike Eberhardt aus dem Orga-Team über Herausforderungen, Ticketpreise und Nachhaltigkeit.
 
Zweimal musstet ihr das MS Dockville Corona-bedingt verschieben, jetzt ist es am Wochenende endlich wieder soweit. Was überwiegt gerade bei euch Organisator:innen: Die Vorfreude oder der Stress?
 
Eike Eberhardt: Natürlich ist kurz vor dem Festival alles etwas stressig, aber das gehört dazu. Es überwiegt die Vorfreude und die Erleichterung, dass es endlich wieder losgeht. Wir haben so lange gehofft, wieder starten zu können –  jetzt ist es einfach mega schön, bald wieder Tausende Menschen auf dem Gelände zu haben. Heute morgen sind wir über den Campingplatz gelaufen, der gerade natürlich vor allem eine Wiese ist. Und dabei zu wissen, dass dort am Wochenende wieder viele besondere Momente stattfinden, wenn da wieder bis zu 8.000 Leute ihre Zelte aufschlagen; dass wir insgesamt mit bis zu 25.000 Besucher:innen unser Festival feiern werden – das ist schon was ganz Besonderes.

Der Auftritt von Faber (Samstag, 22.10 Uhr) wird eines der Highlights beim MS Dockville. Foto: dpa


Ihr hattet für 2020 schon ein Line-up zusammengestellt und viele Tickets verkauft. Dann kam Corona. Welchen Einfluss hatte die Pandemie auf die Auswahl der musikalischen Acts? 
 
Die Corona-Situation hat es wahnsinnig kompliziert gemacht, ein Line-up zu buchen. Aber wir haben viele Künstler:innen aus dem Ursprungs-Line-up von 2020 mitnehmen können, beispielsweise Faber. Wir haben uns angestrengt, weil wir natürlich auch wissen, dass diejenigen, die 2020 ein Ticket gekauft haben, das auch wegen der Bands getan haben – aber in jedem Fall war es nicht möglich. Manche Bands spielen beispielsweise gerade gar nicht in Europa, da mussten wir umdisponieren.
 
Haben viele Besucher:innen Ihre Tickets zurückgegeben?
 
Wir haben eine riesige Welle der Solidarität erlebt und sind sehr glücklich darüber, dass die meisten ihre Tickets behalten haben. Man muss aber auch sagen, dass es uns wohl finanziell das Genick gebrochen hätte, wenn wir auf einen Schlag das Geld für alle bereits gekauften Tickets hätten zurückerstatten müssen. Was in den letzten Wochen eine kleine Herausforderung war: Viele haben sich erinnert, dass sie sich ja 2020 ein Ticket gekauft hatten – haben dann aber die eMail nicht mehr gefunden. Aber das kriegen wir natürlich gelöst. 
 
Veranstalter:innen kämpfen aktuell mit vielschichtigen Problemen: Es fehlt Personal, die Kosten steigen. Was sind für euch die größten Herausforderungen?
 
Alle Lieferkettenprobleme und Preissteigerungen kommen auch bei uns an. Egal ob Bühnen, Miete, technisches Personal: Alles ist viel teurer geworden, wir erleben zwischen 30 und 100 Prozent Preisteigerung. Wir versuchen beispielsweise bei der Anlieferung von Waren und Materialien Dinge zusammenzulegen: Was früher in vier Touren kam, wird heute eher in einer angeliefert. Viele Veranstalter:innen haben das Problem, dass für einen einzigen Tag oder ein einzelnes Wochenende viel aufgebaut werden muss – dieses Problem haben wir zum Glück nicht, seit einem Monat wird unser Gelände ja schon für Veranstaltungen genutzt. Das spart Geld und ist natürlich auch nachhaltiger.

Die Kieler Indierock-Band Leoniden spielt Samstag um 20.40 Uhr auf dem Dockville. Foto: dpa


Teil eures Konzepts waren immer günstigere Tickets für Anwohner:innen aus Wilhelmsburg. Dieses Jahr habt ihr da die Preise angezogen, was auch für Ärger gesorgt hat.
 
Prinzipiell können wir den Frust da natürlich verstehen, überall wird alles teurer. Früher waren die Anwohnertickets brutal günstig. Aber es ist leider so, dass wir einer gewissen marktwirtschaftlichen Logik ausgesetzt sind und uns da nicht selbst kannibalisieren dürfen. Wir müssen da aber leider mitrechnen: Weil die Kosten so stark gestiegen sind, wir aber natürlich auch in den vergangenen beiden Jahren kaum Einnahmen hatten.
 
Du hast vorhin bereits das Thema Nachhaltigkeit angesprochen. Wie wichtig ist euch das – und was tut ihr?
 
Natürlich können wir nicht die Welt retten – aber wir möchten auch nicht die Partys zu ihrem Untergang schmeißen. Das ist ein Balanceakt. Wir versuchen, an möglichst vielen Stellen nachhaltig zu arbeiten:  Wir haben zum Beispiel eine neue Bühne aus den Beständen unseres Holzlagers gebaut – und die sieht super und gar nicht nach Resteverwertung aus. Wir bieten ausschließlich ein vegetarisches und veganes Catering an. Beim Strom müssen wir auf einen Mix aus Aggregatstrom und Feststrom setzen, 70 Prozent davon sind grüner Feststrom. Zudem haben wir im Vorfeld mit anderen Festivals zusammengearbeitet, um beispielsweise die Anreise internationaler Künstler:innen so umweltfreundlich wie möglich gestalten zu können. Und wir raten sehr deutlich davon ab, mit dem Auto zum Dockville zu kommen – sondern stattdessen mit S-Bahn, Shuttle oder auch dem Fahrrad. Natürlich ist ein Festival ein Starkverbraucher – aber mit unserer Stadtnähe und unseren Nachhaltigkeitskonzept können wir nachhaltiger sein als viele andere Festivals.

MS Dockville 2022: Es gibt noch Tickets!

Endlich ist es wieder Zeit fürs Dockville in Wilhelmsburg! Neben dem starken Line-up – etwa AnnenMayKantereit (Sonntag, 20.40 Uhr), Tash Sultana (Freitag, 22.10 Uhr), Faber (Samstag, 22.10 Uhr), Girl In Red (Sonntag, 19.10 Uhr) und vielen mehr – bietet das Festival auch einige DJ-Sets zum Partymachen bis in die Nacht hinein. Außerdem gibt‘s Kunst-Führungen, Workshops, Panels, sogar Yoga und eine Lesung von Aktivistin Luisa Neubauer (Sonntag, 15.30 Uhr).

MS Dockville: 19.-21.8., Schlengendeich 12, Tagestickets 80/90 Euro, alle Tage 160/185 Euro, alle Infos, Programmpunkte und Tickets unter dockville.de

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