Fünf vor zwölf. Und das Gelände ist immer noch nicht freigegeben. Endlich. Die Ordner heben das Absperrband. Jubel bei den Fans. „Taha, ich komme“ brüllt eine junge Frau in Gummistiefeln und rennt mit ihrer Freundin durch den Matsch in Richtung „Mountain Stage“. Die Fans trudeln gerade ein, da läuft Taha singend, den linken Arm in die Luft gereckt, auf die Bühne. Ein ganz besonderer Moment für den Newcomer aus Berlin. Er ist einer der Gewinner des „Bühne frei! Contest“ 2024 von „Let The Players Play“ und durfte am Sonnabend beim Hurricane Festival auftreten.
Taha hatte „null damit gerechnet“ für den „Bühne frei! Contest“ von „Let The Players Play“ nominiert zu werden. Mehr als 2250 Solokünstler, DJs und Bands jeden Genres hatten sich bis Ende Januar beworben. Eine Fachjury wertete die Bewerbungen aus. Im anschließenden Community-Voting gaben die Teilnehmer mehr als 66.000 Stimmen ab und wählten damit die sieben besten Newcomer. Die Gewinner des Contests dürfen auf den größten Festivalbühnen Deutschlands performen. Für den 34-jährigen Taha eine große Nummer. Spielte er bisher doch meist auf kleinen Bühnen. Beim Hurricane ist er das erste Mal. „Das ist sozusagen meine Jungfernfahrt.“
Von Lampenfieber vor dem Auftritt keine Spur
Doch von Lampenfieber vor dem Auftritt keine Spur. Taha gönnt sich im Backstage ein wenig Sekt aus der Flasche zum Wachwerden. Um vier Uhr ist er zu Hause aufgebrochen, um 8.30 Uhr angekommen. Er setzt sich mit seinen Musikern zusammen. Es müssen noch zwei Lieder von der Setlist gestrichen werden. Noch schnell ein paar Liegestütze zum Aufwärmen. Gleich ist es soweit. Die Bühne wartet. Und die ist richtig groß. „Als wir ankamen, dachte ich, dass das die Mainstage ist. Wahnsinn, wie riesig.“
Es ist 12. Taha nimmt die Stufen im Laufschritt und rennt seinen „Songs für Verlierer“ singend auf die Bühne. „Schön, dass ihr da seid. So habe ich mir das vorgestellt“, sagt der Sänger lachend. Immer mehr Fans eilen in die matschige Pampe vor der Bühne und tanzen. „Habt ihr Spaß?“, fragt Taha. Die Fans jubeln. „Wir haben nicht viel Zeit.“ Schnell der nächste Song. Es folgen unter anderem „Kinderspielplatz“, „666“ und „Benzin“. Erstaunlich. Viele der zumeist jungen Fans sind textsicher und grölen laut mit. Kaum einer, der nicht wild im Matsch tanzt. Zu „Chapeau“ holt sich Taha Unterstützung von Sänger „Mortis“ auf die Bühne.

Taha wirbelt über die Bühne, schnackt immer wieder mit dem Publikum, lacht. Er hat Spaß. Und scheint die Zeit zu vergessen. Am Ende bekommt er ein Zeichen. Er muss runter. „Einen noch?“, fragt er bittend. Keine Chance. „Leute, wir müssen gehen. Ich danke euch. Wir sehen uns auf dem Zeltplatz. Hab euch lieb“, ruft Taha ins Mikrofon. Die Menge jubelt. Und es scheint, als sei bei manchen die Enttäuschung groß, dass es schon vorbei ist. Etliche Fans bleiben vor der Bühne stehen. Und werden belohnt. Fünf Minuten später kommt Taha aus dem Backstage. Er wischt sich mit einem weißen Handtuch den Schweiß von der Stirn. Fans umarmen ihn, filmen, machen Selfies.
Den Plastikbecher Sekt in der Hand unterhält sich der Sänger. „Eigentlich hatten wir noch einen Song, aber ich habe zu viel gequatscht. Ich quatsche gerne mit meinen Leuten. Ich habe einige meiner Fans im Publikum gesehen. Richtig geil“, sagt Taha lachend. Angst davor, dass nur eine Handvoll Leute vor der „Mountain Stage“ stehen könnten, hatte er aber ohnehin nicht. Natürlich mache es mit Vielen mehr Spaß. „Aber ich habe schon Shows vor vier Leuten gespielt. Das ist kein Problem.“
Taha genießt die Nähe seiner Fans – nur nicht auf der Toilette
Allerdings träumt der Newcomer natürlich von großen Bühnen und noch größerem Publikum. „Und eigenen Toiletten im Backstage.“ Ein WC für ihn alleine? Taha schüttelt lachend den Kopf. „Nein. Ich bin schon in Clubs aufgetreten, in denen es keine Personaltoiletten gab.“ Vor Fans am Pissoir zu stehen, die geduldig abwarten, bis er fertig ist, um dann auf dem Klo um ein gemeinsames Foto zu bitten – keine Erfahrung, die er häufiger braucht. Auch wenn er die Nähe seiner Fans ansonsten genießt. Heute geht er noch auf den Zeltplatz. Mittendrin sein. Feiern. Ein wenig sicherlich auch sich selber. Nach einem solchen Auftritt.

































