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Millerntor-Gallery droht das Aus! Ab Donnerstag wird trotzdem gefeiert – mit einem fetten Musik-Programm

Foto der Sängerin, sie trägt eine extravagante Brille und lange, spitze Fingernägel
Umjubelte Konzerte? Bei Mine immer. Am 10. Juli singt sie von 21 bis 22 Uhr auf der Mainstage der Millerntor-Gallery.
Foto: Bastian Bochinski

Wenn die 13. Millerntor-Gallery an diesem Donnerstag offiziell startet, geht es längst nicht mehr nur um Kunst, die die Wände des FC St. Pauli-Stadions verschönert. Auch Talks und Lesungen stehen auf dem Programm – und jede Menge Konzerte. 

Deine Cousine, Kavka, Die P, Easy Easy, Querbeat, Betterov, Mine: Das sind nur einige der Acts, die in diesem Jahr bei der Millerntor-Gallery für Musik sorgen. Auf der Mainstage gibt’s an vier Tagen Konzerte, auf der Fritz-Kola-Stage legen jeden Abend DJs auf, und die Haspa-Newcomer-Stage präsentiert unter anderen die beiden frischgebackenen „Krach+Getöse“-Award-Gewinnerinnen Keshia und Lina-Mariah. 30 Acts stehen insgesamt auf den drei Bühnen – ein Festival im Festival.

St. Pauli-Stadion in Hamburg wird wieder zur Millerntor-Gallery

Und das ist längst nicht alles, denn auf der Kultur-Bühne sind Lesungen (unter anderen von Luisa Neubauer und Edith Löhle), Panel-Talks (etwa „Nachhaltigkeit: Was ist das?“) und Live-Podcasts („Mord auf Ex“) im Programm. Für die namensgebende Kunst sind wieder (inter)nationale Mural Artists zuständig: Unter anderen gestalten Bona Berlin, die New Yorker Street-Art-Legende Hektad und die Brasilianerin Mari Pavanelli die Wände des Umlaufs der Haupt- und Südtribüne im Millerntor-Stadion neu. Und diesmal werden die Kunstwerke auch länger als ein Jahr dort zu sehen sein. Gezwungenermaßen.

Denn: „2026 wird die Millerntor-Gallery in ihrer bisherigen Form nicht stattfinden“, sagt Agnes Fritz, Geschäftsführerin Viva con Agua Arts. Im Mai war das Team mit der Botschaft rausgegangen, „dass es uns nicht gut geht: Inflation, schwindende Fördermittel und strukturelle Unsicherheiten setzen selbst etablierten Kulturformaten wie unserem spürbar zu“.

Die Künstlerin lächelnd vor einer bunt gestalteten WandFoto: Verena Felder
Auch die Brasilianerin Mari Pavanelli hat eine der Wände des Haupt- und Südtribünen-Umlaufs im Millerntor-Stadion neu gestaltet.

Alleine die Produktionskosten etwa hätten sich in den vergangenen Jahren beispielsweise nahezu verdoppelt (vor der Pandemie waren es rund 200.000 Euro, inzwischen seien es rund 400.000 Euro). 2026 solle also „ein Jahr der Transformation“ werden, erklärt Fritz. „Das ist eine bewusste Entscheidung, um Raum für Erneuerung zu schaffen.“ (siehe auch „Drei Fragen an Agnes Fritz“ weiter unten)

2026 kann die Millerntor-Gallery nicht in ihrer bekannten Form stattfinden

Umso schöner also, wenn alle, die in diesem Jahr Zeit (und Geld für den Eintritt) haben, sich die vier Tage und Abende nicht entgehen lassen.  Die bringen schließlich nicht nur Spaß, sondern füllen im besten Fall auch die Kassen für weltweite „WASH“-Projekte von Viva con Agua – und damit Zugang zu WAsser, Sanitär und Hygiene auf dem afrikanischen Kontinent.

Millerntor-Gallery: 10.-13.7., Do 18-24 Uhr, Fr 16-24 Uhr, Sa 12-24 Uhr, So 12-19.10 Uhr,Millerntor-Stadion/Einlass über Eingang am Nordplatz (Feldstraße), Tagesticket Do: 19 Euro, Tagesticket Fr/Sa/So: 25 Euro, All-Days-Ticket Do-So: 49 Euro, millerntorgallery.org

Die drei Menschen sitzen vor einem Plakat, auf dem Viva con Agua stehtFoto: Verena Felder
Oke Göttlich, Agnes Fritz und Jörn Wiemann-Huschi (v. l.) bei der Pressekonferenz zur Millerntor-Gallery 2025

Drei Fragen an Agnes Fritz

MOPO: Die diesjährige Umsetzung der Millerntor Gallery galt als besonders herausfordernd. Ihr selbst sprecht von einem „Wendepunkt“. Mal Hand aufs Herz: Gibt es Hoffnung für die Zukunft?

Agnes Fritz: Die Millerntor Gallery ist ein Gesamtkunstwerk, das wir seit 2011 gemeinsam mit unzähligen Künstler*innen, Aktivist*innen, Partner*innen und Ehrenamtlichen gestalten. In den letzten 20 Jahren haben wir immer wieder neue Wege gefunden, daher sind wir uns sicher diese Herausforderung mit einem zukunftsfähigen und sozialen Format für Kultur, Musik und Kunst zu meistern. Umso wichtiger ist die diesjährige Millerntor-Gallery zu besuchen oder zu unterstützen. Sie wird zu einem besonderen Ort des Zusammenkommens, des Austauschs und der Solidarität. Also kommt vorbei, unterstützt das Engagement aller Ehrenamtlichen und Künstler*innen – und feiert mit uns die Kunst, die Gemeinschaft und die Vision #artcreateswater. 

Was bedeutet das konkret für euch als Veranstaltende – und was für die Besucher*innen? Gibt es spürbare Veränderungen im Programm?

Natürlich mussten wir reagieren: Wir haben an vielen Stellen Kosten eingespart, beispielsweise durch die Verlegung einer Bühne in den Innenraum. Gleichzeitig haben wir jede Möglichkeit genutzt, zusätzliche Einnahmen und starke Partnerschaften zu generieren – mit Erfolg. Die Organisation war dieses Jahr so tight und fokussiert wie nie zuvor. Und das zahlt sich aus: Die künstlerische Vielfalt bleibt erhalten. Dank gezielter Förderungen dürfen sich unsere Besucher*innen auch in diesem Jahr auf internationale Mural Artists, ein vielfältiges Kulturprogramm und musikalische Highlights freuen. Für unser Team bedeutet das: noch mehr Kreativität, noch mehr Zusammenarbeit – und ein großer Stolz auf das, was wir gemeinsam ermöglichen. 

Sie sitzt zwischen Grün und einer Wand und guckt skeptisch zur SeiteFoto: Kathi Sterl
Deine Cousine tritt am 11. Juli (21-22 Uhr) auf der Mainstage auf.

Warum sollten die Menschen auch in diesem Jahr wieder zur Millerntor-Gallery kommen? Was sind eure ganz persönlichen Highlights?

Weil die Millerntor Gallery mehr ist als ein Festival. Sie ist ein Ort der Begegnung – für Kunst, Musik und gesellschaftlichen Dialog und Veränderung. Gerade in Zeiten wie diesen braucht es Formate, die Menschen zusammenbringen, gesellschaftliche Fragen verhandeln und Lust auf Zukunft machen. Was uns dieses Jahr besonders bewegt? Zum einen die Sonderausstellung „Celebrate The Cycle“, in der Künstler*innen aus vier Kontinenten das Thema Menstruation enttabuisieren – ästhetisch, politisch und empowernd. Dann natürlich unser Programm mit Acts wie Deine Cousine, Mine, Querbeat, Luisa Neubauer, Kübra Gümüşay oder Dominik Eulberg – Menschen, die nicht nur auf der Bühne, sondern auch gesellschaftlich Haltung zeigen. Und selbstverständlich nicht zu vergessen das, was die Millerntor-Gallery immer besonders macht: Menschen, die mitgestalten. Vom Ehrenamt bis zur Kunst im Stadionumlauf. Jeder Tropfen trägt zu einem gemeinsamen Regenbogen bei. 

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